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Transport mit Helikopter

Kommt ein Ju52-Rumpf geflogen

Von Jürgen Schelling
Aktualisiert am 13.07.2020
 - 15:42
Im Hubschrauber-Schlepptau über den Bodensee
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Überflug Ju52
Im Hubschrauber-Schlepptau über den Bodensee

Eine zerlegte Junkers Ju52 reist spektakulär vom schweizerischen Dübendorf an den Bodensee: Sie schwebt unter einem Helikopter.

Es ist ein ungewöhnliches Bild am frühen Freitagmorgen auf dem schweizerischen Airport Altenrhein. Ein Helikopter kommt vom Bodensee her eingeschwebt. Er hat ein langes Seil unter sich. Daran befestigt ist eine Aviatik-Legende, der Rumpf einer Junkers Ju52. So eine Ju52 wiegt mit drei Motoren, Flügeln und Leitwerk fast sieben Tonnen. Der Rumpf allein bringt etwa 2000 Kilo auf die Waage. Damit kommt der Kaman K-1200 K-MAX, wie der Hubschrauber offiziell heißt, aber noch lange nicht an seine Grenze. 2,72 Tonnen kann er tragen. Allerdings ist der Rumpf einer Ju52 ziemlich lang, fast 19 Meter. Er darf sich während des Flugs keinesfalls drehen. Deshalb ist er mit Hilfe eines kleinen Fallschirms am Heck stabilisiert. Ganz langsam setzt der Helikopter seine wertvolle Fracht vor einem Hangar ab. Die Bodencrew nimmt sie behutsam in Empfang. Denn diese Ju52 ist kein Museumsstück. Sie wird wieder fliegen.

Die 1939 gebaute Ju52 gehört der 2018 gegründeten Firma Junkers Flugzeugwerke AG. Bislang war sie am Militärflugplatz Dübendorf bei Zürich als Mieter ansässig. Unternehmenszweck ist hauptsächlich der Nachbau von historischen Junkers F13-Flugzeugen in Kleinserie. Diese entsprechen mit ihrer charakteristischen Wellblechstruktur dem 1919 erstmals geflogenen Original. Die F13 gilt als erstes serienmäßiges Passagierflugzeug aus Metall. Nun verlässt das Unternehmen Dübendorf und siedelt sich am Flughafen St. Gallen-Altenrhein an.

Die legendäre Ju52 mit dem Kennzeichen HB-HOS soll in Altenrhein wieder flugfähig gemacht werden. Der Klassiker ist noch nicht allzu lang im Eigentum der Junkers Flugzeugwerke AG. Deren Chef ist der deutsche Unternehmer und Luftfahrtenthusiast Dieter Morszeck. Er ist Fan der Wellblechbauweise von Flugzeugen, selbst Pilot und emotional der Junkers-Historie verbunden. Morszeck war bis vor wenigen Jahren auch Eigentümer der Rimowa-Kofferwerke in Köln.

„Tante Ju“ wird eine mutmaßlich millionenteure Restaurierung und Modernisierung erhalten. So fliegt sie künftig nicht mehr mit originalen 132-A3-Neunzylindern von BMW, sondern mit amerikanischen Pratt&Whitney R-1340-Wasp-Sternmotoren. Die wurden wesentlich häufiger gebaut als die Aggregate aus Bayern, sind einfacher zu warten, und es gibt mehr Ersatzteile. Auch die berühmte Lufthansa-Ju52 D-AQUI flog bis zu ihrer Außerdienststellung mit diesen Triebwerken. Morszeck will den Klassiker aber auch im Cockpit modernisieren.

Später könnte die Dreimotorige womöglich wieder der Fluglinie Ju-Air in Dübendorf für den Flugbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Denn die Ju-Air betrieb früher mehrere Ju52, unter ihnen die HB-HOS. Die Gesellschaft musste nach dem Absturz einer Maschine in den Schweizer Alpen am 4. August 2018 mit 20 Todesopfern temporär ihren Flugbetrieb einstellen. Sie hat derzeit kein flugfähiges Exemplar einer Ju52 mehr. Nachdem kurz darauf auch das Aus für die Ju52 D-AQUI der Lufthansa folgte, ist damit in Europa keine Tante Ju mehr für Passagierflugbetrieb vorhanden.

Der einsitzige Transporthubschrauber K-MAX, unter dem die Ju52 hängt, hat eine ungewöhnliche Anordnung der beiden Rotoren. Sie sind schräg gekippt auf dem Rumpf angebracht. Ihre Rotorebenen ragen also ineinander. Erfunden hat dies der deutsche Ingenieur Anton Flettner in den 1930er Jahren. Der exotische Hubschrauber kann durch diese Antriebsart mehr Gewicht heben, als er selbst wiegt. Für den Piloten ist der Transport der Junkers bei bestem Flugwetter an diesem Vormittag eine eher unspektakuläre Aufgabe. Falls etwas völlig aus dem Ruder laufen oder die Turbine ausfallen würde, hätte dieser als letzte Option sogar eine Auslösetaste zum Abwerfen der Ladung am Griff der Rotorblattverstellung. Aber alles geht glatt. Die Ju52 soll möglichst von 2021 an wieder fliegen. Dann aber nicht unterm Heli, sondern aus eigener Kraft.

Quelle: F.A.S.
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