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Elektro-Tretroller

Lasst sie endlich rollen

Von Marco Dettweiler
 - 16:16
Ab September werden sie in Paris nur noch auf der Straße oder Radwegen zu sehen sein: Elektro-Tretroller

Die Elektromobilität ist nicht mehr aufzuhalten. Jetzt wollen auch noch die sogenannten Kleinstfahrzeuge am Straßenverkehr teilnehmen. Das sind Tretroller, die dem Fahrer ab 6 km/h mit ihrem elektrischen Motor die Arbeit abnehmen. Einmal oder zweimal kräftig mit dem Fuß in Schwung gebracht, saust der Roller von allein dahin. Es genügt, mit Hand oder Fuß Gas zu geben, das ist einfacher als Radfahren. Doch Deutschland tut sich unnötig schwer mit dem Thema Elektro-Tretroller.

Mit drei Jahren Verzögerung hat es viel zu lange gedauert, bis überhaupt eine Verordnung für Elektro-Kleinstfahrzeuge vom Bundesverkehrsministerium vorlag. Auf europäischer Ebene gilt schon seit Anfang 2016 die Verordnung Nr. 168/2013. Was lange währt, wird leider manchmal kompliziert. Die Verordnung klassifiziert zwei Fahrzeugtypen: Elektro-Tretroller, die höchstens 12 km/h schnell sind, und Tretroller, die eine Geschwindigkeit von 20 km/h erreichen. Die langsamen Gefährte dürfen auf Gehwegen fahren, die schnellen nur auf Radwegen und Straßen.

Diese Unterscheidung ist Unsinn. Sie hätte wahrscheinlich dazu geführt, dass an diesem Freitag der Bundesrat, der dann die Verordnung billigen soll, dagegen gestimmt hätte. Doch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat es endlich auch eingesehen. Er will das Fahren auf Gehwegen nun doch nicht erlauben. Damit reagiert er auf die Kritik, die in den vergangenen Wochen immer lauter wurde. Tretroller würden die Fußgänger gefährden. Es war nie nachzuvollziehen, warum die Verordnung diese Unterscheidung zwischen den beiden Geschwindigkeiten gemacht hat. Für die meisten Gefährte, die man im Online-Handel findet, geben die Hersteller an, dass ihre Produkte sogar schneller als zwanzig km/h fahren. Die Worte „bauartbedingt bis 12 km/h“ in der Verordnung müsste man also übersetzen mit „vom Gesetzgeber gedrosselt auf 12 km/h“.

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Wen soll die Verordnung also schützen? Die Fahrer? Wer sich auf einen neuen Elektro-Tretroller stellt, wird rasch ein Gefühl dafür bekommen, ob er damit 12, 15 oder 20 km/h fahren kann. Niemand wird losbrausen, ohne vorher zu testen, welche Hindernisse man nehmen kann und wie eng eine Kurve sein darf. Soll die Verordnung die Fußgänger schützen? Dann sind 12 km/h immer noch viel zu schnell. Schließlich bewegen sich die meisten Passanten auf Gehwegen mit weniger als der halben Geschwindigkeit. Frankreich hat seine Erfahrungen gesammelt: Von September an werden dort wahrscheinlich gar keine Elektro-Tretroller mehr auf dem Bürgersteig fahren dürfen. Für Paris gilt wohl ein Verbot schon seit Anfang Mai.

Warum wollte Scheuer überhaupt Tretroller auf die Gehwege schicken? Weil er nicht so viele auf der Straße sehen wollte. Denn dort werden die meisten mit ihren Gefährten landen, weil der Ausbau von Radwegen in Deutschland immer noch stockt. Wer mit zwei Rädern in der Stadt unterwegs ist, muss zu oft auf die Straße ausweichen. Eine Besserung ist nicht in Sicht. So hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in seinem aktuellen Fahrradklima-Test festgestellt, dass die Zufriedenheit der Radfahrer leicht abgenommen habe. Mit einem schnelleren Elektro-Tretroller wird man die gleichen Erfahrungen machen wie ein Fahrrad- oder Pedelecfahrer auch. Dass Zweiradfahrer zufrieden in der Stadt unterwegs sein können, beweisen Städte wie Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm oder Basel. Dort ist der Radweg für Elektro-Tretroller eine attraktive Lösung. In Städten wie Köln, Düsseldorf oder Frankfurt weniger.

Die Verleiher können es kaum erwarten

Die Masse der Tretroller werden günstige kompakte Geräte mit kleinen Reifen sein. Im Online-Handel beginnen die Preise ab 400 Euro. Große, fahrradähnliche Produkte wie die beiden schon jetzt zugelassenen und von der F.A.Z. getesteten Produkte von BMW und Metz kosten mit 2400 und 2000 Euro noch zu viel. Außerdem sind sie zu klobig und zu schwer. Doch man sollte sich keine Illusionen machen. Mit zirka zwölf Kilogramm wiegen die kleinen Exemplare auch noch so viel, dass sie sich nicht als ständiger Begleiter eignen.

Das Verleihgeschäft ist lukrativ. Unternehmen wie Lime und Bird, die in den Vereinigten Staaten marktführend sind, stehen schon bereit. Daimler und BMW wollen die Verleihplattform Hive etablieren. Volkswagen hat mit dem Cityskater einen eigenen Roller entwickelt und kauft von dem chinesischen Unternehmen Ninebot Gefährte ein, die für die Verleihplattform „We share“ rollen sollen. Bei vielen Unternehmen ist häufig die Rede von mehreren Tausend Rollern, die in Großstädten verteilt werden. Die meisten Unternehmen werden jetzt erst recht die schnelle Variante anbieten. Zu einem komfortablen Angebot gehört die flexible Verfügbarkeit, also keine festen Leihstationen. Das Smartphone findet den nächsten Roller und entsperrt ihn.

Der Bundesrat sollte nun der Verordnung für Elektro-Kleinstfahrzeuge zustimmen, damit man auch in Deutschland endlich legal mit Elektro-Tretrollern am Verkehr teilnehmen kann. Und dann im Anschluss kann sich das Verkehrsministerium daranmachen, die Verordnung auf weitere Elektro-Gefährte wie Hoverboards und One-Wheels zu erweitern.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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