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Porsche gegen Tesla

Musk’lspiele in der grünen Hölle

Von Thomas Geiger
Aktualisiert am 11.12.2019
 - 16:06
Porsche Panamera mit spezieller Abstimmung zur Entlarvung amerikanischer Konkurrenz.
Offiziell interessiert sich der eine für den anderen nicht im Geringsten. Inoffiziell schwelt zwischen Porsche und Tesla ein bizarrer Streit.

Von der alten Autowelt will Elon Musk für gewöhnlich nichts wissen. Jaguar I-Pace, Mercedes EQC oder Audi E-Tron haben dem Tesla-Chef öffentlich nicht einmal ein müdes Lachen abgerungen. Doch als Porsche mit dem Taycan seinen ersten elektrischen Sportwagen enthüllt hatte, meldete sich der Schrittmacher aus Kalifornien zu Wort. Natürlich gab es Spott über die unsinnigen Modellbezeichnungen Turbo und Turbo S, und aus dem Namen machte er ein „Taycan’t“. Doch unter den Hohn mischte sich Anerkennung. Nicht nur in Worten, mehr noch in Taten. Kaum hatte Porsche kurz vor der offiziellen Enthüllung des Taycans eine Rekordrunde auf der Nordschleife vermeldet und mit 7:42 Minuten den Wert als schnellste Elektrolimousine auf dem Ring proklamiert, schickte Musk zwei stark modifizierte Model S in die Eifel. Selbst wenn dieser Wert in der Welt der Elektroautos nur wenig Aussagekraft hat und allenfalls für eine rapide schwindende Reichweite steht, wollte er beweisen, dass seine Autos schneller sind.

Wochenlang drehten Prototypen aus Kalifornien ihre Runden, die Carspotter an den Auslaufzonen überboten sich mit Gerüchten zum mehr als 800 PS starken Plaid-Antrieb, der Mitte nächsten Jahres in Serie gehen soll, zu den eigens für die Tesla geschnitzten Rennreifen oder zu den aerodynamischen Modifikationen. Und immer wieder kursierten fabelhafte Rundenzeiten, von denen handgestoppte 7:19 Minuten die beste war. Zwar war danach immer wieder auch von einem offiziellen Rekordversuch die Rede, doch ist es dazu bislang nicht gekommen. Offen bleibt, ob es am Wetter lag oder am Auto oder an einer Kombination von beidem. Jedenfalls hält Porsche bislang offiziell den Rundenrekord für viertürige Elektroautos. Fakt ist aber offenbar auch, dass der Tesla zumindest handgestoppt schneller war und der Fehdehandschuh damit weiterhin geworfen bleibt.

Die Schwaben denken allerdings nicht daran, ihn aufzunehmen. Offiziell zumindest. Schließlich lässt Projektleiter Stefan Weckbach keine Gelegenheit ungenutzt, um Tesla zu ignorieren. „Wir haben den Taycan nicht auf einen Konkurrenten zugeschnitten und wollten keinen Tesla-Fighter bauen. Der Taycan ist zuallererst ein typischer Porsche“, wiederholt er immer wieder und lässt die Rekordversuche am Ring standhaft unkommentiert.

Irgendwie, irgendwo, irgendwann

Zu einem offiziellen und vor allem öffentlichen Kräftemessen wird es deshalb nicht kommen. Porsche will den Taycan so schnell nicht noch einmal in die Eifel schicken. Irgendwie, irgendwo, irgendwann lautet die halboffizielle Sprachregelung, wenn sie in Zuffenhausen überhaupt mal etwas dazu sagen. Die Politik der Nadelstiche funktioniert natürlich trotzdem. Wie zufällig kursieren in einschlägigen Kreisen Fotos von einem Porsche Panamera im Rennornat, der den Ring auf Rekordkurs umrundet hat.

Wer bei Porsche nachbohrt, erfährt, dass das eine mit dem anderen natürlich nichts zu tun hat. Der Panamera, mit seinem V8-Verbrennungsmotor fest in der alten Welt verwurzelt, sei ein Projekt zum runden Geburtstag der Sportlimousine, heißt es. Normalerweise fein balancierend zwischen Performance und Luxus, haben die Schwaben zur Feier des Zehnjährigen allen Luxus weggelassen, die Rückbank ausgebaut, Rennreifen aufgezogen und zugleich den Motor getunt. Schließlich kann es nicht sein, dass der von Porsche entwickelte Achtzylinder im Panamera nur auf 550, bei der Schwestermarke Lamborghini im Urus aber auf 651 PS kommt.

Deshalb hat die Mannschaft für das Projekt Lion dem Hörensagen nach mehr als 750 PS aus dem 4,0-Liter gekitzelt, 250 Kilogramm eingespart und sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Wer das Kennzeichen richtig entschlüsselt, liest aus dem Leonberger Leo den Lion, aus GD das interne Kürzel der Baureihe und aus der 710 die Wunschzeit der Entwickler. Das wären satte 28 Sekunden weniger als mit einem Panamera Turbo, wie er vom Band läuft. Ganz haben sie dieses Ziel offenbar noch nicht erreicht, doch kundige Beobachter mit Stoppuhren berichten von einer Runde mit 7:11, die noch immer hochrespektabel wäre.

Was das mit Tesla zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Der Panamera ist ein Benziner, das Model S ein Elektroauto. Und weder der eine noch der andere akzeptiert offiziell den Vergleich. Doch unterschwellig hat auch dieser Test eine Botschaft: Wie viele Sekunden man noch herausholen kann, wenn man das Auto kräftig tunt. Und wie wenig aussagekräftig deshalb der Vergleich zwischen einem aufwendig umgebauten Prototypen des Tesla Model S mit einem Porsche Taycan von der Stange ist.

Wer gewinnt nun das Schattenboxen in der Eifel? Beide. Jeder hat ein blaues Auge, zugleich aber maximale Aufmerksamkeit. Und damit etwas erreicht, was sie wahrscheinlich am wenigsten wollten: einander einen großen Gefallen getan.

Quelle: F.A.Z.
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