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Streetfighter V4

Ducati zieht den Joker

Von Walter Wille
 - 15:15
Spektakel in Rot: die Streetfighter V4zur Bildergalerie

Das Motorradfahren an sich ist eine gefühlsbetonte Sache. Diese Feststellung hat markenübergreifende Gültigkeit, zweifellos, doch gibt es in der Branche einen Akteur, der sich in besonderem Maße fürs Herzklopfen zuständig fühlt. Die Rede ist natürlich von Ducati.

Von den Italienern erwartet man Stil und Spektakel, Stimulanzien für die Sinne, und zwar vorwiegend in Rot. Unter diesen Gesichtspunkten ist die Streetfighter V4, auffälligste Neuheit fürs Modelljahr 2020, eine Ducati durch und durch. Sie kommt nicht in Frage für Menschen, die ihr Leben nach den Maßgaben von Bescheidenheit, Vernunft und Zurückhaltung gestalten.

Nur Anfassen und Probesitzen waren erlaubt, als Ducati das rote Ross jetzt erstmals ins Rampenlicht stellte, Fahren noch nicht. Das reichte aber schon für Herzklopfen auch unter hartgesottenen Berichterstattern. Es kann einem durchaus mulmig werden beim Anblick der Streetfighter V4 und der Vorstellung, wie die sich wohl fahren wird. Die Gelegenheit dazu wird zur Markteinführung im März kommen. Der Preis steht schon fest: 19.990 Euro plus 305 Euro Nebenkosten.

Mit der Streetfighter V4 kehrt das Unternehmen aus Bologna ins Segment der Super-Naked-Bikes zurück, und zwar mit der Ansage eines abenteuerlichen Verhältnisses von Leistung zu Gewicht. Laut Datenblatt treffen 208 PS auf nur 199 Kilo Fahrzeuggewicht mit gefülltem 16-Liter-Tank, macht 1,045 PS je Kilogramm. Der 1103-Kubik-V4-Motor liefert seine Höchstleistung bei 12.750 Umdrehungen ab, sein Drehmoment-Maximum von 123 Nm bei 11.500/min. Desmosedici Stradale nennt Ducati das Vierzylinder-Triebwerk mit desmodromischer Ventilsteuerung, das in direktester Linie von jenem des Rennmotorrads Panigale V4 abstammt und nach Racing-Manier mit gegenläufiger Kurbelwelle operiert.

Auf den ersten Blick zeigt sich die Streetfighter als wilde Schönheit, genauer betrachtet handelt es sich um eine Panigale ohne Verkleidung. Keine milde Abwandlung, sondern radikal wie der Rennstreckenbrenner selbst. Breitlenker anstelle der Panigale-Stummel und eine gemäßigtere Positionierung der Fußrasten – das war’s im Wesentlichen mit den Änderungen. Der unter den Fahrersitz reichende Benzintank wurde so umgeformt, dass sich ein dickeres Sitzpolster montieren lässt, ein Hilfsrahmen am Heck gewährt einem Passagier einen Hauch von Zumutbarkeit. Das Tagfahrlicht am kleinen LED-Scheinwerfergehäuse erzeugt eine Grimasse, die jener der Comic- und Filmfigur „Joker“ nachempfunden ist. Man sieht ein Grinsen, das niemand gern in seinem Rückspiegel haben möchte.

Wie bei einem Doppeldecker gibt es Ober- und Unterflügel

Eine 3000 Euro teurere S-Version der Streetfighter V4 wird mit semiaktivem Öhlins-Fahrwerk ausgestattet. Prall ist das Paket elektronischer Assistenzsysteme schon in der Basisversion; es bietet alles Erdenkliche von der schräglagenabhängig eingreifenden Traktionskontrolle über Drift- und Wheelie-Regelungen bis hin zum Power Launch für den Raketenstart. Fahrmodi und Smartphone-Konnektivität verstehen sich inzwischen von selbst in dieser Klasse. Einzigartig indes sind die Winglets genannten Luftleitflügel vorn an den Fahrzeugseiten. Wie bei einem Doppeldecker gibt es Ober- und Unterflügel, die nicht nur wichtig aussehen, sondern den Ingenieuren zufolge nach dem Vorbild der Moto GP als aerodynamische Hilfsmittel dienen. Bei hohen Geschwindigkeiten sollen sie Abtrieb erzeugen – bei Tempo 200 etwa 15 Kilo, bei 270 dann 28 Kilo –, dadurch ein „Aufschwimmen“ des Vorderrads verhindern und die Fahrstabilität steigern. Die Streetfighter erreicht rund 280 km/h. Dank der Flügelchen, heißt es, könne die immense Leistung des V-Vierzylinders genutzt werden, ohne die Notwendigkeit gravierender Änderungen an der Fahrwerksgeometrie, die die Agilität beeinträchtigt hätten.

Entgegen bisheriger Gepflogenheiten präsentierte Ducati seine Neuheiten diesmal drei Wochen vor der Eicma. Die bedeutendste Zweiradmesse der Welt findet diese Woche in Mailand statt. Mit dem Vorpreschen sicherte sich Ducati-Chef Claudio Domenicali die volle Aufmerksamkeit außerhalb des Messetrubels. Der norditalienische Hersteller gehört nach wie vor zu Audi, ist aber immer wieder Gegenstand von Verkaufsgerüchten. Domenicali sagte: „Nie zuvor war Ducati so gesund wie heute.“

Gesunde 155 PS bietet die Panigale V2, die Domenicali als weitere Neuheit und Nachfolgerin der 959 Panigale vorstellte. Mit ihrem 955-Kubik-V-Zweizylinder ist sie die kleine, schlanke Supersport-Schwester der ebenfalls in diversen Details einem Feintuning unterzogenen Panigale V4. Leistungsplus trotz Anpassung an künftige Euro-5-Abgasvorschriften, Einarmschwinge, Kompakt-Schalldämpfer unterm Motor, TFT-Display, hochgerüstetes Elektronik-Arsenal sowie ein Design nach dem Vorbild der V4 werten die V2 auf. Gut 18.000 Euro sind anzulegen, während die überarbeitete Panigale V4 laut Liste nicht unter 23 000 zu haben ist.

Für 21.735 Euro inklusive Nebenkosten bietet Ducati noch diesen Herbst eine „Grand Tour“-Version seiner Luxus-Reiseenduro Multistrada 1260 S an. Sonderlack, Seitenkoffer, Komfortsitz, Mittelständer, elektrisch öffnender Tankdeckel, Zusatzscheinwerfer zählen zu den Extra-Zutaten des ohnehin luxuriös bestückten sportlichen Tourers. Günstiger kommt man in der Klassik-Abteilung weg, wo die einfach ausgestattete Icon Dark als neues Einstiegsmodell in die Scrambler-800-Familie eingeführt wird. Wer auf eine USB-Buchse verzichten kann, mit Glühbirnen statt LED sowie Felgen einfacher Machart zufrieden ist, spart 800 Euro. Die knapp 9000 Euro kostende Icon Dark ist zwar nicht rot, sondern mattschwarz, aber trotzdem was fürs Herz.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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