Probefahrt Škoda Enyaq

Blitz und Donner

Von Holger Appel
15.04.2021
, 15:13
Auch Škoda steigt in den Markt für Elektroautos ein und setzt dort sogleich ein Ausrufezeichen. Der Enyaq ist technisch viel VW, von seiner Umsetzung aber nah am Übermut.

Ist es Freud oder Leid, Verantwortung für Škoda zu tragen? Wir wissen das nicht, stellen uns aber gewisse Debatten im Hause VW vor. Hierarchisch gebühren der Muttergesellschaft die besten Autos, doch die strebsamen Tschechen setzen beharrlich Ausrufezeichen. Jetzt wieder. Elektromobilität schreibt Konzernchef Diess bekanntlich groß. Gesagt, getan. Auftritt Enyaq. Und den Rest der Truppe trifft der Blitzschlag.

Stilistisch allein am Heck profaner als erwartet, blickt der 4,65 Meter lange Elektriker mit in manchen Versionen beleuchtetem Las-Vegas-Grill fast schon übermütig voraus. Freilich, er fährt auch gut. Seine Beschleunigung entschlossen, ohne aggressiv zu sein, die Rekuperation bremsend, ohne zu drücken, das Fahrwerk kommod, ohne die Linie zu verlieren, die Lenkung präzise – das ist gelungene Abstimmungsarbeit. Auf dass sanft fließende Luft die Reichweite erhöhe, wird vieles der Aerodynamik untergeordnet.

Leider auch die Übersicht, ohne Piepser und Kamera ist Parken ein Vabanquespiel. Kräftige Spoiler helfen, die Zierkappen an den großen Felgen heißen Aero Caps. Reifen mit spezieller Mischung fördern den Abrollkomfort.

Auch innen ist die Welt in Ordnung, bis auf die depperte Touch-Leiste lässt sich das meiste ohne Rätsel bedienen. Fensterheber und Tasten sind aus bekannten Modellen übernommen, was von Kosten getrieben sein dürfte und im Alltag kein Nachteil ist. Die Sitzposition ist wegen der im Boden liegenden Akkus hoch, sie erfordert Eingewöhnung. Ansonsten liegt alles gut zur Hand, diverse Ablagen schlucken Kleinkram, das Raumgefühl ist luftig, und in den Kofferraum passen 585 bis 1710 Liter. Sogar eine Anhängerkupplung ist im Angebot.

Ein oder zwei Elektromotoren machen sich mit Hinterrad- oder Allradantrieb von 148 bis 300 PS stark. Die Akkus gibt es mit 82, 62 oder 55 kWh, die meisten Bestellungen entfallen auf die größte Batterie. Mit ihr sind nach Norm 520 Kilometer Reichweite drin, je nach Wetter und Ausnutzung der Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h halten wir nach ersten Probefahrten 280 bis 350 Kilometer für realistisch. Zwischen 34.000 und 48.000 Euro beginnt die Reise, so man einen Enyaq überhaupt kriegt. Die Lieferzeiten treiben Interessenten Tränen in die Augen. Setzt es nun etwa ein Donnerwetter?

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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