Mit dem Auto aufs Hotelzimmer

Schlafwagen im zehnten Stock

Von Boris Schmidt
20.06.2022
, 18:03
In Frankfurt darf das eigene Auto jetzt mit aufs Zimmer. Die Car-Lofts eines neuen Hotels machen es möglich. Was wie Spielerei anmutet, bietet handfeste Vorteile.
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Diese Idee hat Charme, ohne Frage. Mit seinem Auto am Hotel angekommen, muss der Gast weder einen Parkplatz suchen noch in stickige Tiefgaragen oder enge Parkhäuser fahren. Er nimmt das gute Stück einfach mit, steuert in einen Autoaufzug, der die Reisegesellschaft quasi direkt zum Zimmer bringt. Nach dem Lifting, das bis hinauf in den zehnten Stock führen kann, öffnet sich die Aufzugstür wieder, und flugs steht das Auto sozusagen auf dem Balkon.

Die Koffer aus dem Auto müssen nur wenige Meter getragen werden. Den Schlüssel oder besser die Karte fürs Zimmer gibt es entweder konventionell an der Rezeption. oder es erfolgt vorher eine Anmeldung übers Internet. Ist per Kreditkarte bezahlt und elektronisch der Meldeschein unterschrieben worden, erhält der Gast einen elektronischen Schlüssel, für dessen Nutzung er sich noch eine App herunterladen muss. Wenn alles funktioniert hat, hält man das Handy vor ein Kartenlesegerät, der Aufzug öffnet sich und fährt automatisch in die richtige Etage.

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Auf zehn der dreizehn Stockwerke des Hotels b’mine in Frankfurt gibt es vier dieser Car-Lofts, zwei Spezialaufzüge steuern sie an. Sie liegen alle auf jener Seite, die zum Flughafen zeigt, vor allem in den oberen Etagen ist die Aussicht ein Fest für alle Planespotter. Weil unmittelbar neben dem Hotel die A 3 verläuft, ist es draußen allerdings laut, lange hält man es da nicht aus. Im Zimmer selbst ist es ruhig, dank Fünffachverglasung und doppelter Balkontür.

Die Zimmer sind groß, modern und zweckmäßig eingerichtet. Dazu ist alles neu, das b’mine hat erst Ende März eröffnet, 70 Millionen Euro wurden von einer Investorengruppe aufgebracht. Das Hotel ist das einzige in Europa, das Car-Lofts in dieser Form anbietet. Unabhängig von dieser Auto-Ungewöhnlichkeit setzt die b’mine-Gruppe, die bis Ende 2030 auf 30 Hotels wachsen soll, auf ein „holistisches“ Konzept, das die erlernte Hotelerfahrung umkrempeln soll. Farbe, Licht, Material und Akustik sowie Kunstelemente sollen in Szene gesetzt werden. Tatsächlich ist in so einem Car-Loft nicht nur das Auto auf dem Balkon ungewöhnlich. Es gibt keinen geschlossenen Schrank, keinen Safe und auch keinen Kühlschrank. Michaela Stein-Städter, die Verkaufsdirektorin, sagt: „Gerade am Flughafen übernachten Gäste im Durchschnitt nur 1,4 bis 1,6 Tage. Da ist ein Schrank nun nicht wirklich nötig.“ Platz, um seine Sachen aufzuhängen, gebe es ja reichlich. Keines der 240 Zimmer habe einen Kühlschrank, das sei nicht nachhaltig. Wer einen Safe brauche, könne Wertsachen klassisch an der Rezeption abgeben, und in den Car-Lofts verwandele sich das Auto ja sozusagen zum Safe, wenn denn unbedingt einer benötigt werde.

