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Superliga der Segelyachten

Mast have!

Von Walter Wille
Aktualisiert am 29.06.2020
 - 15:01
Der Dreimastschoner „Sea Eagle II“ ist mit 81 Meter Länge die größte Aluminium-Segelyacht der Welt. 282 Tonnen des Leichtmetalls verarbeitete die Royal Huisman Shipyard. Aluminium ist teurer als Stahl, ermöglicht aber eine erhebliche Gewichtseinsparung.zur Bildergalerie
In der Superliga der Segelyachten ragen die Masten bis in den Himmel. Es gibt einen spektakulären Neuzugang. Aber welche der Großen ist tatsächlich die Größte der Welt?

Yacht – welch verheißungsvolles Wort. Es klingt nach blauem Meer und Überfluss, nach Großzügigkeit und sorglosem Leben. Erst recht gilt das für den Begriff Superyacht, der gebräuchlich ist für alles, was mehr als 30 Meter misst. Noch besser als der Besitz einer Superyacht ist der einer Megayacht. Oder mehrerer, was vorkommt. Wo genau die Grenze liegt, ist nicht ganz eindeutig. Immer öfter ist auch von der Gigayacht die Rede. Ob die Gigayacht eine große Megayacht ist oder ob die Bezeichnungen synonym verwendet werden können, das hat anscheinend noch niemand exakt definiert.

Ist auch unwichtig. Das eine wie das andere ist ein must have unter wahren Multimilliardären, Nachweis von ansehnlichem Reichtum und Ausdruck eines Lebens auf allergrößtem Fuß. Aber es stellt auch das tägliche Brot für hochspezialisierte Werften und Zulieferbetriebe dar, schafft Arbeit in Design-, Konstruktions-, Projektmanagement- und sonstigen Büros, gibt Künstlern und Handwerkern zu tun, über Jahre hinweg. Auf die Spitze getriebene Technik, Vorstöße in unbekanntes Territorium sind das Übliche in dieser Industrie, in der deutsche, niederländische und italienische Unternehmen eine starke Rolle spielen.

Bei Super-, Mega- und Gigayachten handelt es sich in aller Regel um Motoryachten. Privatschiffe, die als Hauptantriebsquelle den Wind nutzen, stellen eine Minderheit dar, derzeit etwa 16 Prozent. Trotzdem herrscht auch hier keineswegs Stillstand. Der jüngste Neuzugang heißt „Sea Eagle II“. Die ist zwar nicht die größte Segelyacht dieses Planeten, aber unter den großen eine der schönsten. Superlative hat „Sea Eagle II“ zudem zu bieten. Mit 81 Meter vom kerzengeraden Vorsteven bis zum Heck ist die nach Plänen des Konstruktionsbüros Dykstra Naval Architects – den Namen bitte merken! – und des Designstudios von Mark Whiteley entstandene Grazie die längste Aluminium-Segelyacht der Welt, wie die niederländische Werft Royal Huisman hervorhebt. Die ist für ihre Edelbauten mit Rümpfen aus Leichtmetall anstelle von Stahl bekannt.

Ein offensichtlich zufriedener Huisman-Kunde, ein segelerfahrener Asiate, dem die Niederländer 2015 eine 43-Meter-Slup namens „Sea Eagle“ aushändigten, welche zuletzt für 18 Millionen Euro auf dem Gebrauchtmarkt auftauchte, hat sich längenmäßig nun verdoppelt. Die Konfiguration der drei Panamax-Masten eröffnet ihm die Möglichkeit, mit seinem modern gestylten Giganten, für dessen Betrieb 14 bezahlte Crewmitglieder eingeplant sind, den Panamakanal zu passieren, um vom Atlantik in den Pazifik hinüberzuwechseln.

Panamax steht für das Maximum an Masthöhe für die Fahrt unter der Puente de las Américas hindurch. Die Durchfahrthöhe für diese Brücke an der Pazifik-Seite des Kanals beträgt bei mittlerem Niedrigwasser etwa 62 Meter. Die drei Karbonmasten der Yacht wurden vom Huisman-Schwesterunternehmen Rondal gefertigt. Mehr als 3500 Quadratmeter Segel kann der Kapitän per Knopfdruck und Joystick setzen lassen. Das ausgeklügelte, elektronisch gesteuerte System zur Bändigung der gewaltigen, von Doyle gelieferten Segel umfasst Rollanlagen für sämtliche Segel, 34 Winden sowie eine Karbon-Verstagung – alles mit Hilfe von in die Bauteile integrierten Lastsensoren überwacht, ebenso wie das elektrohydraulisch betätigte 1,25-Tonnen-Karbon-Ruderblatt, angeblich das größte der Yachtwelt. Die Winden für die Schoten der drei größten Segel sind für eine Zugkraft von 18 Tonnen ausgelegt. Fernbedient fährt ein Krähennest den mittleren Mast hoch. Dort lässt sich in arktischen Gewässern nach Treibeis Ausschau halten oder generell die Aussicht genießen.

