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Peugeot 504

Augen wie die Loren

Von Dieter Günther
 - 15:17
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Der Peugeot 504, der als Modell der gehobenen Mittelklasse auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1968 sein Debüt gab, kam auf Anhieb gut an. Das lag zunächst einmal an seiner schicken Linienführung, für die Pininfarina verantwortlich zeichnete. Dank stimmiger Proportionen so elegant wie seriös, setzte die viertürige Limousine mit dem kecken Knick im Kofferraumdeckel ebenso Akzente wie mit ihren trapezförmigen, den Kühlergrill einfassenden Scheinwerfern. Diese ließen den 504 viel moderner und freundlicher wirken als den zunächst weitergebauten 404 mit seiner antiquierten Karosserie-Architektur und dem grimmigen Blick.

Bei der Marke mit dem stilisierten Löwen im Firmenlogo sind sie noch heute stolz auf dieses Stilmittel, das nicht Pininfarina, sondern Paul Bouvot als Leiter des firmeneigenen Centre Style gefunden und durchgesetzt hatte. Sergio Pininfarina soll sogar begeistert gewesen sein: Ihn erinnerten, so hieß es, die formvollendeten Scheinwerfer an die Augen von Filmdiva Sophia Loren. Na denn.

Nicht nur formal, auch technisch überzeugte der in Sochaux gebaute, selbstragend ausgelegte Peugeot 504, er bot – in dieser Fahrzeugklasse 1968 noch keine Selbstverständlichkeit – Einzelradaufhängung rundum sowie Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Zunächst mit dem überarbeiteten, in Vergaser- oder Einspritzversion erhältlichen 1,8-Liter-Vierzylinder des 404 bestückt, erschien 1970 ein Zweiliter-Aggregat, dessen „Injection“ genannte Ausführung mit Kugelfischer-Einspritzanlage stattliche 104 PS leistete. Der eher brave Peugeot 504 zeigte plötzlich seine Krallen und verwandelte sich in einen 170 km/h schnellen Reisewagen, der sich vor einem BMW 2000 nicht zu verstecken brauchte.

Respekt! Da ließen es die wenig später folgenden Diesel-Modelle beschaulicher angehen: Nagelnde Selbstzünder waren seit vielen Jahren fester Bestandteil der Peugeot-Palette, ebenso wie die Kombis Break, Commerciale und Familiale, die von 1971 an die 504-Baureihe ergänzten. Mit längerem Radstand und klobiger Heckpartie mochte ihnen der Charme der Limousine fehlen, dafür bestachen sie durch jede Menge Stau- und Laderaum. Der Familiale ließ sich durch eine zweite Rückbank sogar vom Fünftürer in einen Kleinbus mit sieben Sitzen verwandeln.

Als Reaktion auf die Ölkrise 1973 präsentierte Peugeot eine etwas missverständlich Peugeot 504 L bezeichnete Sparversion mit Bandtacho, 79 PS sowie hinterer Starrachse samt Trommelbremsen. Um die Verhältnisse wieder geradezurücken, hieß die Vergaserversion der Limousine von da an 504 GL, der Einspritzer 504 TI. Dann wurde es rustikal: 1979 erweiterte der auch als Fahrgestell mit Führerhaus lieferbare 504 Pick-up das Programm, dem ein Jahr später der von Peugeot offiziell vertriebene Dangel 4×4 folgte, eine Allradversion des Break und des Pick-up von Automobiles Dangel.

Bevor der Peugeot-Freundeskreis nun endgültig unruhig wird: Nein, wir haben die bildschönen zweitürigen Varianten des 504 natürlich nicht vergessen. Exakt ein Jahr nach Vorstellung des Viertürers, auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1969 enthüllt, sorgten 504 Coupé und Cabriolet mit ihrer wunderbar harmonischen Linienführung für Begeisterung. Von Pininfarina-Designer Aldo Brovarone federführend geformt, übernahm der italienische Karosserieschneider auch gleich ihre Fertigung.

Durfte sich mit dem Titel „Auto des Jahres“ schmücken

Technisch entsprachen die 2 + 2-Sitzer (wenngleich Peugeot forsch von Viersitzern sprach) weitgehend den Limousinen mit Benzineinspritzung, wiesen aber einen 19 Zentimeter kürzeren Radstand auf, was ihnen einen knapperen Innenraum, aber eben auch ein knackigeres Handling bescherte. Das Jahr 1969 war noch aus einem anderen Grund bedeutsam: Der Peugeot 504 durfte sich mit dem Titel „Auto des Jahres“ schmücken, einer prestigeträchtigen Auszeichnung, die sich durchaus handfest niederschlug. So war der Peugeot 504 mehrere Jahre lang der meistverkaufte Importwagen seiner Klasse in Deutschland, was auf diesem anspruchsvollen Automarkt allerhand heißen will.

Folgerichtig gehörte der 504 zu den vertrauten Erscheinungen im Straßenbild, er flimmerte in mindestens einem „Tatort“ am Sonntagabend zur besten Sendezeit über den Bildschirm – und bekam erst vor wenigen Wochen in einem „Polizeiruf 110“ einen Kurzauftritt. Die Hauptargumente, sich für einen 504 zu entscheiden, waren Solidität und Komfort, nicht aber Sportlichkeit. Das war verblüffend, schließlich profilierten sich die Zwei- wie die Viertürer als erfolgreiches Rallye-Geräte, avancierten etwa bei der Safari-Rallye und der Bandama (Rallye Elfenbeinküste) zu Seriensiegern.

Mitte der siebziger Jahre hatte Peugeot seine Produktpalette gezielt erweitert und war in mehreren Fahrzeugkategorien mit den Baureihen 104, 304, 504 sowie 604 im Markt vertreten. Vom 1975 eingeführten 604 sollten auch 504 Coupé und Cabriolet profitieren: Das neue Topmodell wurde von einem V6-Triebwerk mit exakt 2664 Kubikzentimeter Hubraum und 136 PS (später 144 PS) angetrieben, den Peugeot, Renault und Volvo gemeinsam entwickelt hatten. Von einer obenliegenden Nockenwelle je Zylinderreihe gekrönt, kam dieser hochmoderne PRV- oder Euro-Motor nun auch in den sportlichen Zweitürern zum Zuge. Die äußerlichen Retuschen hielten sich in Grenzen, es gab nun einen modifizierten Kühlergrill, unter je einem Glas abgedeckte Doppelscheinwerfer sowie größere einteilige Rückleuchten. Die ebenso massiven wie hässlichen Stoßfänger machten von 1979 an Coupé und Cabrio dagegen nicht attraktiver.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich firmenpolitisch einiges getan. Bei Peugeot, seit 1976 gemeinsam mit Citroën unter dem Dach von Peugeot Société Anonyme (PSA), endete 1983 die Fertigung des 504. Aber man bewies Weitblick in Sochaux und ging eine Partnerschaft mit Guongzhou in China ein, wo der 504 als Peugeot GP 7200 die Werkhallen verließ. Diese Partnerschaft platzte zwar bald wieder – der 504 jedoch lief und lief und lief und wurde bis 2006 in Nigeria in Lizenz produziert. Insgesamt entstanden mehr als 3,7 Millionen Exemplare des 504, eine beeindruckende Bilanz. Ob diese Marke der nagelneue 508 knackt? Für den Nachnachfolger gilt: Die Messlatte liegt hoch.

Quelle: F.A.S.
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