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Volvo S 60 T8 Twin Engine

Nordische Schönheit sucht Kabelanschluss

Von Holger Appel
 - 08:04
Die Limousine S60 wird als erstes Modell in den Vereinigten Staaten gefertigt.zur Bildergalerie

Volvo ist eine fröhlich-freundschaftliche Firma. Sie lässt Wasserfälle durch die Werbung rauschen und transportiert das wohlige Gefühl nordischer Natur in die Welt. Einen Widersacher derselben haben die Schweden offenbar ausgemacht, sie wollen kein Geld mehr in neue Dieselmotoren stecken. Das könnte an klammen Budgets liegen, aber Umweltargumente machen sich einfach besser. Und dann purzelt die jüngste Zulassungsstatistik aus dem Bundesamt: Im bisherigen Jahresverlauf hat Volvo in Deutschland einen Dieselanteil von 57 Prozent, das ist rekordverdächtig: Jedenfalls ist er höher als Audi mit 32 Prozent, BMW mit 48 und Mercedes-Benz mit 47 Prozent. Wer hätte das gedacht?

Aber Volvo arbeitet daran, derlei zu ändern, wenngleich das Bemühen zunächst mit einem Nischenprodukt beginnt. Die Limousine S60 wird als erstes Modell in den Vereinigten Staaten gefertigt und nur mit Benzinmotor angeboten. Zu den 190 und 250 PS starken Benzinern gesellt sich nun der Plug-in-Hybrid. Er versammelt aus der Kooperation eines 2,0-Liter-Vierzylinders mit einer 65 kW starken Elektromaschine die Systemleistung von 390 PS. Wie meist in Plug-in-Hybriden wirkt die theoretische Zahl gewaltiger als die praktische Erfahrung. Der S60 T8 Twin Engine geht mit Allradantrieb und Achtgangautomatik forsch voran und schafft 250 km/h, aber er reißt nicht eben Bäume aus Västergötland. Das sportlich ausgelegte Fahrwerk hat Mühe, nickelige Unebenheiten souverän herauszufiltern. Und wenn die Maschine voll gefordert wird, jammert sie arg.

Also lässt es der Volvo-Pilot lieber gemächlicher angehen, erfreut sich an der eleganten Einrichtung, den bequemen Sitzen und dem guten Licht. Fahrer und Beifahrer reisen entspannt in feinem Ambiente, die Passagiere auf der Rückbank genießen ausreichend Beinfreiheit, die Schenkelauflage dort sollte indes großflächiger ausfallen. Das Kofferabteil nimmt 396 Liter auf, und die Rückbank lässt sich zwecks dessen Erweiterung mit wenigen Handgriffen umlegen.

Einen an der Steckdose aufladbaren Zwitter legt sich vor allem jemand zu, der jedwedem Einfahrverbot vorbeugen möchte und der sich womöglich auch vom niedrigen Normverbrauch verführen lässt. Volvo gibt nach der neuen, realitätsnäheren Norm WLTP 1,8 Liter Durchschnittsverbrauch an. Der ist nicht zu erreichen. In unserem Testbetrieb verbrauchten wir minimal 4,9 Liter Superbenzin zuzüglich 11 kWh Strom, maximal waren es 8,4 Liter. Im Durchschnitt errechneten wir 5,7 Liter Superbenzin zuzüglich einer nicht genau errechneten Menge Strom, weil Rekuperation und diverse Teilladungen nicht erfasst wurden, was der Realität entsprechen dürfte. Denn was ein Plug-in-Hybrid an Strom verzehrt, nimmt der gemeine Eigner nicht wahr. Was er sehr wohl wahrnimmt, ist die flüsterleise Fortbewegung in der Stadt, die auch hier Freude bereitet.

Die Batteriekapazität von 11,6 kWh ist an der Haushaltssteckdose in rund sechs Stunden gefüllt und soll für 40 Kilometer elektrisches Fahren genügen. Wir haben das nie geschafft, weil trotz Streicheleinheiten der Benzinmotor immer irgendwann angesprungen ist, wenn auch nur für kurze Zeit. Das mag an den Außentemperaturen um zwölf Grad gelegen haben. Vollends leer war das elektrische Reservoir nach 38 Kilometern. Während einer früheren Probefahrt bei Minusgraden waren nur 15 Kilometer drin. Es ist wie immer: Die Verfügbarkeit des elektrischen Teils im Auto ist abhängig von Temperatur und Temperament.

Volvo fordert für seine verflixt gut ausschauende Limousine 59 000 Euro Grundpreis, der Testwagen stellte sich mit allerlei Annehmlichkeiten auf 74 000 Euro. Das ist Audi-Niveau. Genau da will Volvo hin.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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