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Fahrbericht Opel Corsa

Kleiner Kerl, große Last

Von Boris Schmidt
 - 08:44
Opel Corsa
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F.A.Z.-Fahrbericht
Opel Corsa

Das waren noch Zeiten, als Steffi Graf für den Opel Corsa Werbung machte. In den Achtzigern war das. Niemand hätte gedacht, dass Opel jemals französisch werden würde, doch es ist so gekommen, und bislang läuft es doch ganz gut. Auch wenn der neue Corsa, dessen Zwilling der neue Peugeot 208 ist, eine mächtige Last zu schultern hat: Er muss liefern, also ein Erfolg werden, auch weil er jetzt den Einstieg in die Opel-Welt markiert. Die Modelle unterhalb des Kleinwagens, der auf den preisbewussten Kunden zielende Karl und der poppige, eher teure Adam, der viel fürs Opel-Image getan hat, wurden gestrichen, zusammen mit dem viersitzigen Cabriolet Cascada. Außerdem kommt der große Insignia langsam in die Jahre, und der Astra, einst Golf-Gegner Nummer eins, ist auf dem Markt nur noch ein Schatten seiner selbst. Aber der neue Corsa ist ein guter Grund, mal wieder beim Opel-Händler vorbeizuschauen, das vornweg.

Zumal er bald auch als reines Elektroauto zu haben sein wird. Doch in der Redaktion hat sich jetzt erst mal der 1.2 DI Turbo vorgestellt, der einen Dreizylinder-Ottomotor mit 100 PS unter der Haube hat. Der kostet mindestens 17 530 Euro, während der Basispreis für die 1,2-Liter-Maschine ohne Turbo und mit läppischen 75 PS bei 13 990 Euro ansetzt. Doch auch dieser Corsa ist schon ziemlich gut ausgestattet. Alle Varianten haben einen Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung (aktiv bis 85 km/h), einen Tempomaten und einen Tempobegrenzer sowie einen nervigen Spurhalteassistenten, den wir nach kurzer Zeit immer ausgeschaltet ließen. Auch eine Müdigkeitserkennung, sieben Airbags, elektrische Helfer für Außenspiegel und Seitenfenster, eine Zentralverriegelung, Start-Stopp, eine asymmetrisch geteilte Rückbank und viele sinnvolle Ablagemöglichkeiten gehören zur Grundausstattung, allerdings fehlt die Klimaanlage in der Basisvariante.

In der gefahrenen Elegance-Linie kommen dann noch Dinge wie eben die Klimaanlage, ein größerer Informationsbildschirm, LED-Licht, ein Multimedia-Radio, Leichtmetallfelgen und einiges mehr dazu. Gegen einen Aufpreis von 700 Euro gibt es intelligentes, variables LED-Licht erstmals in der Kleinwagenklasse.

Vorn sitzt es sich ausgesprochen gut

Verzichten könnten wir sofort auf die digitale Instrumentierung, schöner wären klassisch-analoge Instrumente wie in der Basis. Die Anzeigen wirken mit der ausschließlich digitalen Darstellung freudlos, der Drehzahlmesser mit horizontaler Bälkchen-Darstellung lässt sich schlecht ablesen. Schön dagegen ist der optionale, große Schirm für die Navigation in der Mittelkonsole. Die 800 Euro fürs Navigationssystem kann man sich aber eigentlich sparen, wenn man Smartphone-Besitzer ist, der Corsa versteht sich auf Android Auto und Apple Carplay. Damit lässt sich auch navigieren. Eine induktive Ladeschale kostet 135 Euro extra.

Der Corsa ist ein Kleinwagen und nur 4,06 Meter lang. Doch vorn sitzt es sich ausgesprochen gut, die Sitze sind bequem, und in dieser Ausstattungslinie ist der Fahrersitz elektrisch zu verstellen. Die zahlreichen Ablagen sind gut, das Handschuhfach sitzt aber ungewöhnlich tief im Armaturenbrett. Das gebotene optische und haptische Qualitätsniveau ist höher als früher unter den Fittichen von General Motors. Alle Corsa sind Viertürer, hinten geht es gleichwohl enger zu, auf weite Fahrt will man zu Fünft nicht gehen. Der Kofferraum bietet Platz für rechnerisch 309 Liter, nach dem Umlegen der Rückbanklehne ergibt sich eine fast ebene Ladefläche von gut 1,50 Meter Länge. Und im Kofferraumboden ist noch Platz für ein Reserverad, das sich Opel aber mit 100 Euro bezahlen lässt.

