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Fahrbericht Specialized Levo

Nach draußen zum Walde will ich hin

Von Holger Appel
 - 20:31

E-Bike fahren verändert die Welt. Oder eher: den Wald. In diesem specializeden Fall auf besonders spektakuläre Art. Denn was die Amerikaner sich und ihrer anspruchsvollen Kundschaft zusammenkonstruiert haben, ist schon optisch ein Kunstwerk. Eigenwilliges Design, der nur von einer Seite aus sichtbare Dämpfer, die mangels Tacho an Nacktheit nicht zu überbietende Linie des Lenkers, die pure Balkenanzeige auf dem Oberrohr und der den Akku kaschierende Karbonrahmen – all das macht das neue Turbo Levo Expert auf den ersten Blick ungewöhnlich. Und sexy. Dabei war die Aufgabenstellung an die Entwickler recht simpel: Macht aus dem 2015 vorgestellten Erfolgsmodell ein noch erfolgreicheres. Ob das von den Verkaufszahlen her gelingen wird, vermögen wir nicht zu sagen, aber ob das Fahrverhalten höchste Ansprüche erfüllt, sehr wohl: Ja. Und wie.

Specialized liefert 150 Millimeter Federweg vorn wie hinten und 29 Zoll große Laufräder, was das Rad zunächst unhandlich erscheinen lässt. Das ist es auch, aber nur, wenn es in den Kofferraum des Autos verfrachtet werden muss. Diese rund 22 Kilogramm wuchtige Aufgabe ist allein kaum zu bewältigen, ohne hernach Kratzer an Blech oder Bike oder Bandscheibe beklagen zu müssen. Einmal in seinem Element, sind die Mühen vergessen. Das Turbo Levo zieht mit beachtlicher Wendigkeit die Waldwege rauf und schwierige Offroadpassagen herunter. Der von Brose zugelieferte Antrieb ist magnesiumumhüllt ins Tretlager gequetscht, dass kein Haar mehr dazwischenpasst. Seiner Entfaltung tut das keinen Abbruch, das Ansprechverhalten ist geschmeidig, linear gut berechenbar und ohne Ruckeln im Stand. Es braucht allerdings ein wenig Rotation am Pedal, um maschinelle Unterstützung zu erhalten. In arg steilen Passagen kann das zu die Begleiter belustigenden Verrenkungen während des Anfahrversuchs führen. Elf Gänge und 250 Watt nominale Hilfestellung stehen parat. Bis 25 km/h sind die eine wadenschonende Wucht, darüber hinaus wird E-Bike-Fahren zur Last, und der Kumpel mit seiner etwas älteren Yamaha-Elektrik ist mal wieder ärgerliche 3 km/h schneller. Dafür surrt der Brose-Motor superleise.

Aufladen gelingt an der stets verdreckten Andockstation unten am Rahmen, schlauerweise ziehen sich Stecker und Buchse magnetisch an und rasten nur in einer, der richtigen Position ein. Über Nacht ist der Akku, den es mit 500 oder 700 Wh gibt, wieder voll, und ihn in einem Tag leerzufahren, erfordert echt weite Reisen oder viele, sehr viele Berge. Was übrigens ein wahrer Gewinn ist, dank elektrischer Beihilfe steigt der Erkundungsradius, der wochenendliche Ausflug eröffnet neue Perspektiven. Die Versuchung liegt nahe, zu jeder anstrengenderen Gelegenheit den Turbomodus einzuwerfen, er bügelt nahezu alle Hügel platt, doch wer mehr möchte als halbaktives Durchbewegen, wählt eine Unterstützungsstufe niedriger.

Was Mensch und Maschine leisten, lässt sich per Bluetooth, Mission Control App, Garmin-Computer und ähnlichen Gadgets erkennen und einstellen, doch ganz frei vom Informationsfluss sich der Natur hingeben hat auch was. Die Ergonomie des Turbo Levo ist bis auf die fummelige Wasserflaschenhalterung vorzüglich, so dass stundenlangen Touren nichts im Wege steht. Außer dem Schnappatmung auslösenden Preis, der unverbindlich je nach Modell und Material zwischen 4600 und, das ist kein Druckfehler, 11.300 Euro liegt. Es ist aber auch wahrlich ein Volltreffer.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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