Immer pool bleiben

Von WALTER WILLE

27. Juni 2021 · Die Krönung einer Yacht ist ein möglichst repräsentativer Swimmingpool. Tauchen wir ein in eine abgefahrene Welt.

Es stimmt ja, dass eine Superyacht mit Swimmingpool nicht billig ist. Für den Preis, seien es 50 Millionen Euro oder 100 oder noch mehr, kann man sich viele Saisonkarten fürs Freibad kaufen. Doch hat die Yacht den klaren Vorteil, dass man den Pool mit- nehmen kann, wohin man will. Zudem ist immer Personal zugegen, das einem das Handtuch ausbreitet und den Drink reicht. Und kein Bademeister schnauzt die Kinder an, wenn sie vom Beckenrand springen. 

Wir betrachten hier Yachten von 58 Meter aufwärts, da erübrigt sich jegliche Neiddebatte. In dieser Kategorie der Privatschiffe ist der Pool kein exotisches Extra, sondern Standard. Meistens gibt es gleich mehrere an Bord, auf unterschiedlichen Decks, vorn oder achtern, ergänzt um ein Sortiment an sprudelnden Jacuzzis. Nicht selten in der Klasse der wahren Kolosse sind multifunktional nutzbare, technisch höchst anspruchs- volle Pools. Wasser abpumpen, Boden hochfahren – fertig ist die Tanzfläche. Oder der Helikopter-Landeplatz. Wasserfälle ergießen sich in den Pool, Glasboden-Schwimmbecken illuminieren effektvoll darunterliegende Räumlichkeiten, Infinity-Pools ohne sichtbare Kante erzeugen die Illusion der Unendlichkeit beim Blick in Rich- tung Horizont. Es gilt für den Pool wie für die Welt der Großyachten generell: Nichts ist unmöglich. 

Feierbiest

Explorer sind der letzte Schrei im Yachtbau. Normalerweise werden private Expeditionsschiffe für Polarregionen konzipiert, mit Eisklasse-Rumpf, Tauchboot-Garage und Hangar für Fluggerät. Der niederländische Schiffbauer Damen hat sich auf derlei spezialisiert und nun mit dem SeaXplorer 77 auch ein 77-Meter-Format für tropische Regionen entworfen, mit allem, was man dort so braucht. Pool auf dem Oberdeck mit einer Partyfläche für bis zu 150 Personen inklusive. 



Kaostage

Achteinhalb Meter misst der Swimmingpool auf dem Hauptdeck von „Kaos“. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung bei Oceanco im Jahr 2017 war die ursprünglich „Julilee“ genannte Schönheit mit 110 Meter Länge die größte in den Niederlanden gefertigte Motoryacht. Das mächtige, von opulenten Sofas flankierte Wasserbecken kann zugleich als Aquarium genutzt werden. 



Wellnesssegeln

Das hat Seltenheitswert: eine Segelyacht mit Pool. 85 Meter Länge indes eröffnen Möglichkeiten auch in dieser Hinsicht. An Bord der 2016 bei Oceanco fertiggestellten Riesen-Ketsch „Aquijo“ gibt es ein Wellness-Center, geflutet von natürlichem Licht, das durch ein grandioses Skylight hereinfällt. Draußen auf dem Sonnendeck thront ein Whirlpool. 



Verwandlungskunst

Wird der Riesenpool auf dem Achterdeck von „Phi“ nicht genutzt, schiebt sich auf Knopfdruck ein Deckel drüber. Das geht innerhalb von fünf Minuten und somit wesentlich schneller als das übliche Prozedere mit Abpumpen und Boden anheben. Die rassige 58-Meter-Motoryacht wird in diesen Wochen bei Royal Huisman in den Niederlanden vollendet. Die verglaste Pool-Rückseite setzt spektakulär den Yachtnamen in Szene. 



Zielwasser

Als Begründerin des Trends zum Infinity-Pool auf dem Achterdeck gilt die 82 Meter lange „Alfa Nero“, 2007 von Oceanco fertiggestellt. Wozu ein H im Becken? Hydraulisch angehoben, wird der Boden zum Hubschrauberlandeplatz. Zum Kraulen wird die Gegenstromanlage aktiviert. 



Fallstudie

Ein Wasserfall ergießt sich vom Brückendeck in den Swimmingpool auf dem Oberdeck der 90-Meter-Yacht „DAR“. Solche Wasservorhänge werden auch als Sichtschutz genutzt oder als Projektionsfläche für abendliche Filmvorführungen im Freien. Manche Eigner wählen einen erhöhten Beckenrand, damit kleine Kinder nicht ins Wasser fallen. 



