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Fahrbericht Mercedes B-Klasse

So was von pragmatisch

Von Boris Schmidt
 - 15:37
Mercedes-Benz B-Klasse
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Fahrbericht
Mercedes-Benz B-Klasse

Von wegen, alle Welt fragt nur noch nach SUV. Es gibt schon noch Kunden, die sich dem Trend widersetzen und sich ein Auto wie die neue Mercedes-Benz B-Klasse leisten, die seit Anfang des Jahres auf dem Markt ist. Zwar weiß man auf den ersten Blick nicht so recht, wo das Modell einzuordnen ist. Es ist keine Schräghecklimousine wie die A-Klasse, von der die technische Basis kommt, und auch kein Kombi wie das T-Modell der C-Klasse. Die gedrungene, pummelige Form macht die B-Klasse auch nicht per se zum Minivan, diesen Begriff hört man in Stuttgart ohnehin nicht gern. Von der Form her ist die B-Klasse nicht Fisch und nicht Fleisch. Den Kunden stört das offenbar nicht. Obwohl die dritte Generation der Baureihe erst im Frühjahr startete, hat sie in den ersten drei Quartalen in Deutschland schon mehr als 25 000 Käufer gefunden, der Vorsprung der A-Klasse ist mit gut 32 000 Einheiten so groß nicht.

Der Kunde bekommt für sein Geld (Basispreis 28 144 Euro für den B 160 mit 109 PS) einen 4,42 Meter langen Sports Tourer – so nennt ihn Mercedes – mit erhöhter Sitzposition, vier Türen, viel Platz, 455 bis 1540 Liter Kofferraumvolumen und gegen Aufpreis mit einer verschiebbaren Rückbank, umlegbarem Beifahrersitz und einer elektrischen Kofferraumklappe. Vier bis fünf Personen kommen gut unter, die Türen öffnen schön weit, und die Klappe hinten schwingt hoch nach oben. Nach dem Umlegen der 40:20:40 geteilten Rückbank ergibt sich eine fast ebene Ladefläche mit einer Länge von gut 1,60 Meter. Im Kofferraumboden ist noch Platz für Krimskrams, ein Reserverad gibt es nicht, selbst Tirefit kostet 59,50 Euro extra. Natürlich ärgert auch hier die Aufpreispolitik, wie immer bei Mercedes. Die 76 Seiten dicke Preisliste bietet manches Schmankerl wie den größeren Tank, der dann 51 statt 43 Liter fasst für weitere 59,50 Euro oder das horizontale Trennnetz für 178,50 Euro. Und unter den Lacken sind nur Jupiterrot oder Nachtschwarz aufpreisfrei.

Der Einstiegspreis klingt moderat. Der von der Redaktion bewegte B 220d beginnt aber schon mit 39 264 Euro. Er bietet dann aber einen feinen Diesel mit 2,0 Liter Hubraum, 190 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern. Weitere Diesel haben 95, 116 oder 150 PS. Um die Umsetzung der Kraft auf die Vorderräder kümmert sich eine Achtgang-Automatik, die Basismodelle sind Handschalter mit sechs Gängen. Der 220d ist der stärkste Diesel im B-Programm, er wird auch mit Allradantrieb angeboten, wie der B 250 mit seinem 2,0-Liter-Benziner und 224 PS. Bei den Benzinern – es gibt auch noch 136, 163 und 190 PS – hat die Automatik, die technisch gesehen ein Doppelkupplungsgetriebe ist, nur sieben Gänge.

Das Triebwerk fühlt sich wenig nach Diesel an

Der achte Gang in den Dieseln ist besonders lang ausgelegt, was natürlich hilft, Kraftstoff zu sparen. Hier setzt der 220d wieder einmal Maßstäbe. Im Durchschnitt 6,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind bei der gebotenen Leistung und straffen Fahrweise aller Ehren wert. Mit einem Benziner schafft man das nicht. Wer sich zurückhält und mit 120 km/h über die flache Autobahn schnurrt, kommt sogar mit 4,8 Litern 100 Kilometer weit. Der Motor flüstert dann mit nur 1700 Umdrehungen in der Minute vor sich hin. Ohne Mühe bis zum Rand befüllen lässt sich der Tank, das kennen wir von vielen anderen Autos ganz anders. Auch erstaunlich ist, wie wenig sich das Triebwerk nach Diesel anfühlt. Wer es nicht weiß, glaubt, er fahre einen Benziner. Nur direkt nach dem Start nagelt es ein wenig.

Was negativ auffällt, sind die Traktionsprobleme, die es vor allem auf nasser Fahrbahn trotz aller Regelelektronik immer wieder gibt. Generell schaltet das Getriebe sanft und kaum merklich, was auch daran liegt, dass der nächsthöhere Gang schon immer vorgewählt ist. Wer will, nimmt die Schaltpaddel am Lenkrad. Man braucht sie aber eigentlich nicht. Der Tacho geht überaus genau, das ist keine Selbstverständlichkeit. Gewöhnen muss sich der Fahrer an den filigranen Schalthebel am Lenkrad. Wir mögen ihn, wobei Neulinge im Glauben, der Hebel sei für die Scheibenwischer, schon mal den Leerlauf einlegen. Die Wischer werden wie eh und je bei Mercedes mit dem Blinkerhebel links am Lenkrad bedient.

