Probefahrt VW Multivan T7

Groß geht auch kleiner

Von Holger Appel
17.09.2021
, 15:29
VW entzweit seine Kundschaft. Und das mit voller Absicht. Der neue Multivan zielt voll auf den privaten Gebrauch. Mit allen Vorteilen. Und ein paar Nachteilen.
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O Schreck, ist der niedrig. Sagt der Multivan-Kenner, insbesondere, wenn er ein Californier ist. O klasse, der sieht viel handlicher aus, schallt es aus jener Fraktion, die einen Bus mit Baustellengen schon immer unförmig fand. VW entzweit seine Kundschaft. Und ist auch noch stolz darauf. Mit dem neuen T7 setzen die Hannoveraner „100 Prozent auf den privaten Gebrauch“. Das bedeutet zunächst 1,90 Meter Höhe und somit die Möglichkeit, in die meisten handelsüblichen Parkhäuser einfahren zu können.

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Diejenigen, die ab und zu in einem solchen Auto wohnen, werden dennoch nicht zu kurz kommen. In etwa drei Jahren wird es eine California-Version geben, von sofort an steht mehr Innenraumhöhe als im T6 bereit. Das liegt ein bisschen am (starren) Glasdach und vor allem an dem um 7 Zentimeter niedrigeren Boden. Der hat auch den Wegfall der Haltegriffe innen am Dachholm zur Folge, was wir bedauern.

VW baut den neuen Multivan auf der konzernüblichen Plattform MQB auf, die auch diversen Geschwistern aus der Personenwagen-Fraktion als Untergrund dient. Damit fährt der T7 so nah am Golf wie nie. Das bleibt nicht folgenlos. Der erhabene Eindruck leidet etwas, dafür gewinnt man an Spritzigkeit im Straßenverkehr. Der Verbrauch soll nach Norm um einen Liter sinken. Die Einzelsitze sind zwar etwas schmaler als zuvor, aber leichter. Und beheizbar. Sie lassen sich zwar nicht mehr in sich drehen, aber als Ganzes auch von schwächeren Naturen umheben.

Auf 4,98 oder 5,18 Meter Außenlänge ist die Raumausbeute erfreulich, rangierend ist das trotzdem natürlich kein Polo.
Auf 4,98 oder 5,18 Meter Außenlänge ist die Raumausbeute erfreulich, rangierend ist das trotzdem natürlich kein Polo. Bild: Volkswagen

Auf 4,98 oder 5,18 Meter Außenlänge ist die Raumausbeute erfreulich, rangierend ist das trotzdem natürlich kein Polo. Ambientebeleuchtung, Head-up-Display, digitales Cockpit, zwei Schiebetüren – all dies macht den neuen Multivan zum Freund der Familie. Ihm fehlt freilich stets ein echter Allradantrieb, das trübt die Reiselust gen Winterberg. Nur der neue Plug-in-Hybrid hilft an der zweiten Achse elektrisch aus.

Das Motorenportfolio ist übersichtlich.
Das Motorenportfolio ist übersichtlich. Bild: Volkswagen

Das Motorenportfolio ist übersichtlich, 218 PS im Hybrid, 136 oder 204 PS im Benziner, 150 PS im Diesel. Die Preisliste startet um 45.000 Euro in ein Wagnis. Aber keine Sorge, erstens wird der T6.1 weitergebaut, zweitens fühlt sich auch der von Mitte November an erhältliche T7 trotz aller Golf-Gelüste noch immer genug nach Bus an. (Nicht nur) wir mögen das.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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