Zeitweise mit gut 21 Knoten durchs Wasser gerauscht

Ausgiebige Testfahrten auf der Nordsee zur Überprüfung jeglicher Technik an Bord sind absolviert, dabei rauschte der Dreimastschoner zeitweise mit gut 21 Knoten (39 km/h) durchs Wasser, wie die Werft wissen ließ. Die Übergabe an den Eigner soll im Juli stattfinden. Covid-19 und die damit zusammenhängenden Restriktionen brachten Verzug in den laut Huisman ursprünglich penibel eingehaltenen Zeitplan.

Das erwähnte Konstruktionsbüro Dykstra war auch maßgeblich an der Konzeption der noch größeren, momentan zweitlängsten Segelyacht der Welt beteiligt, der 106,7 Meter langen, bei Oceanco in den Niederlanden gebauten „Black Pearl“. Abgesehen von ihrer schieren Größe, ihrer wuchtig voluminösen, aber dennoch wohlproportionierten Erscheinung ist das Dynarigg ihr Erkennungszeichen: drei freistehende, drehbare Masten, an deren Rahen jeweils fünf Segel mit einer Gesamtfläche von 2900 Quadratmetern geführt werden können. Wie Gardinen werden sie per Fernbedienung aus den Masten heraus bis ans Ende der Rahen gezogen, so dass sich eine lückenlose, effiziente Segelfläche ergibt. Das soll, ebenso wie das Bergen der Segel, nicht länger als sechs Minuten dauern. Dykstra entwickelte das Dynarigg nach dem Vorbild der bahnbrechenden, gut zehn Jahre älteren und 88 Meter messenden „Maltese Falcon“ weiter. Auch an deren Entstehung hatte Dykstra mitgewirkt.

„Black Pearl“ hat einen dieselelektrischen Hybridantrieb

Spektakuläre 30 Knoten (55 km/h) soll „Black Pearl“ unter Segeln schon erreicht haben. Sobald Solarsegel zur Verfügung stehen, sollen die zum Einsatz kommen, um den Strombedarf an Bord zum Teil über Sonnenenergie zu decken, wie angekündigt wird. Der russische Eigner zählt zu jener Schar von Yachtmilliardären, die sich neuerdings gern als Vorreiter in Umweltdingen präsentieren und mit Solar, Wasserstoff, Abwärmenutzung oder aufwendiger Isolierung experimentieren. „Black Pearl“ hat einen dieselelektrischen Hybridantrieb und kann, wenn die Segel für Vortrieb genutzt werden, seine Schiffsschrauben als Schleppgeneratoren einsetzen, um auf diese Weise Energie zu gewinnen, die ansonsten mittels Dieselgeneratoren erzeugt werden müsste. Es heißt, eine Atlantik-Überquerung ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff wäre möglich.

Ein über mehrere Decks reichendes Atrium mit Glas-Aufzug stellt das Herzstück des Interieurs dar. „Black Pearl“ war einmal als größte Segelyacht der Welt vorgesehen, wurde allerdings von der unglaublichen, bei Nobiskrug in Deutschland hergestellten, 2017 in Betrieb genommenen und noch immer wie eine Erscheinung vom fremden Stern wirkende „Sailing Yacht A“ in den Schatten gestellt. 142 Meter misst deren aufwendig mit GFK-Formteilen kombinierter Stahlrumpf, in dessen Maschinenraum ebenfalls ein Hybridantrieb steckt. Das von Philippe Starck geprägte Alien-Design ist ein Schocker, noch heute. Auch dieses Karbonrigg wurde von Dykstra berechnet. Die Spitze des längsten der drei Kohlefasermasten befindet sich 100 Meter über der Wasserlinie. Der Eigner, ein Russe, kann mit dem Lift im Mast nach oben fahren oder zur Tiefenentspannung seine Unterwasser-Beobachtungslounge aufsuchen.

Manch einer stellt in Frage, dass „Sailing Yacht A“ tatsächlich eine echte Segelyacht ist, und hält sie eher für eine Motoryacht mit Segelunterstützung. Nach dieser Interpretation belegt „Black Pearl“ Platz eins der Weltrangliste („Sea Eagle II“ ist in den Top Ten). Vermutlich perlen solche Diskussionen am Besitzer von „A“ ab. Nobiskrug beschreibt sie so: „Entstanden aus dem Eignerwunsch, die Grenzen des Ingenieurwesens zu überschreiten und damit alles bislang Vorhandene in der Superyachtbranche in Frage zu stellen.“

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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