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Wohnbericht Karmann Davis 620

Schöner wohnen mit Hindernissen

Von Monika Schramm
 - 14:56
Karmann Davis 620zur Bildergalerie

Im Reich des französischen Konzerns Trigano ist die altbekannte deutsche Marke Karmann heute nur noch mit Kastenwagen vertreten. Aber sie konnte ihren Anspruch, sich im Design ein wenig von der Masse abzusetzen, in die neue Markenfamilie übertragen. Karmann setzt auf Fiat Ducato für die Baureihen Dexter und Davis und auf den kleinen Fiat Talento für die beiden Danny-Modelle mit Aufstelldach. Eine Besonderheit ist der Dexter auf Ford Transit, für den es auch eine Allradversion gibt.

Wir waren mit dem Davis 620 unterwegs, der uns auf den ersten Blick mit seinen enormen Staukapazitäten aufgefallen ist. Dabei misst er wie alle langen Fiat Ducato 6,36 Meter, die Voraussetzung für auskömmliche Einzelbetten im Heck. Die restliche Einrichtung entspricht der von fast allen ausgebauten Kastenwagen: Vorn eine Dinette mit variablem, faltbarem Tisch, auf der Schiebetürseite der Küchenblock, daneben ein hochgesetzter Kühlschrank mit Kleiderschrank darunter und gegenüber das Bad.

Das Innendesign wirkt modern durchgestylt und lebt vom Kontrast zwischen dunklem Holz und weißen Einbauten wie Tisch und Küchenblock sowie der Weißer- Klavierlack-Optik an den Dachkästen. Akzente setzen die chromfarbenen Bügelgriffe, Polster und Stoffe passen bestens in das schicke Ambiente, das im gesamten Fahrzeug von einer üppigen Beleuchtungsanlage in Szene gesetzt wird. Überall, wo man es braucht, hat man genug Licht, oft in mehreren Variationen, wir haben nur Leselampen über den gedrehten Fahrerhaussitzen vermisst.

Öffnet man die Hecktüren, hat man links das Fach für zwei Fünf-Kilogramm-Gasflaschen vor sich, daneben ist der doppelte Boden zu sehen, unter dem etwa Campingmöbel unterkommen. Seine Besonderheit liegt darin, dass man ihn nebst zweier Staufächer vor dem rechten Bett ohne Werkzeug ausbauen kann. Das ergibt eine große, durchgehende Ladefläche, auf der sogar ein Motorroller oder auch mal Sperriges Platz haben. Dazu werden die Lattenroste der Betten hochgeklappt und mit Gurten unten an den Dachstaukästen befestigt. Die Zutaten dieser einfachen Konstruktion könnten Design-Freunden missfallen. Wir haben den linken Bettkasten, der zur Hälfte Stauraum ist, damit oft hochgehalten, um an die dort untergebrachten hohen Gegenstände heranzukommen.

Dachkästen entlang der Seitenwände nehmen viel Urlaubsgepäck auf, auch quer über den Hecktüren ist (optional) ein Fach eingebaut. Man bewege sich in seiner Nähe etwas vorsichtig, denn wie über den Fahrerhaussitzen, wo ein noch tieferes Fach quer installiert ist, gibt es gute Gelegenheiten, sich eine Kopfnuss zu holen. Auf den beiden Betten mit bequemen Matratzen können sich Menschen bis 1,85 Meter Körpergröße ausstrecken, die Matratzen lassen sich mit Einlegebrettern zusammenfügen, aber die fummelige Lösung hat uns nicht überzeugt. Wegen des Doppelbodens führen innen zwei Stufen hoch ins Schlafzimmer.

Wenn hier jemand steht, kommt keiner mehr vorbei

An der Küche haben wir zuerst bemerkt, dass die Staukapazitäten zu Lasten von Verkehrsfläche und Luftraum gehen: An der Pantry mit ihrem Zweiflammenkocher und dem ausklappbaren Brett links davon nebst drei breiten Schubladen mit Selbsteinzug ist nichts auszusetzen. Aber der Abfluss des in Steinoptik gehaltenen eckigen Spülbeckens hat für unseren Geschmack zu große Löcher, da passt zu viel durch. Schlimmer ist, dass der voluminöse Dachkasten so weit vor ragt wie der Küchenblock, so dass man dort immer mit dem sprichwörtlichen Brett vor dem Kopf arbeitet, und dann steht auch noch der Griff vor.

