Neue BMW-Modelle M3 und M4

Aus Freude am Widerstand

Von Martina Göres
05.04.2021
, 16:16
Der BMW M3 ist ein Bollwerk gegen die aussterbenden Sechszylinder. Und der offene Vierer verteidigt unverdrossen die Lust am Cabriolet.

Mit den soeben präsentierten Modellen M3 und M4 sowie dem Vierer-Cabrio hat BMW nicht nur drei ziemlich faszinierende Autos vorgestellt, sondern auch nahezu vom Aussterben bedrohten Gattungen noch einmal Leben eingehaucht. Denn der Sechszylinder, wie ihn BMW im Dreier und auch im neuen M3 anbietet, verschwindet nach und nach aus der automobilen Mittelklasse. Und auch für Freunde des Offenfahrens sind schlechte Zeiten angebrochen, denn viele Hersteller haben ihr Angebot an Cabrios und Roadstern rigoros zusammengestrichen oder führen gleich gar kein Frischluft-Mobil mehr im Programm.

Den Reihensechszylinder, eine Domäne des Hauses BMW, halten nicht wenige Motorenfans für die optimale Kraftquelle unter den Verbrennungsmotoren, und die Physik gibt ihnen recht. Weil die sechs Zylinder hintereinander angeordnet werden, sind die Massenkräfte und -momente erster und zweiter Ordnung in ihnen ausgeglichen. Dadurch laufen die Aggregate besonders ruhig. Liebhaber von Motoren dieser Bauart schwärmen vom seidenweichen Lauf, von der Souveränität und der dynamischen Leistungsentfaltung eines Reihensechszylinders, der vielen von ihnen weit begehrlicher erscheint als jeder aufgeladene Vierzylinder.

Aber die Zeiten stehen schlecht für den Sechszylinder. Zumindest aus der Mittelklasse wird er sich langsam verabschieden. Denn die Anforderungen zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs wachsen stetig, gleichzeitig werden die Fahrzeuge größer und schwerer. Um die Abgasvorschriften mit immer schärferen CO2-Grenzwerten einhalten zu können, kommen die Hersteller am sogenannten Downsizing, also dem Reduzieren der Zylinderzahl und des Hubraums, oft nicht vorbei. Volvo bietet seit geraumer Zeit in seiner gesamten Modellpalette nur noch aufgeladene Aggregate mit drei oder vier Töpfen, zumeist mit Mildhy­brid-Technik oder als teilzeitstromernde Plug-in-Hybride, an. Und Mercedes-Benz wird in der neuen C-Klasse keinen einzigen Sechszylinder mehr offerieren. Wer hier auf die schnelle AMG-Tochter hofft, könnte ebenfalls enttäuscht werden. Dem Vernehmen nach kommt sogar der nächste AMG C63 als aufgeladener Vierzylinder-Hybrid. An überbordender Leistung wird es ihm sicherlich nicht mangeln, wohl aber an Status.

BMW stemmt sich noch erfolgreich gegen diese Entwicklung. Schließlich ist kaum jemand so bekannt für seine Sechszylinder wie die Marke mit dem weiß-blauen Logo. Die Bayern haben dieses Motorenkonzept über Jahrzehnte kultiviert und dabei immenses Fachwissen erworben. Das dynamische Image des Autobauers wurde maßgeblich durch den sportlichen Charakter seiner Reihensechszylinder geprägt. Dass der legendäre Werbeslogan „Freude am Fahren“ hier ebenfalls seinen Widerhall findet, wird kaum jemand ernsthaft bestreiten. Der sportive Dreier ist auch in der siebten Generation wieder mit sechs Töpfen in Reihe zu haben. Die Spitzenmodelle der Baureihe kommen im März als M3 und M4 auf den Markt, mit 480 PS starkem, doppelt aufgeladenem Drei-Liter-Reihensechszylinder, Hinterradantrieb und Sechsgang-Handschaltung.

Die Preise für die 4,79 Meter lange Hochleistungslimousine und das gleich lange, zweitürige Coupé mit riesiger, aufrecht stehender Niere beginnen bei 82.500 und 84.000 Euro. In der Competition-Version werden für jeweils 7000 Euro Aufpreis 510 PS und eine Achtstufen-Steptronic geboten. Im Sommer gibt es den M4 Competition erstmals auf Wunsch auch mit Allradantrieb. Entgegen der technischen Mode sind M3 und M4 nicht elektrifiziert, auch das Mildhybrid-System, über das die Sechszylinder-Benziner und -Diesel in den zivilen Dreier-Brüdern verfügen, ist nicht im Einsatz. Die beiden Straßensportler zählen somit vermutlich zu den Letzten ihrer Art. Das heißt für Autofans: ausnutzen und genießen, solange es noch geht.

