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Fahrbericht Range Rover 3.0

Wie eine Lok auf Rädern

Von Boris Schmidt
 - 14:23

Den Range Rover gibt es seit fast 50 Jahren im Programm von (Land) Rover. Als er 1970 auf den Markt kam, war er eine Sensation. Er gilt gemeinhin als das erste SUV, und bis heute lebt er von seinem Nimbus, den er sich in den 26 Jahren Laufzeit der ersten Serie erarbeitet hat. Längst ist er quasi eine eigene Marke, und sein Hersteller hat ihm in jüngerer Zeit nach und nach den Sport, den Evoque und den Velar an die Seite gestellt. Nur der König selbst kommt ohne Beinamen aus. Der Schriftzug „Vogue“ am Heck des Testwagens weist auf eine Ausstattungslinie hin.

Wir haben uns über den Jahreswechsel mit dem Basismodell des Land-Rover-Flaggschiffs beschäftigt, für das schon mindestens 103.100 Euro angelegt werden müssen. Als „Vogue“ kostet der Range Rover 3.0 SDV6 dann 110.600 Euro. Es ist schon unglaublich, wie die Autopreise davon galoppiert sind: Vor einem knappen Vierteljahrhundert gab es den Einsteiger-Range noch für 81.450 Mark. Damals war die zweite Generation ganz neu, der zum Einsatz kommende BMW-Dieselsechser mit 2,5 Liter Hubraum brachte schlappe 136 PS und maximal 270 Newtonmeter Drehmoment bei 2300 Umdrehungen in der Minute. Das war für das große Auto mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe viel zu wenig, und in dieser Zeitung führte das zu einer vernichtenden Kritik (28. Februar 1995), die wiederum einige Leser zum Anlass nahmen, um unterschriebene Kaufverträge zu stornieren.

Das passiert heute gewiss nicht mehr. Die Basis ist zwar fast dreimal so teuer, hat jetzt immer noch sechs Zylinder, aber 3,0 Liter Hubraum, doppelt so viel Leistung (275 PS) und gut doppelt so viel Drehmoment (625 Nm bei 1550 bis 2250/min). Dass das Ausstattungsniveau gefühlt mindestens zehnmal so gut ist, sei unterstrichen. All die Assistenten, die es heute gibt, waren 1995 noch in weiter Ferne.

Und damals war ein Range Rover nur 4,71 Meter lang, heute sind es fünf Meter glatt, und im Angebot ist noch eine um 20 Zentimeter verlängerte Version für hübsche 5600 Euro Aufschlag. Dann ist wirklich fürstlich Platz auf der Rückbank, das üppige Kofferraumvolumen (knapp 700 Liter, knapp 1800 Liter maximal) ändert sich nicht. Wie seit 1970 ist die Heckklappe zweigeteilt, die untere Hälfte eignet sich offen prima zum Sitzen, beide Hälften bewegen sich elektrisch. Öffnet man manuell an der Klappe, geht nur die obere Hälfte nach oben, die untere „sichert“ den eben selbst geschlagenen 2,50-Meter-Weihnachtsbaum vor dem Rausfallen. Wird die Rückbank ganz flach gelegt, passt ein Zwei-Meter-Baum in den geschlossenen Wagen.

So ein Range Rover hat eben viele Qualitäten, gern auch die eines Zugfahrzeugs mit einer Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen. Vielleicht kommt dann der bärige Motor an seine Grenzen, der sonst jederzeit genug Kraft zur Verfügung stellt, sehr leise arbeitet und wunderbar mit der sanften Achtgang-Automatik harmoniert. Vor allem auf langen Autobahnfahrten kam uns immer wieder der Vergleich mit einer Lok in den Sinn, so stoisch und ruhig rauscht der Range dahin. Bei Tacho 140 km/h liegen nur 2000/min an. Wer will, dampft mit 210 km/h über das graue Band, das muss aber nicht sein.

Im Schnitt 10,8 Liter Diesel auf 100 km

Denn der Verbrauch steigt deutlich, je schneller man unterwegs ist. Bis zu 11,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer waren es, ohne das Allerletzte aus dem Wagen zu holen. Es dürfen aber auch 9,9 Liter sein, wenn man es gemütlicher angehen lässt. Im Schnitt notierten wir nach mehr als 3400 absolvierten Kilometern 10,8 Liter auf 100 km. Das sind mal wieder glatt drei Liter mehr als versprochen werden. Schade. Es tröstet ein wenig, dass der BMW-Diesel 1995 bis zu 14 Liter brauchte.

Letztlich ist die größte Schwäche des sonst so formidablen Range Rover seine Größe. In der Stadt und im Parkhaus muss man höllisch aufpassen, der große Wendekreis nervt zusätzlich, auf der Autobahn erfordern 2,20 Meter Breite (mit Spiegeln) in Baustellen fast immer die rechte Spur. Wenigstens sorgt die unterste Stufe der Luftfederung dafür, dass Mutter und Schwiegermutter halbwegs kommod einsteigen können, trotz des Stockmaßes von 1,87 Meter.

Quelle: F.A.Z.
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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