Gut funktionierende Sprachbedienung

Ansonsten ist in der B-Klasse nichts wie eh und je, was die Bedienung angeht. Das Cockpit ist das gleiche wie in der A-Klasse, also mit dem oft gelobten MBUX (Mercedes-Benz User Experience). Somit schauen Fahrer und Beifahrer auf den großen Flachbildschirm im Querfomat von 62 mal 12 Zentimeter. Vor dem Fahrer erscheinen die digital abgebildeten, analogen Instrumente, rechts davon ist der zweite Darstellungsbereich, etwa für die Navigations-Karte. Es gibt aber auch vielfältige andere Möglichkeiten der Darstellung. Sie alle hier aufzuzählen sprengte den Rahmen. Etliches lässt sich aber noch konventionell bedienen.

Das Lenkrad nimmt einige Bedienelemente auf. Nervig fummelig sind die beiden Knöpfchen links und rechts, mit denen man sich durchs Menü des Bordcomputers hangeln kann. Zum Glück gibt es die gut funktionierende Sprachbedienung, man muss nur die Scheu vor ihr verlieren. Dann klappt alles erstaunlich einfach, auch das Aufsagen von Navigationszielen. Als zu große Ablenkung erachten wir die Richtungshinweise der Navigation auf dem rechten Monitor, eingebettet in das Live-Bild der Frontkamera. Derlei wirkt nur verwirrend, nicht hilfreich. Dann sollte man doch besser auf die Befehle im Head-up-Display achten, das jedoch 1178 Euro Aufpreis kostet.

Die gegen Zuzahlung von 345 Euro elektrische Verstellung der Vordersitze findet sich in den Türen, wie auch das Bedienfeld für die elektrisch verstellbaren Außenspiegel. Die sind serienmäßig wie vieles andere, bei aller Kritik über die Aufpreispolitik muss schon gesagt werden, dass die Zeiten, als der fünfte Gang extra kostete, vorbei sind. Es bleiben aber reichlich Verführungen. Unser Testwagen hat letztlich einen Preis von 65 361 Euro.

Ein Wort noch zu den Assistenzsystemen, die das Fahren unterstützen. Der adaptive Tempomat ist fein, gepaart mit der Verkehrszeichenerkennung. Der Spurhalter bremste uns ohne Not zweimal aus, weil er die Bemalung auf der Straße missdeutete. Wir bleiben skeptisch. Sonst fährt die B-Klasse prima und sicher, lenkt präzise und bremst gut. Die Federung ist ein wenig straff. Fazit: Nicht Fisch und nicht Fleisch ist heutzutage ohnehin modern, so gesehen ist die B-Klasse Ia.

Unser Fazit

STARK: Viel Platz in einem modernen Ambiente. Variabler Gepäckraum, Motor leise, kraftvoll und sparsam.

SCHWACH: Traktionsprobleme vor allem bei Nässe, lange Aufpreisliste, Bedienung mitunter gewöhnungsbedürftig.

LEISTUNGSVERWEIGERUNG: Die B-Klasse wartet immer noch auf ein AMG-Modell. Traut euch doch!

Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 39.264 Euro

Preis des Testwagens 65.361 Euro

Vierzylinder-Turbomotor, Direkteinspritzung, vier Ventile je Zylinder, 1950 Kubikzentimeter Hubraum, 190 PS (140 kW) bei 3800/min, höchstes Drehmoment 400 Nm bei 1600 bis 2800/min

Frontantrieb

Doppelkupplungsgetriebe, 8 Gänge

Länge/Breite/Höhe 4,42/1,80/1,56, Radstand 2,73, Wendekreis 11 Meter

Leergewicht 1410 Kilogramm, zulässiges Gesamtgewicht 2030, Anhängelast 1400 Kilogramm, Kofferraumvolumen 45 bis 1540 Liter

Reifengröße 225/45R18 95 W XL

Höchstgeschwindigkeit 234 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 7,2 s

Verbrauch 4,8 bis 7,7 Liter Diesel, im Durchschnitt 6,7 Liter auf 100 Kilometer, 119 g/km CO2 bei einem Normverbrauch von 5,5 Liter, Tankinhalt 43 oder 51 Liter

Komfort & Sicherheit ABS, ESP, Start-Stopp, Totwinkel-Assistent, adaptiver Tempomat mit Abstandswarner und Verkehrszeichenerkennung, Spurhalter, Rückfahrkamera mit Rundumsicht, automatisches Einparken, DAB, Navigation, Internet, schlüsselloser Zugang, Sprachbedienung, Head-up-Display

Die Anderen

Ford C-Max 2.0 TDCi Sport Auch als Grand C-Max. 170 PS, 31.650 Euro.

Renault Scénic Blue dCi Bose Edition 150 PS. 35.490 Euro. Auch als Grand Scénic.

Toyota Prius Plus Executive 120 PS, ab 34.490 Euro. Hybrid, sieben Sitze.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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