Probefahrt Mercedes-Benz EQA

Sternchen unter Spannung

Von Thomas Geiger
20.01.2021
, 11:30
Mit dem EQA hofft Daimler trotz des hohen Preises auf Breitenwirkung an der Ladesäule. Es ist der erste kompakte Mercedes-Benz für die Akku-Ära.

Den Schalter haben sie, begleitet von reichlich PR-Getöse, zwar schon vor fünf Jahren auf dem Pariser Salon umgelegt. Nur sind die Elektroautos von Mercedes-Benz seitdem eher stockend in Fahrt gekommen, und mehr als den EQC, den Minivan EQV und natürlich den kleinen Smart kann Daimler bis dato nicht bieten. Doch im Jahr 2021 geht es Schlag auf Schlag. Während Daimler das automobile Oberhaus mit EQS und Konsorten elektrifizieren will, wurde an diesem Mittwoch das Tuch vom EQA gezogen, der als erster kompakter Mercedes-Benz für die Akku-Ära endlich die nötige Breitenwirkung an der Ladesäule erzielen soll. Wobei das bei Preisen deutlich jenseits von 40.000 Euro so eine Sache ist. Denn obwohl er innen spürbar kleiner ist als der tatsächlich kürzere, aber auf einer reinen Elektro-Plattform basierende VW ID 3, kostet der EQA viel mehr.

So wie der EQC nicht auf der C-Klasse basiert, ist der EQA anders als die Studie aus dem Jahr 2017 auch keine elektrifizierte A-Klasse. Als Basis dient der GLA, weil SUV nicht nur höher im Kurs stehen, sondern auch höher bauen und so mehr Platz für die Batterie unter dem Boden bieten. Entsprechend wenig Überraschung gibt es im Vergleich zu den getarnten Prototypen, die bislang schon zu erspähen waren. Viel mehr als den dunklen Kunststoffgrill mit der durchgehenden LED-Leiste, aerodynamisch optimierte Felgen und ein paar Retuschen am Heck gibt es außen nicht.

Und sieht man einmal von den neuen Grafiken im Infotainment und der Option auf das bei den EQ-Modellen offenbar unverzichtbare Lametta in Roségold ab, ist die hinterleuchtete Konsole über dem Handschuhfach das Einzige, was innen einen Unterschied zum GLA macht.

Das gilt nicht nur fürs Ambiente, sondern dankenswerterweise auch für die Abmessungen: Sitzposition und Platzverhältnisse ändern sich genauso wenig wie das Kofferraumvolumen von 425 Liter. Dafür bleibt unter dem Blech nichts mehr beim Alten. Wo früher ein Verbrennungsmotor knurrte, surrt über der Vorderachse jetzt eine Elektromaschine, die im EQA 250 auf 190 PS kommt. Später soll es auch eine Power-Version mit einem zweiten Motor im Heck und zusammen mehr als 270 PS geben sowie ein Sparmodell mit mehr als 500 Kilometern Reichweite. Die Batterie im Wagenboden hat gute 60 kWh und soll im WLTP-Zyklus für mehr als 420 Kilometer Strecke reichen, versprechen die Entwickler. Damit die Pausen auf Fernstrecken nicht zu lang werden, lädt der EQA an der Gleichstrom-Säule mit bis zu 100 kW.

Der Antritt ist wie in allen Elektroautos flott und das Tempo ist wie so oft limitiert. Hier auf 160 km/h. Zwar fährt der EQA nicht besser oder schlechter als ein VW ID 3, selbst wenn in dem kleinen Kerl eine fast schon gespenstische Ruhe herrscht und er so souverän um Stuttgart kurvt wie ein größeres SUV. Doch haben die Schwaben die schlauere Betriebsstrategie. Ihre fünf Rekuperationsstufen liegen so weit auseinander, dass der EQA im schwächsten Modus kilometerweit segelt und im stärksten so heftig verzögert, dass einem schon mal das Kinn auf die Brust fällt und man das Bremspedal geflissentlich vergessen kann. Und ihre Navigation sucht nicht nur die effizienteste Route und schaut dabei sogar nach Topographie und Wetter, sondern kalkuliert gleich auch noch Ladestopps und Ladezeiten mit ein.

Zwar setzt Mercedes-Benz große Hoffnungen in sein kleines Elektroauto, will es aber nicht bei einem Modell belassen, sondern noch in diesem Jahr auch das zweite SUV in der Kompaktklasse elektrifizieren. Wer A sagt, muss schließlich auch B anschließen.

Quelle: F.A.Z.
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