DeHavilland DHC-2 Beaver

Ein Biber schreibt Kurzgeschichte

Von Jürgen Schelling
Aktualisiert am 05.01.2020
 - 16:03
Dinosaurier der Luftfahrt: DeHavilland DHC-2 Beaverzur Bildergalerie
Eine kanadische Fluggesellschaft baut eines ihrer Flugzeuge auf Elektroantrieb um. Damit schreibt diese Beaver Luftfahrtgeschichte.

Die DeHavilland DHC-2 Beaver, also Biber, ist so etwas wie ein Dinosaurier der Luftfahrt: schwer, behäbig, ganz aus Metall, schon in den 1940ern konstruiert, und normalerweise von einem betagten Sternmotor angetrieben. Jetzt hat eine Maschine dieses Typs Luftfahrtgeschichte geschrieben. Am 10. Dezember hob mit einer elektrifizierten Beaver erstmals ein rein elektrisch angetriebenes Verkehrsflugzeug ab.

Dass die Fluggesellschaft Harbour Air aus dem kanadischen Vancouver, die mehr als 40 Wasserflugzeuge betreibt und mit ihnen Linienflüge anbietet, ausgerechnet einen Oldtimer umbaut, hat gute Gründe. Die oft mehr als 50 Jahre alten Beaver-Flugzeuge stellen nicht nur das Rückgrat der Flugzeugflotte von Harbour Air dar. Ihre durchschnittlichen Passagierflüge sind auch meist kürzer als 30 Minuten. Dafür ist die Reichweite eines Elektroantriebs ausreichend. Aufgeladen werden könnten die Akkus dann künftig mit Hilfe von Ladestationen an den verschiedenen Anlegestellen. Zudem wurde mit dem Umbau des Oldtimers bewiesen, dass eine Elektrifizierung in der Luftfahrt durchaus stattfinden kann.

Herzstück des Umbaus ist ein 550 kW (750 PS) starker Elektromotor vom Typ Magni 500 von Magni X aus Amerika. Er sitzt an der Stelle, an der zuvor ein 450 PS starker Sternmotor installiert war. Allerdings musste die Nase des Rumpfs etwas verlängert werden, weil der Elektroantrieb leichter ist als der frühere Kolbenmotor. So stimmt der Schwerpunkt wieder. Neu ist die speziell auf den Elektromotor abgestimmte Luftschraube. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die Maschine ist nun deutlich leiser.

Die rund 1 Tonne schweren Lithium-Ionen-Akkus sitzen in der Nähe des Schwerpunkts im Rumpf. Da die Reichweite keine volle Stunde plus Reserve betragen muss, sind sie relativ kompakt. Der Hersteller rückt aber keine Daten zur Kapazität heraus. Maximal kommt die elektrische Beaver 160 Kilometer weit.

Greg McDougall, Chef und auch Pilot von Harbour Air, übernahm den Erstflug selbst. Nach vier Minuten Flug setzte die elektrifizierte Beaver wieder auf dem Fraser River in Vancouver auf.

Bis die Zulassung der Luftfahrtbehörde Transport Canada, dem kanadischen Pendant zum deutschen Luftfahrt-Bundesamt, für die Elektroversion erreicht ist, wird es aber mindestens noch zwölf Monate dauern. Erst danach darf auch mit Passagieren geflogen werden.

Ziel von Harbour Air ist es, als erste Fluggesellschaft der Welt im Betrieb CO2-neutral zu fliegen und zudem auf fossile Energieträger zu verzichten. Deshalb sollen in den nächsten Jahren alle Flugzeuge der Wasserflug-Airline auf Elektroantrieb umgerüstet werden. Gleichzeitig erhofft sich das Unternehmen dadurch eine Kosteneinsparung und betriebswirtschaftliche Vorteile. Denn die spritschluckenden Sternmotoren oder Propellerturbinen der bisherigen Flotte verursachen hohe Treibstoffkosten.

Nicht nur die Wasserflugzeuge der Airline, sondern auch andere Flugzeuge kommen für eine Elektrifizierung in Frage. Eine Absetzmaschine für Fallschirmspringer vom Typ Cessna Caravan des kanadischen Unternehmens wird zurzeit ebenfalls auf den E-Motor von Magni X umgerüstet. Normalerweise treibt eine Propellerturbine diese Cessna an. Das Einsatzprofil einer solchen Absetzmaschine mit vielen Flügen von relativ kurzer Dauer würde aber ebenfalls gut zum Elektroantrieb passen.

Quelle: F.A.Z.
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