Mercedes-Benz V300d

Gute Reise

Von Holger Appel
03.08.2021
, 10:34
Freund der Familie: Mercedes-Benz V-Klasse mit bis zu acht Wohnsitzen
Es muss nicht immer VW-Bus sein. Die V-Klasse von Mercedes-Benz taugt ebenfalls bestens als Multifunktions-Fahrzeug. Nur die hohen Preise schmerzen.

Die Menschheit kauft VW Bus, so wie sie Tempo nutzt oder Selters trinkt. Wer es zu solch einem Gattungsbegriff gebracht hat, darf sich glücklich schätzen. Dabei gibt es Alternativen, zumeist gar gute. Die V-Klasse von Mercedes-Benz ist eine, und seit sie sich vom Nutzfahrzeug zum Freund der Familie entwickelt hat, passt sie besser denn je vor die Haustür.

Eine kürzlich erfolgte Überarbeitung bringt ein paar Erfrischungen mit sich, geblieben sind allerdings Dinge, die wie aus der Zeit gefallen scheinen. Der Zündschlüssel öffnet die Türen nur auf Tastendruck. Und er muss zum Anlassen des Motors in einen Schlitz gesteckt und gedreht werden. Der Bildschirm für Radio und Navigation ist seit der Modellpflege erstmals berührungsempfindlich, also mit Touch. Trotzdem lebt es sich mit und in der V-Klasse bestens, die Bedienung im nach heutigen Daimler-Maßstäben konservativ angerichteten Cockpit gibt keine Rätsel auf, die solide Verarbeitung ist eine Freude, und Platz gibt es in Hülle und Fülle.

Wie gehabt stehen drei Längen zur Verfügung von 4,90 bis 5,37 Meter sowie zwei Radstände. Fünf, sechs oder acht Sitze und eine oder zwei Schiebetüren sind möglich. Das separat zu öffnende Heckfenster erleichtert die Beladung, weil die portalartige Heckklappe so nicht immer raumgreifend aufschwingen muss. Die Sitze schienen uns auf den ersten Metern zu straff, erweisen sich aber auf langer Strecke als gut bekömmlich. Dort spielt die V-Klasse alle Stärken aus, sie frisst Kilometer um Kilometer und hält ihre Passagiere mit feinem Komfort bei Laune. Freilich wünschten wir uns etwas mehr stoische Ruhe, der Geradeauslauf ist nicht frei von Nervosität. Der hohe Aufbau ist natürlich anfällig für Wind und Wetter, aber so ein Bus ist ja kein Rennwagen.

Zu ihm passt bestens der vorzügliche Diesel, der wie im Testwagen trotz der Bezeichnung 300d ein Vierzylinder mit Neungangautomatik ist. Seine 237 PS gehen durchzugsstark und sparsam zu Werke, wir ermittelten 8,1 Liter Verbrauch mit reichlich Beladung und viel Autobahnanteil, das ist höchst erfreulich. Die Preise schmerzen allerdings. Mit 38.500 Euro beginnt die Reise, und erst um 100.000 Euro ist langsam das Ziel erreicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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