Toyota Corolla im Fahrbericht

Elegantes Ende der Langeweile

Von Wolfgang Peters
Aktualisiert am 25.11.2020
 - 17:14
Rückbesinnung: Toyota nutzt wieder den bewährten Namen Corolla.zur Bildergalerie
Geringer Verbrauch und ein gutes Raumangebot – Toyota hat mit dem Corolla Touring Sports 2.0 einiges richtig gemacht. Die neu entwickelte und steifere Karosseriestruktur macht es möglich.

Offenbar genügt es bei Toyota, mit einer beiläufigen Bemerkung entscheidenden Einfluss auf die Produkte zu nehmen. „Keine langweiligen Autos mehr“, grantelte vor geraumer Zeit ein Toyota-Oberer während der Premiere eines neuen Modells. Die Folgen sind jetzt zum Fahren und zum Wundern da: Toyota GR Supra, der Toyota C-HR sowie der neue Yaris sind erste Belege für das angekündigte Ende der Langeweile: Toyota kann auch Leidenschaft.

Denn mit der Rückkehr des bisher unverwüstlich-drögen Corolla-Modells in gleich drei Karosserieformen (Viertürer mit schrägem Klappenheck, viertürige Limousine mit Stufenheck und Kombi) und unterschiedlich definierten Charakteren ist die Näherung an die Faszination des Fahrens auch in der wirklich großen Serie zu erahnen. Wobei jetzt während unserer Fahrten besonders der 2.0 Hybrid Touring Sports in der Club-Variante für 31.190 Euro überzeugen konnte.

Der elegant gezeichnete und intelligent konfigurierte Kombi konnte nicht nur wegen seiner Lade-Eigenschaften gefallen. Fahrwerk und Antrieb rückten spürbar in den Vordergrund. Dafür sorgen die neu entwickelte, steifere Karosserie- und Plattformstruktur: Bis etwa 150 km/h läuft der Kombi nahezu ohne Vibrationen, er reagiert bei meist gutem Federungs- und Abrollkomfort spontan und sehr gut auf Lenk- oder Beschleunigungswünsche des Fahrers. Für wirklich engagiertes Fahren könnte die Leistung des Hybrid-Antriebes allerdings höher sein. Und das CVT-Getriebe sollte schneller runterschalten und sensibler auf Bewegungen des Gaspedals reagieren.

Immerhin arbeiten der 2,0-Liter-Vierzylinder und der Elektromotor mit einer Systemleistung von 180 PS (132 kW) in gutem Einvernehmen zusammen. Wobei der elektrische Hilfsantrieb nicht zum stromernden Fahren gedacht ist. Nennenswerte Strecken allein mit dem E-Motor unter dem Gasfuß zu absolvieren, das ist uns nicht gelungen. Sofort meldet der Verbrennungsmotor selbst bei äußerst sensibler Tempoaufnahme seine Rechte an. Und der E-Motor speist nach vorgegebenem Muster seine Kraft dazu. So entsteht in dem Fronttriebler munteres und geschmeidiges, aber nicht temperamentvolles Fahrverhalten.

Unter voller Last knurrt der Vierzylinder sehr hörbar, und das Getriebe lässt ihn aufbrausen, etwa neun bis zehn Sekunden verstreichen zur 100-km/h-Marke, bei 180 km/h greift dann ein Tempolimit, aus Rücksicht auf den E-Motor. Dass die Zuhilfenahme des E-Motors durchaus lohnt, zeigt die Verbrauchsrechnung: Bei überwiegend ruhigem Fahren lag der Spritkonsum bei 5,7 Liter auf 100 Kilometer. Für schnelles Fahren ist mit 9,3 Liter ein Zuschlag fällig. So erscheint der Tank mit seinen 43 Liter Fassungsvermögen knapp bemessen.

Der 4,65 Meter lange Touring Sports bietet bei einem Radstand von 2,63 Meter reichlich Raum, für fünf Passagiere sowieso, hinten mangelt es ein wenig an Kopffreiheit, viel Platz gibt es aber auch für das Ladegut. Bei umgeklappten Rücksitzen entsteht eine 170 Zentimeter tiefe, und 103 Zentimeter breite Stauebene, 1370 bis 1560 Kilo bringt der 2.0 Hybrid auf die Waage, dann hat er eine ausreichende oder zu schmale Zuladung bei einem erlaubten Gesamtgewicht von 1955 Kilo.

Gutgetan hat dem Corolla Touring Sports die Vermeidung von Langeweile. Und die bewährten Tugenden hinter dem Corolla-Label scheinen nicht gelitten zu haben. Nur etwas niedriger sollte der Preis sein. Zwar ist die Ausstattung üppig bei hohem Sicherheitsniveau. Übrigens fährt die Corolla-Riege ganz ohne Diesel. Dafür haben wir nach der guten Hybrid-Erfahrung volles Verständnis.

Quelle: F.A.Z.
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