Auch die Gattung der Freiluftflitzer ist stark vom Aussterben bedroht. Die Cabrio-Zulassungen in Deutschland haben sich innerhalb von zwölf Jahren nahezu halbiert. Sie sanken von 138.071 im Jahr 2007 auf 70.698 Einheiten in 2019, von rund 60 offenen Modellen blieben lediglich 36 übrig. Inzwischen hat Volkswagen die Open-Air-Versionen von Beetle und Golf aus dem Programm geworfen, den Opel Cascada gibt es nicht mehr, und auch bei Ford oder Nissan werden Sonnenanbeter nicht mehr fündig. Selbst Peugeot, lange im Cabrio-Markt aktiv, plant für die einstigen offenen Erfolgsmodelle keine Nachfolger mehr. Nur das Mini-Cabrio und der Mazda MX-5 verteidigen vehement ihre Plätze. Und Mercedes-Benz mischt noch mit. Mit Blick auf die CO2-Flottenbilanz verzichten viele Hersteller angesichts Mehrgewichts, höheren Luftwiderstands und oftmals höherer Verbräuche auf ihre Frischluft-Modelle. Zudem lohnt sich deren Entwicklungsaufwand nur bei entsprechend hohen Stückzahlen. Zwar lassen sich in Europa Kunden in Deutschland und Großbritannien gern die Luft um die Ohren blasen. In vielen anderen Märkten verkaufen sich die über dem Scheitel offenen Fahrzeuge aber nur schlecht. Smog oder Gluthitze in Innenstädten verderben den Spaß am intensiven Kontakt zu Sonne und Fahrtwind.

Lediglich bei den Premiumherstellern sieht es noch etwas besser aus. Aber selbst hier wurde das Angebot an offenen Spaßmobilen kräftig ausgedünnt: Das Audi A3 Cabrio wurde eingestellt, Mercedes SLK/SLC sind verschwunden, ebenso der SL, der jedoch bald wieder aufgelegt wird. Ob es von der neuen C-Klasse noch ein Cabrio geben wird, steht in den Sternen. Cabrios und Roadster sind Nischenprodukte, vor allem Gutbetuchte geben Geld für das Frischluftvergnügen aus. Daher wird es wohl im Luxussegment und bei Sportwagen weiterhin offene Konzepte geben.

Endlich wieder eine maßgeschneiderte Stoffmütze

Auch BMW zielt mit der zweiten Generation des Vierer-Cabrios, das dieser Tage in die Schauräume der Händler fährt, auf Kunden mit gutgefülltem Bankkonto. Der Viersitzer ist mit einem Basispreis von 54 800 Euro das exklusivste Angebot der Vierer-Baureihe, von der BMW seit der Einführung der ersten Generation 2013 mehr als 800 000 Fahrzeuge absetzte. Jeder vierte verkaufte Vierer werde ein Cabrio sein, schätzen die Strategen. Mit 30 Prozent Anteil sind die Vereinigten Staaten der größte Markt für den offenen Zweitürer, Deutschland folgt mit 18 Prozent auf Platz 2. Nach zwei Generationen mit Metall-Klappdach bekommt das 4,77 Meter lange Vierer-Cabrio endlich wieder eine maßgeschneiderte Stoffmütze, die sich wie angegossen über die Fahrgastzelle strafft. Das neue Verdeck besteht aus großen Flächenspriegel-Elementen mit einer bündig eingefassten Heckscheibe aus Glas und mehrlagiger Dämmung. Das Dach ist nicht nur um 40 Kilogramm leichter geworden, es benötigt auch weniger Platz. War der Gepäckraum bislang im geöffneten Zustand mit 220 Litern knapp bemessen, fasst er jetzt 300 Liter, 385 Liter sind es mit geschlossenem Dach.

Zum Marktstart gibt es den offenen Vierer auch wieder als Diesel, also als 420d, zudem als 420i, 430i und in der vorläufigen Topmotorisierung mit 374 PS als M440i. Im Sommer setzt sich das M4 Cabrio mit 510 PS an die Spitze.

Quelle: F.A.S.
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