Ford Tourneo Custom Titanium

Winzmotor im großen Wagen

Von Boris Schmidt
01.11.2020
, 20:12
Gutes Raumangebot und Platz für bis zu acht Personen, aber als Fahr-Zeug indiskutabel: Das ist der Ford Tourneo Custom. Seine elektrische Reichweite, die nicht die versprochenen 50, sondern maximal 35 Kilometer bietet, ist nur ein Beispiel.

Eines muss man den Ford-Leuten lassen: Mut haben sie. Da bringen sie für üppige 70.000 Euro einen Kleinbus auf den Markt, der zwar ein gutes Raumangebot und Platz für bis zu acht Personen bietet, aber als Fahr-Zeug indiskutabel ist. Nur 120 km/h Höchstgeschwindigkeit, erschreckender Verbrauch, schwacher, unter Last lärmender Motor und eine elektrische Reichweite, die nicht die versprochenen 50, sondern maximal 35 Kilometer bietet. Doch der Reihe nach. Immerhin ist Ford der erste Hersteller, der es wagt, einen Kleinbus als Plug-in-Hybrid auszulegen. Applaus dafür.

Aber hätte es nicht andere technische Möglichkeiten gegeben? Das riesige, 4,97 Meter lange und fast zwei Meter hohe Auto wird von einem Einliter-Dreizylinder-Motor mit 126 PS angetrieben, der seine Kraft aber nicht direkt an die Vorderräder schickt, sondern als Generator für einen Elektromotor wirkt. Ist die Batterie mit 13,6 kWh Kapazität geladen, fährt der Ford rein elektrisch. Was dann recht angenehm ist, leider aber ein kurzes Vergnügen. Mehr als besagte 35 Kilometer konnten wir nie realisieren, bei Temperaturen von 10 bis 15 Grad. Das bedeutet einen rein elektrischen Verbrauch von 35 kWh auf 100 Kilometer. So kosten 100 elektrische Kilometer rund 10,50 Euro, das kann jeder Diesel besser. Auch in einem so großen Auto.

Ist die Batterie leer, muss der kleine Verbrenner ran. Und dann wird es schlimm. Wenn das Gaspedal durchgetreten wird, jault die Maschine wie ein geprügelter Hund. Ab 80 km/h wird gefühlt gar nicht mehr beschleunigt, und dann ist ohnehin bald Schluss. Auf einer Fahrt nach Köln und zurück mit leerer Batterie benötigten wir 11 Liter auf 100 Kilometer. Das ist zu viel. Diese Lösung taugt allenfalls für Innenstädte, die für Verbrennerfahrzeuge gesperrt sind mit Ausnahmen der Plug-in-Hybride.

Ford hat drei schöne Dieseltriebwerke für den Tourneo Custom im Programm, diese sind zudem auch noch wesentlich billiger, 52.629 Euro kostet der Ford-Bus als Titanium mit dem stärksten Triebwerk, einem Diesel mit 185 PS aus 2,0 Liter. Gut gefallen können die Einrichtung und das Ausstattungsniveau, es gibt jeweils eine Schiebetür rechts und links, die sechs Passagiere im Fond sitzen vis-à-vis auf Ledergestühl. Dahinter ist noch ein 1200-Liter-Kofferraum, nicht tief, aber hoch. So gesehen eignet sich der Tourneo Custom als Shuttle-Fahrzeug.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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