Wohnwagen Weinsberg Caracito

Für die schönen Tage nur

Von Boris Schmidt
18.07.2021
, 16:25
Nicht immer so einfach: Strom zapfen mit dem Wohnwagen im Schlepp
Der Weinberg Caracito 470 QDK ist ein besonderer Wohnwagen. Bewusst wird auf eine eigene Batterie und auch auf einen Gasanschluss verzichtet. Das spart Kosten.
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Ob man fürs Caravaning besser auf einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil setzt, ist eine Glaubensfrage. Neben der größeren Flexibilität am Zielort haben die Häuser auf Rädern einen ­weiteren Vorteil: Sie sind billiger, weil sie keinen eigenen Antrieb haben. Ganz einfache und kleine Wohnwagen gibt es schon für rund 10.000 Euro als Neufahrzeug, und von Gebrauchten reden wir gar nicht.

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Nun gehört die Wohnwagenmarke Weinsberg aus der Knaus-Tabbert-Gruppe traditionell zu jenen Anbietern, die preissensible Kunden ansprechen, was den Erfolg der Marke ausmacht. Für diese Saison hat man sich etwas Besonderes ausgedacht, den CaraCito. Fünf verschiedene Längen sind zu haben, und der Clou ist, dass auf eine Gasanlage sowie eine eigene Batterie verzichtet wird, was natürlich den Preis drückt. So kann ein 5-Meter-Wohnwagen mit sechs Schlafplätzen, wie von der Redaktion bewegt, zu einem Grundpreis von moderaten 14.150 Euro realisiert werden. Der Basispreis liegt bei 11.190 Euro. Wer immer nur auf Campingplätze fährt und auf die Möglichkeit, autark zu stehen, verzichten kann, für den ist das Konzept gewiss interessant. Und wer kein Gas hat, muss auch nicht alle zwei Jahre zur Gasprüfung.

Allerdings ist ein CaraCito nicht wintertauglich, er hat zwar eine Heizung, die das Wasser schnell erwärmt, aber diese macht einen solchen Krach, dass Schlafen eher schwierig ist. Warm genug wurde es aber, selbst in Aprilnächten mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Truma-Heizung ist eigentlich eine Klimaanlage, die im Sommer ihre Qualitäten ausspielen soll. Sie gehört zur Grundausstattung und kostet separat bestellt rund 2000 Euro, ein weiterer Pluspunkt. Wer auf Gas und eine eigene Batterie nicht ­verzichten will, kann dieses dazu­kaufen, beides zusammen kostet rund 1300 Euro.

Inklusive der Deichsel ist der CaraCito 470 QDK immerhin 6,83 Meter lang, das Leergewicht beträgt 960 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht 1200 Kilogramm. So passt der Wagen in der Regel auch noch zum B-Führerschein, solange der ziehende Personenwagen nicht mehr als 2,3 Tonnen wiegt. Der Weinsberg bietet sich mit seinen zwei Stockbetten im Heck links vom Eingang für eine junge Familie an. Weil die Vierersitzgruppe in der Mitte zum Doppelbett umgebaut werden kann, könnten für einen Wochen­endtrip sogar Oma und Opa mit­kommen. Denen gönnt man aber besser das Doppelbett im Bug, das sehr ge­räumig ist. Man schläft gut dort, wenn man die lärmende Heizung nicht braucht. Das Umbauen für sechs Schläfer geht schnell, die Tischplatte herausnehmen, tiefer einhängen, sodass sich mit den beiden Sitzflächen eine Ebene ergibt.

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Aber schon mit vier Personen ist es natürlich eng. Dem müssen sich Neulinge vor dem Kauf gewahr sein. Jedes Hotelzimmer ist größer. Das Bad direkt gegenüber der Eingangstür ist gleichzeitig Toilette und Dusche. Wer aufs Örtchen muss, klappt den Waschtisch hoch, eigentlich eine intelligente Lösung. Duschen geht auch, die Ausstattung dazu kostet aber extra. Und der Frischwassertank sollte von 15 auf 45 Liter aufgerüstet werden. Sonst steht man zu schnell im Trockenen. Rechts vom Eingang ist die Küchenzeile mit zwei Herdplatten und kleiner Spüle. Praktisch ist die Verlängerung des Arbeitsbereiches nach rechts zum Hochklappen.

Der Kühlschrank links vom Induktionskochfeld hat mit 133 Liter eine sehr ordentliche Größe. Wiederum links davon befindet sich ein Kleiderschrank, bevor das Doppelbett anschließt. Inklusive der Oberschränke sollte für einen längeren Urlaub genug Stauraum im Wagen sein. Zudem ist im vorderen Bereich des CaraCito weiterer Stauraum unterflur. Hier sitzt auch die Klimaanlage, drum herum ist viel Platz. Rechts in Fahrtrichtung ist dieser Bereich über eine doppelt abschließbare Serviceklappe von außen zugänglich. Weil links keine Klappen sind, ist er aber nicht optimal nutzbar. Man kann natürlich von oben eingreifen, nachdem man die Lattenroste des Doppelbettes entfernt hat.

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Für den Deichselkasten, die Tür, den Stauraum und den Toilettenkasten passt ein Schlüssel. Das ist mittlerweile Standard. Den Brauchwasserbehälter lässt sich Weinsberg mit 129 Euro extra bezahlen, Wohnwagen haben in der Regel keinen fest eingebauten Schmutzwassertank. Für solche Utensilien wie auch die Stromkabeltrommel ist der Deichselkasten gedacht. Dort gehört auch die Kurbel für die vier Stützen hinein, die nötig sind, wenn der Wagen allein stehen und bewohnt werden soll. Sie sind schnell heruntergekurbelt. Nur um an die vorderen heranzukommen, muss man jedes Mal auf den Boden, um den Ansatzpunkt zum Kurbeln zu finden.

Gezogen haben wir den rein „elektrischen“ Weinsberg passenderweise mit einem rein elektrischen Polestar 2, der mit der einen Tonne am Haken keinerlei Probleme hatte. Allerdings schmolz die Reichweite auf rund 150 Kilometer, weil der Strombedarf von rund 30 kWh auf 100 Kilometer auf rund 45 kWh stieg. Wobei nicht schneller als Tacho 90 km/h gefahren wurde. Der Weinsberg CaraCito ist mit seiner Reduktion auf das Wesentliche gewiss ein gutes Angebot für Einsteiger. Nur zum Ziehen würden wir dann doch lieber ein konventionelles Auto nehmen. Der Reichweite wegen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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