Mercedes-Benz Maybach

Mehr Cedes geht nicht

Von Thomas Geiger
Aktualisiert am 12.01.2021
 - 15:29
Kingsize: Der Maybach GLS als Konkurrent für den Bentley Bentaygazur Bildergalerie
Wenn das Beste nicht mehr genug ist, kommt bei Mercedes-Benz Maybach ins Spiel. Entweder als S-Klasse oder als GLS.

Klasse statt Masse – so will Daimler-Chef Ola Källenius den Mercedes-Karren aus dem Dreck ziehen und wieder mehr Umsatz und vor allem Gewinn in die Kassen spülen. Dafür streicht er das Portfolio aber nicht nur zusammen und will vor allem die Kompaktklasse ausdünnen, sondern er feiert obendrein Zuwachs am anderen Ende und setzt dabei auf einen Namen, der bei Mercedes-Benz immer einen besonders guten Klang hatte: Maybach. Zwar gilt die Wiederbelebung als eigene Marke mit den Luxuslinern Maybach 57 und 62 zur Jahrtausendwende neben dem kleinen Smart als größter Flop in der jüngeren Unternehmensgeschichte.

Doch seit fünf Jahren strahlt das doppelte M wieder stolz und mit ihm die Augen der Buchhalter. Denn seit die dickste (und längste) aller S-Klassen ausschließlich als Maybach verkauft wird, weisen Marktzahlen und Mundwinkel steil nach oben: Seit der Markteinführung im Februar 2015 wurden rund 600.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Jeden Monat gingen in den vergangenen Jahren rund 600 Fahrzeuge allein an Kunden in China, 2019 waren es im Durchschnitt sogar mehr als 700 Einheiten je Monat.

Kein Wunder, dass es dieses Mal nur zwei Monate dauerte, bis der gewöhnlichen S-Klasse eine Maybach-Version hinterhergeschickt wurde. Auf einer Automesse im chinesischen Guangzhou präsentierte sich das auf 5,47 Meter gestreckte Maybach-Modell. Aber bei der S-Klasse wird es diesmal nicht bleiben. Zusammen mit dem Luxusliner rollt im Frühjahr auch ein Maybach GLS in den Handel. Wo die Limousine gegen Autos wie den Rolls-Royce Ghost und den Bentley Flying Spur antritt, soll er die britische Vorherrschaft beim Landadel brechen und sich mit Cullinan und Bentayga messen. Und das gepaart mit fast schon schwäbischer und in dieser Klasse eher ungewohnter Sparsamkeit. Denn selbst wenn er mit einem Grundpreis von 156.078 Euro knapp 50.000 Euro teurer ist als der GLS 500 an der Spitze der Mercedes-Palette, fehlen zum Bentayga knapp 30.000 Euro, und der Cullinan kostet knapp das Doppelte.

Als Koloss für Krösus & Co. wurde der GLS kräftig herausgeputzt: Von außen funkelt das 5,21 Meter lange Dickschiff mit dem neuen Kühlergrill im Nadelstreifendesign, mit reichlich Chrom vor den Lüftergittern und um die Fenster wie ein Christbaum am Heiligen Abend, und innen lockt eine Luxuslounge mit reichlich Lack und Leder. Wer über die elektrisch ausfahrbaren Trittstufen im Schein einer eigenen LED-Beleuchtung in den Olymp der Geländewagen aufsteigt, wähnt sich im siebten SUV-Himmel. Denn wo im GLS noch bis zu sieben Sitze untergebracht werden müssen, gibt es im Maybach nur noch vier.

Das reicht bei 3,14 Metern Radstand im besten Fall für mehr als 1,30 Meter Beinfreiheit im Fond und schafft Platz für ausfahrbare Beinauflagen, mit denen die natürlich klimatisierten Loungesessel gar vollends zur Liege werden. Erst recht, wenn sich der Beifahrersitz auf Knopfdruck fast nach vorne in den Fußraum faltet. Dazu gibt es natürlich ein Barfach und Klapptische in der durchgehenden Mittelkonsole, eine eigene Mbux-Welt für die Hinterbänkler sowie ein Wohlfühlprogramm mit Ambientelicht und eigens komponiertem Raumduft aus dem Duft der Osmanthusblüte mit einem Hauch von Leder und würzigem Tee.

Maybach für den Matsch

Während die Herrschaft im Fond hinter elektrisch aufgezogenen Gardinen und dickem Isolierglas den Müßiggang pflegt und vom Maybach-Mode des vorausschauenden Luftfederfahrwerks und seinen 48-Volt-Stellen wie auf Wolken gebettet wird, tut sich auch der Fahrer leicht mit diesem Schwergewicht. Denn auch wenn mit der Tradition gebrochen wird und anders als in der S-Klasse trotz der 600 am Heck nur acht statt zwölf Zylinder installiert sind, hat der vier Liter große Turbomotor keine Mühe mit dem Maybach für den Matsch: Immerhin leistet er 558 PS und geht mit bis zu 730 Newtonmeter Drehmoment zu Werke. Das reicht für einen Sprint in 4,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bei Vollgas für 250 km/h.

Im Kampf gegen das Turboloch und das schlechte Gewissen gibt es sogar noch einen elektrischen Booster als Mildhybrid-Baustein, der während des Anfahrens ein wenig schiebt und ansonsten durch mehr Rekuperation und längere Segelphasen den Verbrauch drückt. Wobei das bei einem Normwert von 11,7 Litern allenfalls kosmetischen Wert hat. Zumal der Maybach gar nicht erst Gefahr laufen will, die Kundschaft auch nur durch einen Hauch von Schwankungen in der Kulisse des Wohlklangs zu irritieren. Die Start-Stop-Automatik ist im Maybach-Modus deshalb vorsichtshalber deaktiviert.

Zwar feiert Mercedes Maybach als Erfolgsgeschichte und Källenius’ neue Strategie spielt der Marke in die Hände. Doch geht es nach Designchef Gorden Wagener, ist der GLS nur der zweite Schritt auf einem weiten Weg. Langfristig will er Maybach zu einer starken Submarke machen, die sich auch wieder eigenständige Modelle leisten soll. Als Vorbild dienen ihm dabei die Kollegen von AMG, die sich mit SLS, GT und ihrem Viertürer schon weit von der Großserie entfernt haben. Allerdings hat der Vergleich auch einen Haken. Bis AMG so weit war, hat es Jahrzehnte gedauert. Deshalb werden sich wohl auch Maybach-Kunden noch ein wenig in Geduld fassen und zurücklehnen müssen. Platz genug dafür haben sie im GLS ja.

Quelle: F.A.S.
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