Da findet man nur schwer eine bequeme Position zum Hantieren. Wenn hier jemand steht, kommt keiner mehr vorbei, denn die 95 Zentimeter breite Dinettenbank lässt nur einen Durchgang von 40 Zentimeter frei. Da müssen sich selbst Normalfiguren schon etwas seitwärts bewegen, wenn sie nach hinten durchgehen. Neben der Küche ragt der schmale hohe 140-Liter-Kühlschrank auf, prima eingerichtet auch für große Flaschen, aber der darunter vorgesehene Kleiderschrank ist nur 70 Zentimeter hoch, da kann nichts hängen.

Der weiße Tisch lässt sich auf 25 Zentimeter Breite falten, ein ebenso schmales Brett fährt für den Beifahrer aus. Hier kann nichts stehen bleiben, denn wenn der Tisch verrückt werden soll, muss man ihn im 45-Grad-Winkel anheben. Dafür kann er außen am Küchenblock eingehängt werden. An dem schmalen Tisch vorbei geht es besser nach vorn, aber man muss sich erst daran gewöhnen, den Kopf rechtzeitig einzuziehen wegen des Quer-Dachkastens; erschwerend kommt hinzu, dass es hier eine kleine Stufe ins Fahrerhaus hoch geht. Unter der Dinette sitzt die Heizung, die fast unhörbar arbeitet, dafür weckt die Druckwasserpumpe Tote auf.

Wir haben einen dürren Menschen gebeten

Nicht anfreunden konnten wir uns mit dem Bad. Es wirkt schon aufgrund der dunkelbraunen Wände eng und höhlenartig, sich zu bewegen ist hier kaum möglich. Um den WC-Deckel öffnen zu können, muss das unterhalb des Fensters sehr niedrig sitzende schmale Waschbecken auf einer Schiene nach rechts geschoben werden. Dort behindert es den Griff zum Papierhalter. Wer sitzt, ist zwischen dem Becken und der Wand eingeklemmt und kann sich kaum rühren. Wir haben einen dürren Menschen gebeten, das zu probieren, selbst der hatte ein Platzproblem.

Duschen ist möglich, aber weder erstrebens- noch empfehlenswert. Schon im Stehen schmiegt sich der Vorhang um den Körper. Es gibt keine Ablagen, außer auf dem Fensterbrett. Ein einziger Dachkasten ist zu wenig, aber immerhin gibt es darin eine 230-Volt-Steckdose. Trotzdem ist das Bad ein Ärgernis, es gibt Dutzende besserer Lösungen für ein Kabinett.

Am zentralen Dachlüfter hat uns missfallen, dass er schon in der ersten Position zu hoch steht, so dass es leicht hereinregnet, außerdem strömt hier viel Kaltluft nach unten. Positiv vermerkt haben wir die Installation von USB-Steckdosen überall im Wagen. Die Anzeige des Frischwasserstands ist märchenhaft, da darf man sich nicht drauf verlassen. Komfortabel ist der Selbsteinzug der Stufe, wenn der Motor startet, und darüber, dass die Regenrinne samt der eingebauten LED-Leiste türenbreit ist, freut sich der Camper bei jedem Öffnen im Regen.

Dass der schicke Karmann Davis gut verarbeitet ist, fällt schon im Stehen auf. Beim Fahren fehlen Quietsch- oder Knarzgeräusche, die üblichen Verdächtigen wie Herdabdeckung oder die Verdunkelungskassetten sind mit ein paar Handgriffen unter Kontrolle. Wer aufgrund seiner eigenen Prioritäten bei der Inneneinrichtung über die funktionalen Schwächen des Karmann zugunsten von üppigem Stauraum und variablen Lademöglichkeiten hinwegsehen kann und sich an dem edlen Innendesign erfreut, sollte sich den Davis 620 ansehen.

Quelle: F.A.Z.
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