Fahrbericht Hyundai i20

Neue Mitte mit sinnlich sanftem Extraschub

Von Lukas Weber
06.12.2020
, 17:06
Der Hyundai i20 ist für einen Kleinwagen geräumig, gut ausgestattet, mit seinem Mild-Hybrid-Benzinmotor recht flott, und er sieht obendrein hübsch aus. Nur billig ist er nicht mehr.

In guten Familien werden alle Kinder gleich geliebt, doch oft tragen die großen schon Verantwortung mit, während die Nesthäkchen die Lieblinge der Tanten sind. Da kann die Aufmerksamkeit für jene dazwischen auch mal etwas geringer sein. Dem Hyundai i20 täte man damit unrecht, er liegt zwischen dem putzigen i10 und dem schon fast erwachsenen i30 und hat eine Reihe Talente, die nicht nur im Verborgenen blühen. So ist er kompakt genug, um als rollender Einkaufskorb für die Stadt zu dienen, taugt aber auch für lange Wege mit einer kleinen Familie.

Der i20 Jahrgang 2020 ist seit August im Handel und rundum erneuert. Der kleine Hyundai wirkt nun getreckter, er ruht auf breiten Schlappen, die gerade noch in die Radhäuser passen, und signalisiert so Sportlichkeit, die der Hersteller sinnlich nennt. Mit seiner markanten Nase, der ansteigenden Gürtellinie, dem Leuchtband rund ums Heck und netten Details wie dem geschickt eingepassten Tankdeckel ist das Design eigenständig, wir finden es in jeder Ansicht gelungen.

Innen setzt sich der Eindruck fort: Vorn sitzen die Passagiere auf wohlgeformten Sitzen und genießen die Kopffreiheit sowie dank großer Fensterflächen eine überdurchschnittliche Rundumsicht, doch ruht der Blick auch gern auf den klar gezeichneten Armaturen und dem dazugehörigen Brett, das durch horizontale Lamellen, die sich bis in die Seite ziehen, breiter aussieht, als es ist, und aus Hartplastik besteht. Das wirkt nicht besonders hochwertig, ist aber wie das ganze Auto tadellos verarbeitet. Hinten reicht der Platz für Leute bis etwa einsachtzig. Die Bedienung ist bis hin zum Navi auf dem 10,25-Zoll-Display selbsterklärend, alles Wichtige wird einfach durch Druck auf die großen Knöpfe aktiviert. Nur das Lenkrad dürfte für unseren Geschmack etwas kleiner sein.

Wuchtig ist auch der Krückstock-Schalthebel für das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, der Pilot befiehlt damit über den Schub, und schon kann es losgehen. Das geschieht stets im müden Modus „Eco“, die Instrumente leuchten dann bläulich grün. Zum Glück lässt sich der i20 über die Taste auf der Mittelkonsole im Nu zu „Comfort“ umstimmen, Tacho und Drehzahlmesser sind dann weiß hinterlegt, in „Sport“ wird die Ansicht schließlich rot und der kleine Hyundai richtig bissig. Der für einen Dreizylinder erstaunlich ruhig und leise laufende Benziner mit einem Liter Hubraum wird in unserem Modell durch einen Elektrogenerator mit 48 Volt und 12 kW in den unteren Drehzahlen unterstützt, in der höchsten Leistung (100 PS / 74 kW) und dem Drehmomentmaximum von 172 Nm macht er sich gegenüber dem gleichen Aggregat ohne elektrische Unterstützung nicht bemerkbar, der Verbrauch ist aber etwas geringer.

Für rund 800 Euro Aufpreis gibt es eine Variante mit 120 PS, und im neuen Jahr sollen sportliche N-Versionen folgen. Notwendig ist das nicht, unser Testexemplar war jederzeit flott unterwegs, die Automatik vergisst man nach wenigen Kilometern, so dezent arbeitet sie. Mit zurückhaltender Fahrweise schafften wir im Drittelmix einen Verbrauch von exakt 5 Litern auf 100 Kilometer, im Alltag können es einer bis zwei mehr sein. An die etwas verzögert einsetzende Bremswirkung des Generators – der Kraftfluss lässt sich im Kombiinstrument anzeigen – muss man sich gewöhnen, es fühlt sich an, als würde einen Gang heruntergeschaltet. Die Batterie fasst nur knapp eine halbe Kilowattstunde, sie ist rasch voll und schnell wieder leer.

Ein Grundpreis von 14.000 Euro für den überwiegend in der Türkei produzierten Koreaner wirkt niedrig, in der von uns gefahrenen gehobenen Variante Trend sind es aber schon mehr als 21.000 und mit ein paar Extrapaketen 25.000 Euro. Das ist angesichts der dann lückenlosen Ausstattung immer noch günstig. Wir meinen, schon deshalb wird der neue i20 ein Erfolgsmodell sein.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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