FAZ plus ArtikelFahrbericht Mercedes E300 E

Gut Ding will Weile haben

Von Holger Appel
Aktualisiert am 28.11.2020
 - 08:00
Zur Mitte ihres Daseins wird der E-Klasse eine Auffrischung zuteil. Dabei geschieht ein Kuriosum. Plötzlich stehen alle Zeichen auf Hybrid. Mercedes liefert gleich zwei Antworten.

Die älteren Semester werden sich erinnern, dass Mercedes-Benz früher Autos zugeteilt hat. Jahreswagen von Werksangestellten waren so teuer wie Neuwagen, weil sie sofort verfügbar waren. Auf den roten 240 Diesel, den sich der Vater des Autors als ersten Neuwagen seines Lebens leistete, wartete die Familie ein Jahr, und als das Schmuckstück da war, war es auch schon wieder weg. Nach zwei Wochen humpelte der Mercedes nach Hause als ein Häuflein Schrott, an einer roten Ampel war jemand hinten aufgefahren.

Wer heute eine E-Klasse bestellt, muss wieder Geduld mitbringen, Mercedes erweist sich als Weltmeister im Vertrösten. Aufträge für Modelle mit Verbrennungsmotor werden Monat für Monat nach hinten geschoben, weil am Jahresende erstmals ernsthaft die CO2-Werte der Flotte abgerechnet werden und bei Überschreiten bestimmter Grenzwerte Strafzahlungen an die EU drohen. Deshalb forciert die Produktsteuerung die Modelle mit Hybridantrieb, und der Vorstand hat eine Entscheidung aus dem Kuriositätenladen getroffen. Minuten vor dem Marktstart wurde der neue Vierzylinder-Benziner aus dem Angebot gestrichen. Das unter der Modellbezeichnung E 350 gedachte Aggregat ist nicht irgendein Motor, sondern ein Hightech-Derivat mit Formel-1-Anleihen, geballte Innovation im Zeichen des Stuttgarter Sterns, die zu feinen Fahrleistungen mit niedrigem Verbrauch führt. Gestrichen, weil die Produktionskapazität für Plug-in-Hybride gebraucht wird, deren Fabelemissionswerte das CO2-Konto tiefgrün färben.

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Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 55.790 Euro

Preis des Testwagens 90.231 Euro

Vierzylinder-Ottomotor, Direkteinspritzer, Hubraum 1991 Kubikzentimeter

Leistung 211 PS bei 5500/min, maximales Drehmoment 350 Nm bei 1200 bis 4000/min, Elektromotor 122 PS, Systemleistung 320 PS und 700 Nm

Automatikgetriebe mit neun Gängen

Antrieb auf die Hinterräder

Länge/Breite/Höhe 4,94/2,07/1,48, Radstand 2,94, Wendekreis 11,60 Meter

Leergewicht 1990, zulässiges Gesamtgewicht 2650 Kilogramm, Anhängelast 2100 Kilogramm, Kofferraumvolumen 450 bis 1470 Liter

Reifengröße v 245/45 R 18, h 275/40 R 18

Höchstgeschwindigkeit 250 km/h, von 0 auf 100 km/h in 5,8 s

Verbrauch 5,3 Liter plus 8,5 kWh bis 10,8 Liter und 0,1 kWh, im Durchschnitt 7,5 Liter Super und 3,1 kWh Strom auf 100 Kilometer inklusive Ladeverlust. Elektrische Normreichweite 59 km, im Alltag 36 km, Ladedauer an Haushaltssteckdose 6 Stunden, Batteriekapazität 13,5 kWh, 41 g/km CO2 bei einem Normverbrauch von 1,8 Liter und 18,2 kWh, Tankinhalt 50 Liter

Komfort & Sicherheit Burmester-Musik, Head-up-Display, 360-Grad-Kamera zum Parken, unzählige Assistenzsysteme

Die Anderen

Mercedes E-Klasse 300 DE Variante für Vielfahrer, 306 PS, 57.472 Euro

BMW 530 E Sportliche Konkurrenz, 292 PS, 54.783 Euro

Volvo S 90 Recharge Abgeregelte Eleganz, 390 PS, 67.309 Euro

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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