Teuerster Nissan aller Zeiten

Godzilla feiert Geburtstag

Von Thomas Geiger
12.04.2021
, 16:48
Zum 50. Geburtstag macht Italdesign aus dem Nissan GT-R einen exklusiven Extremisten – in jeder Hinsicht. Mindestens 1,2 Millionen Euro sind anzulegen.

Er ist für die Japaner, was für uns der Porsche 911 und die Amerikaner die Corvette. Denn kein anderer Sportwagen aus dem Land der aufgehenden Sonne hat so einen Ruhm und so eine Tradition wie der Nissan GT-R. Und mit seiner Kombination aus einem anfangs spießigen Äußeren, radikaler Renntechnik und halbwegs bürgerlichen Preisen hat er sich auch bei den Schnellfahrern in der westlichen Hemisphäre einen Ruf erarbeitet wie Donnerhall: Andächtig schwärmen sie von Godzilla und freuen sich am ungehobelten Underdog, der die eilige Elite aus England, Italien und Deutschland aufmischt.

Bisher auf Augenhöhe mit den Sportversionen des 911, der Corvette oder den Einstiegsmodellen von Ferrari oder Lamborghini, fühlt sich der japanische Heißsporn jetzt allerdings zu höherem berufen. Denn während die Fangemeinde sehnsüchtig auf einen Nachfolger wartet oder zumindest auf eine Bestätigung, dass es irgendwann und irgendwie weitergeht, hat Nissan gemeinsam mit Italdesign eine Sonderserie zum 50. Geburtstag aufgelegt, die in manchen Disziplinen selbst die meisten Ferrari überflügelt: 720 PS sind ein Wort, das auch bei passionierten Bleifüßen Gehör findet, maximal 50 Exemplare sorgen für Exklusivität, und Preise von 1,2 Millionen Euro aufwärts machen den GT-R zum teuersten Nissan aller Zeiten.

Jetzt ist der große Jahrestag zwar eine Weile her – bei Italdesign war es 2018 und bei Nissan 2019. Doch gut Ding will Weile haben, erst recht, wenn der Umbau so gründlich ist. Denn bei der zwei Monate währenden Umrüstung vor den Toren Turins gibt es nicht nur eine Technik-Mischung aus dem GT-R Nismo und dem Rennwagen aus der GT3-Serie, mit dem zum Beispiel die Leistung des 3,8 Liter großen V6-Turbo um mehr als 100 PS gesteigert und das Fahrwerk zum Plombenzieher wird. Sondern vor allem gibt es eine komplett neue, weitgehend aus Carbon gebackene Karosserie mit einem Bug wie bei einem Haifisch auf Attacke und einem flacheren Dach, unter dem man sich selbst mit blankem Kopf vorkommt, als stecke man in einem Helm.

Die Sahneseite ist allerdings das im weiten Bogen ausgestellte Heck mit hy­draulisch bewegtem XL-Spoiler, einer senkrechten Finne samt dritter Bremsleuchte auf dem Dach und vier roten Tuben fürs Rücklicht, die aussehen wie die Nachbrenner einer Jet-Turbine im Mach1-Modus. Das passt. Denn bei einem Sprintwert von deutlich unter drei Sekunden und einem Spitzentempo von 315 km/h fühlt sich der Fahrer tatsächlich wie ein Pilot im Starfighter. Und für alle anderen ist das Heck die Perspektive, aus der sie den Nissan wohl die meiste Zeit sehen werden. Kein Wunder also, dass die Italiener darauf die meiste Mühe verwandt haben.

Aber auch innen haben sie Hand angelegt und überall dort, wo bislang billiges Plastik prangte, schmuckes Leder vernäht oder Konsolen aus Carbon eingebaut. Das sind sie dem Preis schon schuldig. Doch weil das Cockpit unverändert bleibt und mit ihm der riesige Touch-Bildschirm mit den viel zu vielen Anzeigen, wirkt der GT-R noch immer wie ein Fahrsimulator für die Playstation. Zumindest bis man den Motor anwirft und das Brüllen der armdicken Endrohre zu vernehmen ist.

Zwar wissen sie in Moncalieri vor den Toren Turins schon, dass sie nicht mehr als 50 Autos bauen wollen. Doch wie viele es am Ende tatsächlich werden, steht noch in den Sternen. Denn zehn, 15 Exemplare sind noch zu haben. Das mag auch an Corona liegen und daran, dass die reichen Raser ihr Geld ein wenig fester zusammenhalten in diesen Tagen. Aber schuld ist wohl auch der Name, der aus gutem Grund nirgends auf dem Blech steht. Denn selbst wenn es der GT-R an Prestige und Potenz mit Ferrari & Co aufnehmen kann, bleibt es eben immer noch ein Nissan – und für den gibt man nicht mal eben mehr als eine Million Euro aus.

Quelle: F.A.S.
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