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Erfahrung mit dem Hybrid-Auto

Noch ein Erziehungsberechtigter in der Familie

Von Carsten Knop
Aktualisiert am 18.02.2020
 - 11:04
Nur noch als Diesel oder Hybrid: Ford Mondeo Turnier
In den Ford Mondeo Hybrid Turnier kann man sich auf den ersten Blick verlieben. Oder an dem Auto verzweifeln.

Dieses Auto kann man hassen. Oder man kann es lieben. Die Entscheidung wird am ersten Tag des Kennenlernens fallen. Es ist ein Entweder-Oder, eine Ja-Nein-Frage, die künftig immer mehr Autofahrer für sich werden beantworten müssen: Will man sich von seinem Auto erziehen lassen? Oder hat man darauf keine Lust, weil man im Alltag schon genug Bevormundungen ertragen muss? Ist man bereit, das Gaspedal nur noch behutsam-linear und nie mehr ruckartig zu betätigen? Will man sich nach jedem Bremsvorgang von einem digitalen Oberlehrer im Armaturenbrett anzeigen lassen, wie vorausschauend-effizient man das Auto abgebremst hat, um die Energie bestmöglich in die Batterie zurückfließen zu lassen?

Denn darum geht es, wenn man sich dazu entscheidet, einen Ford Mondeo Turnier Hybrid auszuprobieren. Das Auto gibt es seit dem vergangenen Jahr; es wurde neu eingeführt mit der Überarbeitung der bekannten Mondeo-Modellreihe zur Mitte ihres Produktlebenszyklus. Zuvor gab es den Hybrid nur in der Limousine, nicht im Turnier genannten Kombi. Und vor der Limousine, in der die Batterien den Kofferraum aufessen, hatte uns beinahe jeder gewarnt. Im Turnier sorgen die Batterien zwar immer noch für einen erheblichen Platzverlust. Aber mit dem Rest lässt sich arbeiten – und die Zuladung stimmt sowieso. Man kann also mit dem Wagen trotz der Batterien im Kofferraum immer noch etwas transportieren. Somit fällt es leichter, sich auf die technischen Fragen zu konzentrieren.

Denn wer mit der Elektromobilität flirtet, dem muss es beim Sprung in die Liebe stets um Grundsätzliches gehen. Das neue Hochgefühl des lautlosen, emissionsfreien Fahrens wird erkauft, in diesem Fall nicht unbedingt teuer, wie sich noch zeigen wird, wohl aber mit der Aufgabe von Überzeugungen. Zu diesen gehört, dass ein Ford Mondeo Turnier das klassische Auto für den Außendienstmitarbeiter ist, der Hunderte Kilometer auf der Autobahn fährt und dabei so fahren will, wie es seine Termine erfordern. Genau das kann man mit der Hybrid-Version des klassischen Außendienstgehilfen vergessen. Diese Variante ist vielmehr ein Wagen, der perfekt zu einer Familie passt, in der die Eltern höchstens hin und wieder mal einen Termin auswärts haben, vielleicht zweimal im Jahr mit dem Auto in den Urlaub fahren und sich ansonsten im Stadtverkehr zwischen Wohnung, Arbeitsplatz, Sportverein und Einkaufszentrum bewegen.

Ohne Stecker am Auto viel elektrisch fahren

Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären: Braucht man in einer solchen Familie einen weiteren Erziehungsberechtigten? Die Familie, die demonstrativ (aus welchem Grund auch immer) auf den SUV verzichten und sich beweisen will, dass man es schaffen kann, auch ohne Stecker am Auto erstaunlich viel elektrisch zu fahren, wird die Frage mit Ja beantworten. Zum Nein kommen wir später. An dieser Stelle wird es Zeit für ein paar technische Hinweise aus der globalisierten Wirtschaftswelt: Der in den Vereinigten Staaten entwickelte Elektroantrieb des in Spanien hergestellten Kölners kombiniert einen Benzinmotor mit zwei Litern Hubraum und 140 PS mit einem Elektromotor und einer sanft schaltenden, stufenlosen Automatik. Die sogenannte Systemleistung dieses Technikpakets beträgt auf dem Papier eindrucksvolle 187 PS. Der nach WLTP-Messzyklus berechnete Verbrauch liegt bei 5,2 Liter auf 100 Kilometer Fahrstrecke.

So viel zur Theorie. In der Praxis ist der Hinweis wichtig, dass man auf die PS-Leistung nicht viel geben sollte, die Verbrauchswerte aber realistisch sind. Und das ist die eigentliche Überraschung an diesem gut 1,7 Tonnen schweren Wagen. Das aber gilt eben nur dann, wenn man das Gefährt genau so nutzt, wie es seine Konstrukteure hoffen: sanft Gas geben, vorausschauend fahren und vor allem auch weitsichtig bremsen, auf der Autobahn die Richtgeschwindigkeit von 130 Kilometer in der Stunde schätzen lernen, im Verkehr segeln. Dann kann man im Auto eine für Menschen, die bisher ausschließlich traditionell angetriebene Fahrzeuge bewegt haben, eine unglaubliche Ruhe genießen. Ladesäulenpanik oder Reichweitenangst braucht man dabei nicht zu verspüren. Der gegenüber den normalen Modellen verkleinerte Tank ist mit seinen 49 Litern zuzüglich Batteriekapazität groß genug für großzügige Reichweiten.

Es geht aber auch anders. Und das ist der Grund, warum man dieses Auto niemals ohne vorherige Probefahrt bestellen sollte. Wer so fahren will, wie er möchte, wer keine Lust auf das Aufheulen eines Motors bei spontanen Beschleunigungsvorgängen jenseits Tempo 140 hat, wer eine Endgeschwindigkeit von knapp 190 km/h für ein Auto mit dieser PS-Zahl für einen Witz hält – und wer ein derartig riesiges Auto letztlich doch wegen seiner Ladekapazität im Kofferraum kauft, der wird sich entsetzt abwenden, laut fluchen und den nächstmöglichen Abstellplatz suchen. Ja, ein solcher Fahrer wird den Wagen hassen. Mit einer entsprechenden Fahrweise wird der Verbrauch zuverlässig auf mehr als 8,0 Liter auf 100 Kilometer steigen. Dann werden die ganzen digitalen Anzeigen links und rechts des zentralen Tachometers Augenrollen und vielleicht sogar Kopfschütteln hervorrufen. Und dafür kauft man sich ganz gewiss kein neues Auto.

Alle anderen nehmen Platz in einem bequemen Fahrersitz, freuen sich über die Informationen zu Füllständen, Verbräuchen, Kilometerstand, den Wechsel zwischen E-Motor und Verbrenner, Rekuperation und Motorleistung, haben Spaß am Sparen und vielleicht sogar Freude am Fahren, jedenfalls soweit man das als Berufspendler haben kann. Bleibt der Blick auf den Preis, der angesichts der Größe des Autos und des geballten Technikpakets konkurrenzfähig erscheint: Überwiesen werden müssen 41.300 Euro. Oder mehr, je nachdem, wie reizvoll die Ausstattungsliste nach der Liebe auf den ersten Blick noch empfunden wird. Alle anderen haben das Teil nach dem Hassanfall ohnehin längst weggeworfen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Knop, Carsten
Carsten Knop
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