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Rennserie Rallycross

Sand und Saures

Von Holger Appel
 - 10:17
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Heil durchkommen muss jetzt nicht unbedingt sein, Erster in der Kurve ist wichtiger. Selbst mit zerfledderter Karosse stürmt der Bolide weiter, solange nur der stabile Rahmen darunter und der 600-PS-Vierzylinder nichts Gravierendes abbekommen. Feindberührungen gehören zum Programm, auf der Stecke wird gedrängelt und geschubst. Wo ein Formel-1-Star wimmernd zum Kommissar rennt, haut der Rallycross-Pilot einfach den nächsten Drift rein.

Das als FIA-Weltmeisterschaft geadelte Spektakel dreht sich im Kreis, mal auf Asphalt, mal auf Schotter, was die Kontaktfähigkeit der Reifen mit dem Untergrund und das Können der Dirigenten am Steuer auf wechselnde Proben stellt. Wer mehr Fliegen auf der Seiten- als auf der Frontscheibe hat, wird als König der Quertreiber gefeiert, obgleich das nicht die schnellste Linie sein muss. Und nie war es so wertvoll wie hier, vom Start weg Erster zu sein, die hinterherhechelnde Meute wird sandgestrahlt. Nach den vier bis sechs Runden je Lauf sehen die Autos aus wie Wanderdünen auf Rädern.

Von 0 auf 100 km/h katapultieren sich die 1300 Kilogramm schweren Rennwagen in 1,9 Sekunden, da wird jede Rakete blass, 200 km/h auf der kurzen Geraden müssen genügen. Zur Steigerung der Spannung muss jeder Fahrer je Lauf einmal den Joker ziehen, was im Gegensatz zum allgemeinen Verständnis ein Nachteil ist, denn die Jokerrunde ist ein Umweg von mindestens zwei Sekunden. Sie bringt tatsächlich Wirbel ins Feld; die übrigen Regeln zu erklären, sprengte den Rahmen, sie könnten wohl einfacher sein.

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Auf 100 km/h in 1,9 Sekunden
Drängeln und schubsen erlaubt

Der Vorteil für die Zuschauer gegenüber der richtigen Rallye in Wäldern und Weinbergen ist offensichtlich, die Autos sind ständig zu sehen und – für Freunde von Fehlzündungen ein Genuss – zu hören. Dafür ist der Geschwindigkeitsrausch kleiner, Lagerfeuerromantik entfällt. Rallycross ist ein Familienfest, die Karten kosten vielleicht 25 Euro. Es werden große Namen wie Sébastien Loeb, Mattias Ekström oder Petter Solberg aufgeboten. Die Dominanz in Person heißt Johan Kristoffersson, der Schwede hat auf seinem aus der aufgegebenen Rallye-WM geerbten VW Polo in dieser Saison elf von zwölf Rennen gewonnen, auch das nun letzte in Kapstadt.

Das Letzte könnte freilich im Wortsinne stimmen. Eine gute Show ist noch kein nachhaltiges Erfolgsrezept. Mal sind nur 10.000 Zuschauer da, in der Bretagne kommen beachtliche 60.000, doch vor allem passen Einsatz und Medienresonanz nicht recht zusammen. Audi und Peugeot sind auf dem Absprung, und hinter den Kulissen wird gerungen, ob die Serie von 2021 an mit Elektroautos fortgesetzt werden sollte. Kollaps oder Kontinuität? Im Januar ist Einschreibefrist. Wer, so es weitergeht, den staubigen Crashkurs in Deutschland erleben möchte: Eines der zwölf Rennen findet in Buxtehude statt.

Quelle: F.A.S.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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