Das Sechsganggetriebe ist etwas lang übersetzt

Dass der Motor nur drei Zylinder hat, merkt man sofort, weil er lautstark los poltert. Gestartet wird per Knopf, der umständlich lang gedrückt sein will. Den rauhbeinigen Charakter legt das Triebwerk zu keiner Zeit ab, die Leistung an sich ist gut. 100 PS genügen, um flott unterwegs zu sein. Das Sechsganggetriebe ist jedoch etwas lang übersetzt, die Höchstgeschwindigkeit von 194 km/h erreicht man nur mit langem Anlauf und am besten im fünften Gang. Vernünftiger ist es, mit Tacho 140 km/h und 3000 Umdrehungen im sechsten Gang über die Autobahn zu gleiten. Dann darf man mit Verbräuchen von weniger als sieben Liter Super auf 100 km/h rechnen. Im gemischten Regionalverkehr kamen wir auf 6,5 Liter. Wer sich mit 120 km/h bescheidet, schafft auf flacher Autobahn mit 5,4 Liter 100 Kilometer Strecke. Dann ist auch der an sich lütte 44-Liter-Tank nicht zu klein. Eine Achtgangautomatik kostet 1760 Euro Aufpreis.

Was fahrerisch am meisten stört, ist die harte Federung. Selbst kleine Stöße kommen deutlich im Innenraum an, vor allem auf der Rückbank. Wahrscheinlich wollten sich die Opel-Ingenieure nicht nachsagen lassen, sie hätten den Wagen zu weich, also französisch, abgestimmt. Das Kurvenverhalten ist jedoch prima, der Corsa untersteuert als Fronttriebler berechenbar, die Servolenkung ist präzise. Für die Stadt ist der Corsa mit seinem Wendekreis von 10,75 Metern ein ideales Auto. Da stört beim Parken nur die schlechte Sicht nach hinten. Dagegen hilft das Park-Premium-Paket für 760 Euro mit Einparkassistent und 180-Grad-Rückfahrkamera. Dass die Bremsen bei den Testfahrten einen eher müden Eindruck machten, schieben wir den aufgezogenen Winterreifen und der Außentemperatur von zwölf Grad zu. Je wärmer es wird, desto schlechter können die auf Kälte ausgelegten Winterreifen die Bremsleistung übertragen. In Tests von anderen Redaktionen hatte sich der Corsa keine Blöße in dieser Hinsicht gegeben.

Gut gefällt uns der Corsa auch rein äußerlich. Wo wir mit dem Wagen auch auftauchten, hieß es immer: „Was, das ist der neue Corsa? Sieht schick aus.“ Die Designer haben gute Arbeit geleistet und zudem dafür gesorgt, dass der technisch engverwandte Peugeot 208 (Fahrbericht folgt nächste Woche) vom Auftritt her ein ganz anderes Auto ist. In diesem Sinne ist der Corsa im besten Wortsinne ein klassischer Opel, und das nicht nur, weil er schon seit 1982 unter diesem Namen durch die Welt fährt und heute das dienstälteste Modell ist, sondern weil er für einen adäquaten Preis ein gutes, bodenständiges Auto ohne überflüssigen Firlefanz einer deutschen Traditionsmarke ist.

Unser Fazit

STARK: Schickes Äußeres. Kraftvoller Motor, der hinreichend sparsam ist. Für einen Kleinwagen ausreichend Platz, gut ausgestattet. Viele Assistenten, intelligentes, variables LED-Licht ist möglich.

SCHWACH: Motor eher laut und rauh, Federung zu hart, der Spurhalter nervt, die Scheibenwischerautomatik mitunter auch.

STROMER VORAUS: Noch in diesem Frühjahr erscheint der rein elektrische Corsa.

Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 19.630 Euro

Preis des Testwagens 26.525 Euro

Dreizylinder-Turbobenziner, vier Ventile je Zylinder, 1199 Kubikzentimeter Hubraum, 100 PS (74 kW) bei 5500/min, max. Drehmoment 205 Nm bei 1750/min

Frontantrieb

Sechsganggetriebe, manuell

Länge/Breite/Höhe 4,06/1,77/1,44, Radstand 2,54, Wendekreis 10,75 Meter

Leergewicht 1090, zulässiges Gesamtgewicht 1620, Anhängelast 1200 Kilogramm, Kofferraumvolumen 309 bis 1081 Liter

Reifengröße 195/55 R 16

Höchstgeschwindigkeit 194 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 9,9 s

Verbrauch 5,4 bis 8,6 Liter Superbenzin, im Durchschnitt 6,8 Liter auf 100 Kilometer, 99 g/km CO2 bei einem Normverbrauch von 4,3 Litern, Tankinhalt 44 Liter

Komfort & Sicherheit Assistenten für Abstand, Geschwindigkeit, Spurhaltung, Anfahren am Berg, aktiver Kollisionswarner, Verkehrszeichenerkennung, Warnung vor Müdigkeit, automatisches Einparken, 180-Grad-Rückfahrkamera, intelligentes, variables LED-Licht, Regensensor, Multimedia-Anlage mit Navigation

Die Anderen

Nissan Micra 1.0 N-Connecta, 100 PS, ab 18.650 Euro. Mutiges Design.

Peugeot 208 1.2 Allure, 100 PS, ab 20.400 Euro. Das Pendant.

VW Polo 1.0 TSI Comfortline, 95 PS, ab 18.885 Euro. Marktführer unter den Kleinen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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