Probefahrt Peugeot 308

Bisschen GTI geht nimmer

Von Holger Appel
21.09.2021
, 15:32
Frontal 22: Oh, hm, na ja
Peugeot bringt den neuen 308 mit scharfen Linien und sanften Gedanken. Es gibt Benziner, Diesel und Hybrid. Und die ewige Sehnsucht des Bauarbeiters nach dem GTI.

Der Mann vom Straßenbau bremst scharf neben uns und fällt fast aus dem Seitenfenster seines Transporters: „Das ist der neue Peugeot 308, richtig? Sieht hinten echt scharf aus.“ Dann steigt er aus, geht nach vorn und ergänzt: „Oh, hm, die Front, na ja.“ Ob das ein GTI sei? Nein, der Diesel. „Was, Hammer, aber mit GTI-Look. Geht der wenigstens richtig?“ Soweit ganz o. k., sagen wir und kaufen ein Pain au chocolat, denn wir sind in Frankreich, da können sie Pain au chocolat wie sonst nirgends.

Und der 308 hat einen Stand wie hierzulande der VW Golf. Neu aufgelegt ist er, mit schwungvollen Linien, zwei persönlich konfigurierbaren Bildschirmen, gescheit einstellbaren Luftausströmern, Avatar-Blau oder Olivin-Grün als Serienfarben und frischer Angriffslust auf VW, Renault, Opel oder Hyundai. 4,37 Meter ist die Kompaktversion lang, der in Deutschland gefragtere Kombi misst 4,64 Meter. 412 zu 608 Liter lautet der Vergleich im Kofferraum, der sich über eine ausreichend niedrige Ladekante befüllen lässt.

Es gibt antriebsseitig Benziner, Diesel und Hybrid, was auch eine Aussage ist. Allen, die den Diesel abgeschrieben haben, sei gesagt, ein auf der Welt handelnder Konzern denkt in globalen Kategorien. Und wer die angenehm leise, untenherum wegen der oft nach dem großen Gang suchenden Automatik etwas verzögert antretende Maschine bewegt, wird mit 4,4 Liter Durchschnittsverbrauch belohnt.

Die gesamte Baureihe wirkt auf einer ersten Proberunde unspektakulär ausgerichtet, die auf Frankreichs Straßen grassierende Schwelleritis nimmt das Fahrwerk mannhafter als manch darauf abhebender Konkurrent. Die Version mit 130-PS-Diesel fährt verbindlicher als der weiche Hybrid, dessen Akku allerdings für bis zu 60 Kilometer elektrische Säuselfahrt gut sein soll. Der Verkauf beginnt im Januar 22, die Kompaktvariante wird von 23 700 Euro an mit 110-PS-Benziner zu haben sein. Den SW genannten Kombi gibt es ab 24.700 Euro. Die Hybriden liegen rund 13.000 Euro darüber.

Im Jahr 2023 werden beide auch vollelektrisch angeboten werden. Und nein, guter Mann, einen GTI gibt es gar nicht mehr. Der stärkste 308 heißt eines späteren Tages PSE und wird ein Hybrid sein. Die Zeiten ändern sich, die Bezeichnungen leider auch. Zumindest Letzteres ließe sich doch wohl korrigieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot