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Motorradmesse Eicma

Mailand macht mobil

Von Ulf Böhringer
 - 18:53

Während auf der Kölner Intermot vor gut vier Wochen noch magere Kost geboten worden war, steht auf dem Mailänder Salon das große Schlemmen an. Insbesondere BMW, Ducati, Honda, KTM und Triumph tischen auf. Ein Highlight steuert Harley-Davidson mit der Europa-Premiere der elektrischen Livewire bei.

Bereits die Katze aus dem Sack gelassen haben Ducati und Yamaha. Beide hielten ihre Präsentationsshows unmittelbar vor Messebeginn ab. Ein mächtiger Hingucker am Ducati-Stand ist die Panigale V4 R, Homologationsmodell mit 998 Kubikzentimeter Hubraum für den werksseitigen Renneinsatz. Natürlich werden auch Kundenteams und Privatleute von dieser 221 PS leistenden, mit Karbon gespickten Rennmaschine mit Straßenzulassung profitieren.

Kaum weniger auffällig ist die zweite Generation der Ducati Diavel. Die Total-Technisierung hält auch in diesem Power-Cruiser Einzug, als Antrieb dient nunmehr der aus der Multistrada bereits bekannte 1260-Kubik-V2-Motor mit variabler Ventilsteuerung und 159 PS Leistung. Rundum geschärft präsentiert Ducati die neue Hypermotorrad nun als 950er; der V2 leistet etwas mehr als im bisherigen 939-Modell, die technische Ausstattung ist – insbesondere in der SP-Variante – auf höchstem Niveau angelangt. Auch die Multistrada 950 wurde gründlich renoviert.

Yamaha stellt seinem aufsehenerregenden Dreirad-Motorrad Niken eine für längere Reisen optimierte GT-Version mit hohem Windschild, Seitenkoffern, Griffheizung sowie bequemerem Sitz zur Seite. Außerdem wird die Roller-Baureihe X-MAX mit Versionen von 125, 300 und 400 Kubik erneuert. Hauptattraktion am Yamaha-Stand ist aber die lange erwartete Ténéré 700. Das 73-PS-Zweizylinder-Triebwerk der drahtig-leichten Enduro ist aus der erfolgreichen MT-07 seit Jahren bekannt. Dank hoher Geländetauglichkeit, sparsamem Verbrauch und großer Reichweite soll sie sich auch für ausgedehnte Touren in extremere Gegenden der Erde eignen.

Klassisch gezeichnetes, sehr schmuck aussehendes Kraftrad

Etwas Ähnliches präsentiert KTM heute mit der Mittelklasse-Reiseenduro 790 Adventure. Die weist ebenfalls eine schlanke Gestalt sowie ein 21 Zoll großes Vorderrad auf, Kennzeichen von auch für härteres Gelände geeigneten Motorrädern. Mit ihrem stärkeren Motor – er dürfte um die 100 PS leisten – tritt die Österreicherin aber weniger gegen die wohl auch deutlich günstigere Ténéré an, sondern gegen die Honda Africa Twin und die BMW F 850 GS. Dem Bayern-Bike, immerhin mindestens 229 Kilogramm schwer, wird heute eine wuchtige Adventure-Version mit deutlich längeren Federwegen zur Seite gestellt; auch sie hat ein 21-Zoll-Vorderrad, ist mit wohl an die 245 Kilogramm aber eher ein Offroadkreuzer als ein Wüstenflitzer wie die KTM und die Yamaha.

Grobstollige Reifen sind 2019 auf weiteren neuen Modellen entweder serienmäßig aufgezogen oder zumindest montierbar. Triumph präsentiert mit der Scrambler 1200 ein klassisch gezeichnetes, sehr schmuck aussehendes Kraftrad für „eine perfekte Verbindung der Elemente Straße und Gelände“. Ausgerüstet mit einer leistungsgesteigerten Version des 1200er-Zweizylinders der Bonneville T 120, kommt die Scrambler 1200 (90 PS) gleich in zwei Varianten. Die XC-Basisversion für voraussichtlich deutlich unter 15 000 Euro wird von der fürs Gelände optimierten XE-Version mit noch höherwertiger Technik-Ausstattung begleitet. Mit Speichenrädern, mindestens 200 Millimeter Federweg und 21-Zoll-Vorderrad sowie zahlreichen Elektronik-Bausteinen bis hin zur integrierten Gopro-Kamerasteuerung weisen die Briten-Scrambler alle Voraussetzungen auf, um auch jenseits des Asphalts eine gute Figur machen zu können.

Noch schärfere Klinge der Bayern

Dem Gelände mehr oder weniger zugetan sind zudem zwei weitere Enduro-Modelle aus Österreich: Die ganz in Schwarz gehaltene Husqvarna 701 Svartpilen ist ein Schwestermodell der wegen ihres ungewöhnlichen Designs stark beachteten 701 Vitpilen. Sie weist ebenfalls die letzte Ausbaustufe des von der Konzernmutter KTM gestifteten Einzylindermotors mit 690 Kubikzentimeter Hubraum und 75 PS auf. Dasselbe Triebwerk und die Aufrüstung durch Kurven-ABS, Fahrmodi und Traktionskontrolle ist auch für die KTM 690 Enduro R zu erwarten. Auf möglichst feinen Asphalt abgestimmt ist dagegen die KTM 690 SMC-R im Supermoto-Stil.

Am opulenten BMW-Stand räkelt sich im Scheinwerferlicht die mit dem neuen Boxermotor ausgerüstete R 1250 GS Adventure. Den gleichen Motor mit variabler Steuerung der Einlassventile weisen auch das Naked Bike R 1250 R sowie das mit Verkleidung ausgestattete Schwestermodell R 1250 RS auf. Für 2019 werden also sämtliche Modelle der wassergekühlten Boxer-Baureihe auf den 136 PS und 143 Newtonmeter bietenden neuen Flattwin umgestellt. Auf breiter Modellfront hält bei BMW zudem das Connectivity-taugliche TFT-Display Einzug.

Star des weiß-blauen Ausstellungsstands ist jedoch die rundum neue BMW S 1000 RR, die noch schärfere Klinge der Bayern im Kampf um die Supersport-Kundschaft. Experten tippen für den von Grund auf neu konstruierten Vierzylinder-Reihenmotor mit wiederum 999 Kubikzentimeter Hubraum auf das Vorhandensein einer variablen Ventilsteuerung, analog zum Boxer. Mehr Leistung in allen Drehzahlbereichen, maximal ganz sicher über 205 PS, sowie ein Gewicht von klar unter 200 Kilogramm sollen im Lastenheft gestanden haben.

Neue oder überarbeitete Supersport-Bikes kommen auch von Yamaha und Kawasaki. Der kleine Yamaha-Supersportler YZF-R3 mit seinem 321 Kubikzentimeter messenden Zweizylindermotor (42 PS) erhält eine neue Telegabel und eine neue Verkleidung. Kawasaki stellt den Mittelklasse-Supersportler ZX-6R wieder in Dienst, der Ende 2016 aus dem Programm genommen worden war. Jetzt ist die Euro-4-Homologation geschafft, die Midsize-Rakete mit 130 PS optisch und technisch fit gemacht worden, um neue Begehrlichkeiten zu wecken. Und sie wird mit einem deutlich niedrigeren Preis als das Vormodell antreten. Ein Hubraumplus von 80 Kubik spendiert Aprilia seinem Superbike RSV4 1000: Die RF-Version des Italo-Tieffliegers (201 PS, 204 Kilogramm) erhält eine kräftige Leistungs-, Ausstattungs- und Komfort-Spritze für Einsätze jenseits der Rundstrecke und heißt in dieser Version dann RSV4 RF 1100. Der Piaggio-Konzern, zu dem Aprilia gehört, wird vermutlich die seit Jahren erwartete neue Vespa 300 enthüllen, in Mitteleuropa wichtigstes Modell der Marke. MV Agusta kündigt eine neue Brutale an, deren Vierzylinder 212 PS leisten und für eine Höchstgeschwindigkeit von 312 km/h gut sein soll – für ein Naked Bike ungeheure Werte.

Kawasaki, derzeit erfolgreichste japanische Marke auf dem deutschen Markt, wird in Mailand das Geheimnis um die neue Versys 1000 lüften, zudem könnte die unverkleidete Z-Baureihe durch eine 400er vervollständigt werden. Ähnliches ist von Honda zu erwarten: Dort fehlt für die junge Neo-Sports-Café-Baureihe noch eine 650er; ein passender Prototyp war vor vier Wochen in Paris zu sehen.

Einen weiteren Vorstoß in Richtung Elektromobilität hat die deutsche Scooter-Entwicklungsschmiede Kumpan angekündigt. Sie will in Mailand einen bis zu 100 km/h schnellen Elektroroller präsentieren. Erhöhte Betriebsamkeit herrscht zurzeit bei Peugeot. Dabei geht es nicht nur um konventionelle Roller und solche mit drei Rädern, sondern auch um elektrische Vehikel. Sogar Motorräder wollen die Franzosen wieder bauen.

Quelle: F.A.Z.
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