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Fahrbericht Kia E-Soul

Der nette Elektriker von nebenan

Von Holger Appel
 - 14:22
Kia nennt die Farbe des E-Soul Mars-Orange.zur Bildergalerie

Soll das elektromobile Zeitalter Fahrt in die Mitte der Gesellschaft aufnehmen, braucht es keine Porsche Taycan oder Audi E-Tron, sondern für Stadt und Land geeignete Gefährte mit guter Reichweite und halbwegs erträglichen Anschaffungstarifen. Das Konglomerat Hyundai-Kia steht in der Wahrnehmung nicht so im Fokus, mit ihren Produkten aber sind die Koreaner reichlich weit vorn. Besser gesagt: mit der zweiten Generation derselben. Den Kia E-Soul, jener an einen flotten Toaster erinnernde Nonkonformist auf Rädern, hat sich als Elektriker schon einmal im Jahr 2015 versucht, mit mäßigem Erfolg. Kein Wunder, 27 kWh Batteriekapazität, 150 Kilometer Reichweite und 111 schläfrige PS locken niemanden hinterm benzinbefeuerten Ofen hervor.

Jetzt nimmt Kia einen neuen Anlauf, und weil Differenzierung Trumpf ist, gleich in zwei Varianten. Die schwächere hat 136 PS und eine Batterie mit 39 kWh, die stärkere unseres Testwagens 204 PS und 64 kWh aus einem Lithium-Ionen-Polymer-Akku. Damit ist der Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in 7,9 Sekunden drin, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 167 km/h. Dies nur als Richtwerte, denn darauf kommt es in diesem Elektroauto nicht zuvörderst an, zumal unter dem mitreißenden Eindruck der Antriebsmaschine die ohnehin teigige Lenkung noch teigiger wird und die Reifen haltlos durchdrehen. In Autobahnauffahrten empfiehlt es sich, Vollstrom erst auf der Geraden zu geben.

Erfreulicher ist der Umgang in einem entschleunigten Alltag, der zwar unter dem großflächigen Einsatz von Kunststoff im Innenraum leidet, sich aber ansonsten nach kurzer Eingewöhnung als bemerkenswert normal darstellt. Die Sitze sind etwas zu weich, aber noch in Ordnung, die Bedienung gibt bis auf das umständliche Navigationssystem keine Rätsel auf. Als übersensible Nervensäge geriert sich der Spurhalteassistent, irgendwas piepst sowieso immer, so ist das leider oft in koreanischen Autos, die selbst in Europa Angst vor amerikanischen Anwälten haben. Die Sicht nach schräg hinten ist schlecht, die Rückfahrkamera mithin ein Segen, auch damit steht der Kia nicht allein. Auf der Habenseite verbucht er viel Platz auf der Rückbank, einen Kofferraum, in den zehn Sechserpackungen Vittel-Wasser passen, die erhöhte Sitzposition, eine effektive Geräuschdämmung bis etwa 120 km/h und überhaupt angenehme Umgangsformen.

Dazu zählt auch die erfreuliche Reichweite. Wir schafften ohne falsche Bescheidenheit 380 Kilometer im gemischten Betrieb und 315 Kilometer mit längerer Fahrt auf der Autobahn. 17,5 kWh betrug unser Durchschnittsverbrauch. Das sind auch angesichts des Leergewichts von 1,8 Tonnen feine Werte. Umso unverständlicher ist das Lademanagement. Der E-Soul hat nun zwar den europäischen Kombistecker CCS und kann an einer Schnellladesäule bis zu 100 kW rasant aufnehmen, doch diese flinken Säulen sind arg selten, und der Strom an ihnen ist arg teuer. Deutlich verbreiteter sind Ladepunkte mit 22 kW, an denen der E-Soul aber nur 7 kW zapft. So dauert eine komplette Ladung zehn Stunden, was zu lang ist, wie auch Kia aufgefallen ist. Die technische Anpassung braucht wohl noch bis Mitte nächsten Jahres. Zu Hause erfordert leer zu voll 28 Stunden, an die Wand muss also eine Wallbox, und fernere Reisen sind zu planen.

Daran lässt sich, so nichts Unvorhergesehenes geschieht, gewöhnen, und für die Strecke zwischen Heim und Büro ist der Kia mit seinem üppigen Vorrat allemal ein sorgenfreier Begleiter. Dem Kunden soll er als Modell Spirit 44.670 Euro wert sein, das Basismodell gibt es von 34.000 Euro an. Das ist stramm, aber in der neuen Welt der Elektromobilität offenbar so attraktiv, dass Kia sechs Monate Lieferzeit ausweist.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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