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160 Einzelzimmer, 40 Doppelzimmer und 40 Car-Lofts

Gewiss ist es auch eine Kostenfrage, aber im Übrigen wird an Luxus nicht gespart. Die Ausstattung ist hochwertig, Handys lassen sich kabellos laden, der TV-Flachbildschirm ist riesig und kann mit dem iPhone gekoppelt werden. Im Bad findet sich die fast schon obligatorische Regenwasserdusche. Von der Größe entsprechen die Car-Lofts in etwa Junior-Suiten, so die Verkaufsdirektorin weiter. Die Übernachtungspreise sind konkurrenzfähig. Eine Nacht im Einzelzimmer (16 Quadratmeter) kostet ab 100 Euro, das Doppelzimmer 120, in die Car-Lofts können Gäste für 160 oder 170 Euro in den oberen Etagen einchecken. Die Preise richten sich nach der Nachfrage. Das Gros des Angebots sind die Single-Rooms, 160 davon gibt es, dazu 40 Doppelzimmer und 40 Car-Lofts. Das 241. Zimmer, die 85 Quadratmeter große Sky-Lounge im dreizehnten Stock, wird im September eröffnet. Wer sein Auto doch in der Tiefgarage parken will oder muss, bezahlt für einen Platz 25 Euro. So gesehen, beträgt die Differenz von Doppelzimmer zu Car-Loft 15 oder 25 Euro. Und wer komplett inkognito reisen möchte, hat mit dem Car-Loft die beste Gelegenheit dazu. Selbstverständlich kann ein Elektroauto auf dem Balkon intelligent geladen werden, das geht dann extra. An der Wand gegenüber dem Aufzug hängt in jedem Car-Loft eine 22-kW-Wallbox. In der Tiefgarage finden sich zwölf weitere 22-kW-Ladepunkte.

Die beiden Aufzüge können Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu vier Tonnen verkraften, die maximale Breite beträgt 2,50 Meter. Höher als 2,20 Meter darf das Auto nicht sein und länger als 5,57 Meter auch nicht. Noch ist es kein Problem, sollten aber alle 40 Lofts belegt sein und morgens plötzlich alle gleichzeitig loswollen, könnte das zu Staus führen. Dass sich die Abfahrtszeit in der App planen lässt, soll dem zuvorkommen.

Die Fahrt in den zehnten Stock dauert eine halbe Minute. Es ist ungewohnt, zumal man an der Seite aus einem kleinen Fenster schauen kann. Der Autolift fährt übrigens auch in den elften Stock. Dort ist die 650 Quadratmeter große Veranstaltungsfläche des Hotels, unterteilt in sieben Räume, die zum Teil miteinander kombiniert werden können. Hier lassen sich Autos statisch präsentieren, wobei sie dafür aber mit absolut leeren Tanks aus dem Aufzug herausgeschoben werden müssen. Das hat feuerpolizeiliche Gründe. Es ist kein Wunder, dass vor allem die Automobilbranche gut auf dieses Hotelkonzept reagiert. Eine der ersten einschlägigen Veranstaltungen war die Fahrzeugpräsentation des neuen Genesis GV 60.

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Große Hoffnungen setzt Verkaufsdirektorin Stein-Städter auch auf das Restaurant in der zwölften Etage. Es biete einzigartige Ausblicke: auf der einen Seite auf die Frankfurter Skyline, den Stadtwald, das Stadion und den Taunus, auf der anderen auf den Flughafen und im Hintergrund den Odenwald. Zur Flughafenseite hin findet sich eine Terrasse über fast die gesamte Länge des Restaurants. Mit der offenen Küche soll es eine Attraktion nicht nur für Hotelgäste werden, die hier oben auch frühstücken.

Die Idee für die Car-Lofts kommt aus Berlin. Dort wurden hochwertige Eigentumswohnungen in ähnlicher Weise konzipiert, zunächst aus dem einfachen Grund, weil die vorgeschriebenen Parkflächen nicht da waren. Die b’mine-Gruppe hat das Konzept für Hotels patentiert. Das Frankfurter b’mine ist das erste dieser Art. In Düsseldorf folgt Ende des Jahres ein zweites, allerdings ist das nur sechs Stockwerke hoch. Hier gehören die Autobalkone noch viel mehr zum architektonischen Konzept. Am Flughafen sieht man die „Auto-Seite“ kaum. Die Autobahn A 3 grenzt einfach zu dicht an.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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