Suzuki GSX 1250 FA

Bandit im Maßanzug

Von Walter Wille
13.08.2010
, 14:00
Höchste Drehzahlen mag und braucht die GSX 1250 FA nicht
Vollverkleidung dran - und schon ein Sporttourer: Man darf erwarten, dass einem die Suzuki GSX 1250 FA rasch ein Gefühl gründlicher Zufriedenheit gibt, weil man für ein relativ kleines Bündel Geld eine relativ große Menge Motorrad bekommt.
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Man darf nicht darauf hoffen, vor jedem Straßencafé mit der "La Ola" empfangen zu werden. Man muss nicht fürchten, permanent gefragt zu werden, ob man mal angefasst werden dürfe. Nein, das nicht. Aber man darf erwarten, dass einem die Suzuki GSX 1250 FA rasch ein Gefühl gründlicher Zufriedenheit gibt, weil man für ein relativ kleines Bündel Geld eine relativ große Menge Motorrad bekommt. Ein adrett gemachtes Motorrad, das obendrein bestens funktioniert.

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Beim Thema Preis-Leistungs-Verhältnis macht kaum jemand dem Unternehmen Suzuki etwas vor. Ob es beim Motorradfahren wirklich um solch nüchterne Kriterien geht, sei dahingestellt, das kann man ganz unterschiedlich sehen. Jedenfalls ist besonders die Bandit-Baureihe, seit Jahren eine Institution im Modellprogramm der Japaner, ein Synonym für ein faires Verhältnis von Preis und Leistung, und wer die Bandit kennt, weiß genau, was zu erwarten ist, wenn er sich nun dieser neuen GSX 1250 FA nähert: Solides zum moderaten Tarif.

Die GSX für 9770 Euro ist nämlich nichts anderes als eine "Bandit mit Vollverkleidung". Der Aufpreis gegenüber der Bandit S mit Halbschale beträgt 380, gegenüber der gänzlich unverhüllten Bandit 580 Euro. Die Kunststoffschale verbessert die Reisetauglichkeit der Maschine erheblich, ohne dass sie äußerlich auf plumpen Dampfer macht: Luftschächte (es sind nur Attrappen) und das Scheinwerfermodul früherer GSX-R-Supersporttypen in der Maske erzeugen eine sportive Note. Das gilt auch für die kompakte Instrumenteneinheit, die in der Rückseite der Verkleidung zwar etwas verloren wirkt, aber alle wichtigen Daten klar und übersichtlich präsentiert. Dass über den gerade eingelegten Gang informiert wird, ist fein, dass ein Schaltblitz - noch so ein Rennstrecken-Relikt - anwesend ist, erscheint eher kurios und überflüssig an diesem Motorrad.

Suzuki GSX 1250 FA mit allem Reisezubehör
Suzuki GSX 1250 FA mit allem Reisezubehör Bild: Wille

Gut angezogener Allrounder für den lässigen Fahrspaß

Denn es ist schlicht und ergreifend ein gut angezogener Allrounder für den lässigen Fahrspaß unter dem Eindruck der sanften Gewalt. Höchste Drehzahlen mag und braucht die GSX 1250 FA nicht. Ihr Motor leistet nominell 72 kW (98 PS), gefühlt einige mehr. Die nach heutigen Maßstäben wenig prickelnden Zahlen auf dem Papier sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das 1255 Kubik große Bandit/GSX-Vierzylindertriebwerk zu den angenehmsten in der Zweiradwelt zählt und eine beeindruckende Souveränität ausstrahlt. Schusselig eine enge Kehre angesteuert, vor lauter Lässigkeit mal wieder das Herunterschalten vergessen? Egal, der säuselnde Bulle mit der Wasserkühlung macht das schon. Er schiebt ruckfrei ab Leerlaufdrehzahl an, häuft ein weites Plateau der Drehzahl auf und erreicht das Maximum von 108 Newtonmeter schon bei 3700/min.

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Erst in Regionen, in denen sich der Schaltblitz wichtig machen könnte, bei 8000 bis 9000 Umdrehungen, ermüdet der Vierzylinder; also bleibt man dort weg. Nie wird er akustisch aufdringlich, seine Vibrationen werden mit Hilfe von Ausgleichswelle und dicken Gewichten an den Fußrasten gedämmt, da ist selten etwas Lästiges zu spüren. Im knarzigen Getriebe schon eher. Unser Benzinverbrauch - zwischen 5,5 und 6,2 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer - erscheint auf den ersten Blick etwas hoch, auf den zweiten akzeptabel, weil wir ausschließlich mit komplettem, sperrigem Gepäcksystem unterwegs waren.

Für 10.470 Euro zu haben

Mit diesem Zubehör (Gepäckträger, 37-Liter-Topcase, 33-Liter-Seitenkoffer) plus Vario-Tourenscheibe für zusammen gut 700 Euro wird die GSX 1250 FA zum vollwertigen Urlaubsprofi. Derzeit ist sie als Sondermodell GT mit allem Drumherum plus einigen Dekorselementen für 10 470 Euro zu haben. Die Behälter sind blitzschnell anzubringen und abzunehmen. Es ist zu vermuten, dass viele Besitzer sie auch dann spazieren fahren, wenn sie nicht gebraucht werden, weil ansonsten das Trägergestänge sichtbar ist, das das Fahrzeugheck böse verschandelt. Es gibt wesentlich schönere Lösungen. Koffer und Topcase dürfen mit jeweils fünf beziehungsweise 6,5 Kilo beladen werden, als Höchstgeschwindigkeit empfiehlt Suzuki 130 km/h. Ohne Anbauten sind rund 230 möglich.

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Mit spielerischer Leichtigkeit umgibt sich der Sporttourer nicht. Manche Motorräder streifen beim Losfahren dank wundersam gekonnter Ausbalancierung einen Teil ihrer Masse vorübergehend ab. Nicht so die Suzuki, die wiegt 257 Kilogramm, und man spürt jedes einzelne. Schnelle Richtungs- und Schräglagenwechsel sind keine Manöver, die auf Beschluss des Piloten fast von selbst ablaufen. Er muss das wirklich wollen und gezielt herbeiführen. Dass sich ein Big Bike wie ein großes Motorrad anfühlt, ist jedoch nicht unbedingt ein Makel. Bremsen und Fahrwerk arbeiten vernünftig, wenn auch nicht auffallend feinfühlig. Die merkwürdig zum Fahrer hin gekrümmte Lenkstange (mochten wir schon an der Bandit nicht) macht es einem schwer, eine sportliche, zum Vorderrad orientierte Haltung einzunehmen.

Dennoch: ABS serienmäßig, Hauptständer ebenso, um 20 Millimeter veränderbare Sitzhöhe, einstellbare Handhebel, Aluminiumschwinge, Alu-Kettenschutz, Edelstahlauspuffanlage und eben dieser kultivierte Motor - ein attraktives Paket. Und La Ola? So'n Quatsch.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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