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Fahrbericht Piaggio Medley 125

Große Räder und große Klappe

Von Ulf Böhringer
Aktualisiert am 25.03.2020
 - 14:43
Piaggio Medley 125zur Bildergalerie
Piaggio überarbeitet seinen 125-Kubik-Roller Medley und attackiert Hondas SH 125. Hinsichtlich Motorleistung und Untersitz-Stauraum stellt der Medley das Maß der Dinge dar.

Als Medley wird ein Musikstück aus mehreren Titeln bezeichnet, die fließend ineinander übergehen. Ob die Namensgebung des Piaggio Medley auf musikalische Inspiration zurückzuführen ist, hat das italienische Rollerimperium bisher nicht verraten. Seit 2016 versucht es sich mit dem Medley 125 in der Hitparade – bisher recht erfolgreich und künftig mit kräftigerem Beat. Stand er bisher immer ein klein wenig im Schatten des Marktführers Honda SH 125, so erscheint die neue Auflage nach einer gelungenen Überarbeitung sogar gerüstet, einen Angriff auf Position des Nummer-eins-Hits unter den 125er Großradrollern zu starten. Nicht zuletzt dank seines herausragenden Stauraumangebots sowie der motorseitigen Aufrüstung auf 15 PS.

Die frisch eingekleidete Version schmeichelt dem Auge mit gelungenen Proportionen, schönen Farben und netten Details, bietet mehr Platz als jeder andere Großradroller und fährt sich insgesamt vorzüglich. Darüber hinaus ist der inklusive Nebenkosten 3800 Euro kostende Medley der einzige Vertreter seiner Klasse, der das gesetzliche Leichtkraftroller-Leistungslimit von 11 kW, also 15 PS, voll ausnutzt. Bisher mobilisierte das Triebwerk nur 12 PS. Die Steigerung schlägt sich in spürbar besseren Fahrleistungen nieder, ohne dass der Verbrauch des Motors zugenommen hätte. 2,5 bis 3 Liter genügen für 100 Kilometer, womit die Reichweite gut 200 Kilometer beträgt. Dass das Triebwerk schon für die kommende Euro-5-Norm vorbereitet ist, versteht sich fast von selbst, auch wenn die Homologation nach Euro 4 erfolgt ist.

Gegenüber dem Honda SH 125 hat der Piaggio jetzt gute Karten: Sein neu entwickeltes Start-Stopp-System reagiert schnell und agiert akustisch zurückhaltend, so dass man es als Fahrer gerne nutzt – der Rückstand zum Honda wurde egalisiert. Der Einzylinder-Viertakter mit vier Ventilen schnurrt angenehm leise und vibriert nur geringfügig, die Variomatik setzt zusammen mit der fein abgestimmten Motorelektronik das recht hohe Drehmoment des Triebwerks in kultivierten Vortrieb um. Weil die Höchstgeschwindigkeit laut Hersteller Piaggio von 90 auf 99 km/h gestiegen ist, verläuft das Vorwärtskommen außerhalb der Ortsgrenzen deutlich souveräner. Gefühlt könnte durchaus eine dreistellige Spitze drin sein, aber neutrale Messwerte gibt es noch nicht.

Meckern lässt sich weder über das gut abgestimmte Fahrwerk mit dem großen, 16 Zoll messenden Vorderrad noch über die Zweischeiben-Bremsanlage oder das von Bosch bezogene ABS. In einigen Details setzt der Medley sogar Zeichen: Die schräg in der Felge montierten Reifenventile erleichtern die Luftdruckkontrolle, der Stauraum unter dem weit öffnenden Sitz fasst trotz des 14 Zoll großen Hinterrads zwei Integralhelme. Das ist Klassen-Bestwert. Gelungen ist auch die Ergonomie: Man sitzt gut, hat alles Nötige zur Hand – eine Lenker-Fernbedienung der Anzeigen im gut ablesbaren Zentraldisplay ist vorhanden – und erreicht beim Anhalten den Boden problemlos, weil die Sitzhöhe mit 799 Millimeter angemessen ausfällt. Mit 144 Kilogramm ist der Medley kein Federgewicht, aber er lässt sich trotz der Zunahme um vier Kilo leicht handhaben. Sowohl ein Zentral- als auch ein Seitenständer sind vorhanden.

Gespart hat Piaggio an der Beleuchtung: Im Scheinwerfergehäuse steckt LED-Technik, Blinker und Rücklicht allerdings sind Birnchen. Dafür ist im Frontfach eine USB-Buchse. Konnektivitäts-Freunde sollten zur 100 Euro teureren S-Version (mit Wave-Bremsscheibe, roten Federbeinen und roten Applikationen) greifen, weil diese auch über das MIA-System verfügt, mit dessen Hilfe das Smartphone eingebunden werden kann.

Nachdem der Neuzulassungs-Wettkampf in Deutschland zwischen dem langjährigen Marktführer Honda SH 125 und dem bisherigen Medley voriges Jahr mit 529:530 unentschieden endete, darf man auf 2020 gespannt sein: Denn selbstverständlich wird die ebenfalls geliftete Version des traditionell etwas teureren Honda mit Verfeinerungen punkten. Hinsichtlich Motorleistung und Untersitz-Stauraum allerdings stellt der mit geschliffenen Manieren auftretende Piaggio Medley das Maß der Dinge dar. Mal sehen, ob das reicht, um in der Hitparade vorne zu landen.

Quelle: F.A.Z.
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