Mitsubishis Outlander PHEV

Euer Merkwürden

Von Lukas Weber
Aktualisiert am 22.11.2020
 - 12:15
Durch Wald und Feld: Der Outlander schafft auch leichtes Geländezur Bildergalerie
Der Mitsubishi Outlander PHEV ist ein ungewöhnlicher Hybrid. Das SUV fährt elektrisch, aber der Motor, der den Generator antreibt, kann sich bei höherem Tempo auch direkt zuschalten. Eigenständig ist auch die Bedienung.

Manchmal reicht ein Satz, um ein Auto zu beschreiben. Er verstehe dieses Fahrzeug nicht, meint der Kollege, nachdem er eine Zeitlang damit gefahren war. Da ist etwas dran, ohne genaueres Studium der Funktion stellt sich die Erleuchtung nicht ein. Gut ist andererseits, dass Verständnis gar nicht nötig ist, es reicht, den Outlander PHEV einfach machen zu lassen und loszufahren.

Wer’s genau wissen will: Die Bewegung beginnt elektrisch und bleibt weitgehend auch so. Zu den Elektromotoren mit 60 kW Höchstleistung vorn und 70 kW hinten gesellt sich ein Vierzylinder-Benziner mit 99 kW, der einen 70 kW starken Generator antreibt und sich über eine Kupplung und ohne Getriebe frühestens ab 65 km/h direkt an die Vorderräder zuschalten kann. Alle drei zusammen ergeben eine Systemleistung von 224 PS (165 kW). Weil sich der Outlander seinen Strom selbst macht, reicht eine relativ kleine Batterie von nominell 13,8 kWh, das spart Kosten und Gewicht.

Das Zusammenspiel funktioniert gut, der PHEV fährt ruhig und entspannt wie alle Elektroautos, immer wieder mischt der Motor leise grummelnd mit und lädt. Mit zurückhaltender Fahrweise über Landstraßen ist ein Verbrauch von etwas mehr als sechs Liter Benzin möglich, ein guter Wert für ein 1,8 Tonnen schweres SUV. Weniger geeignet ist das Konzept für höhere Tempi auf der Autobahn, Vollgasfahrten treiben den Durst auf schreckliche 15 Liter. Das ist dann noch nicht einmal besonders schnell, bei 170 (elektrisch 135) km/h regelt die Elektronik ab; der Outlander dürfte damit das langsamste Auto jenseits der 200 PS sein.

Für Handelsvertreter ist der Outlander nicht gemacht, aber Familien bekommen einen relativ schmalen, doch langen Fünfsitzer, mit dem der tägliche Weg zur Arbeit rein elektrisch zurückgelegt werden kann. Wenn’s nicht ganz reicht, schaltet sich halt der Generator zu. Für das elektrische Fahren oder die zwei 230-Volt-Steckdosen für Wasserkocher und Ähnliches stehen 9,8 kWh zur Verfügung, damit kamen wir höchstens 42 Kilometer weit. Wegen der Ladeverluste zeigt das Messgerät an der Haushaltssteckdose dann 10,75 kWh, geladen werden kann auch an der Schnellladesäule.

Der Verbrauch von rund 26 kWh kam in bergigem Gelände zustande, was bringt da die Rekuperation bergab? Der Outlander zeigt groß und farbenfroh alles an, was der Fahrer wissen möchte, darunter auch die Summe der Energie, die durch Bremsen zurückgewonnen und gleich wieder verwertet wurde – neben dem Pedal ist das Bremsen über sechs am „Schaltpaddel“ einstellbare Stufen möglich. Auf 100 Kilometer durch den Taunus kommen so 5 bis 10 kWh zustande, die zwölf Kilometer bergab vom Großen Feldberg nach Oberursel brachten 2,5 kWh.

Der Outlander PHEV ist ein Erfolgsmodell, es gibt ihn seit 2007. Nach der jüngsten Überarbeitung erscheint er innen aufpoliert. Neu ist ein Infotainmentsystem mit acht Zoll großem Display, das neben den heute üblichen Künsten wie Sprachsteuerung und fünf Jahre kostenlosen Karten-Updates auch Videos vom USB-Stick abrufen kann. Die Bedienung ist nicht mehr ganz so verspielt wie im Vorgänger, aber die Fahrprogramme sind weiter über fünf Tasten im Auto verteilt – Normal/Schnee/Lock, darunter Sport, vorn Zwangsladen/Energieerhalt, daneben EV, vorne rechts Eco, und dann gibt es ja noch die Paddel an der Lenksäule. Außerdem nervt uns auch im neuen Modell das ständige Piepen und Bimmeln.

Wenn Mitsubishi das künftig vereinfachen (Bedienung) oder sein lassen (Gepiepe) könnte, würde aus einem guten Auto mit einem höchst interessanten technischen Konzept ein sehr gutes – dafür hätten wir außerdem noch eine größere Batterie auf dem Wunschzettel. Das alles zum günstigen Preis ab rund 37.000 Euro, für etwa 50.000 gibt es die voll ausgestattete Version Top. Jeweils abzüglich Elektroförderung, versteht sich.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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