Mehrblick

Von seinem 215-Quadratmeter- Apartment aus blickt der Eigner von „Cloud 9“ auf seinen Privatpool im Bug. Alle anderen Gäste nutzen zum Abkühlen einen Glasboden-Pool am Heck. Dort befindet sich der 92-Quadratmeter-Beachclub, der durch ausklappbare Balkone um weitere 40 Quadratmeter vergrößert werden kann. Die 62-Meter-Yacht wurde kürzlich bei Sanlorenzo in Italien fertiggestellt. 



Tiefergelegt

Mit 43 Meter Länge ist dies die kleinste Yacht unserer Aufstellung, man kann sie dennoch als recht großzügig bezeichnen. Für den Verkauf des ersten Exemplars seiner neuen Atlantique 43 hat Columbus Yachts, wie ISA ein Teil der italienischen Palumbo-Gruppe, soeben Vollzug gemeldet. Das Schiff folgt dem Trend, dass immer mehr solvente Auftraggeber statt einer schwimmenden Burg lieber eine Yacht wünschen, die Offenheit und Nähe zum Wasser vermittelt. Auffallend flach und niedrig ist die Heckpartie der Atlantique, wo sich um einen rückseitig verglasten Pool eine U-förmige Sitzbank rankt. Auch hier können zur Vergrößerung der Badelandschaft seitliche Rumpfsegmente aufgeklappt werden. Ein Zweitpool findet sich auf dem Vorschiff, man ist ja nicht bei armen Leuten. 


Aussichtsreich 

Mal abgesehen vom angeblich größten Jacuzzi der 90-Meter-Klasse – das Becken befindet sich hochdroben auf dem Sonnendeck - geht „DreAMBoat“ mit einem Swimmingpool auf Reisen, den alle 23 Gäste gleichzeitig nutzen könnten, ohne sich anrempeln zu müssen. Der Rundumsicht sehr förderlich ist die Tatsache, dass das Gesamtarrangement aus Pool und Polstern ein Stück höhergelegt ist. „DreAMBoat“ wurde 2019 bei Oceanco fertiggestellt. Die Schreibweise des Schiffsnamens erscheint rätselhaft, dass der Eigner sich eine ganze Etage mit eigenem Jacuzzi reserviert hat, kann man aber gut verstehen.  



Beckenbodentrick

Ein Swimmingpool lässt sich nicht nur dafür nutzen, Tausende Tonnen Wasser hineinzufüllen. Das 7,5-Meter Exemplar auf der knapp 90 Meter langen „Nirvana“ von 2012 ist dank Gegenstromanlage für ernsthaftes Schwimmtraining zu gebrauchen, verfügt aber auch über einen höhenverstellbaren Boden, so dass die Fläche nach Badeschluss als Tanzparkett oder Bühne für Unterhaltungskünstler hergerichtet werden kann. Das Wasser wird solange in einem separaten Tank gebunkert.  



Eilnachricht

Morgens in Portofino ein Champagnerfrühstück und die Sonntagszeitung zu sich nehmen, nur ein paar Stunden später an der Costa Smeralda ein Cocktailglas zu den Lippen führen – hach. Man braucht eine schnelle Yacht, damit das gelingt, das 50-Meter-Flaggschiff Mangusta 165 REV von Overmarine ist die mit Abstand schnellste dieser Zusammenstellung. Schlank, aggressiv, hochmotorisiert und von Wasserstrahlantrieben vorangepeitscht, schafft die Mangusta bis zu 34 Knoten (63 km/h). Das Frühstück nimmt man im Salon zu sich, den Cocktail am besten in Poolnähe auf dem endlos langen Vorschiff.



Balkonien

Ayrton heißt eine neue Designlinie, mit der ISA Yachts Bezug nimmt auf – Kenner ahnen es schon – die Formel 1. ISA ist eine Marke des im italienischen Yachtbau-Zentrum Ancona ansässigen Unternehmens Palumbo, vom Modell Ayrton sind drei Versionen in 50, 63 und 70 Meter Länge geplant. Hier die mittlere Größe: Mittels ausklappbarer Seitenbalkone streckt sich der Beach Club am Heck über die Wasseroberfläche hinaus, während aus einer überdimensionierten Glaswand heraus ein Wasserfall in den Pool rauscht. Drinnen gibt es noch ein Sprudelbecken, auf dem Vordeck einen weiteren Pool. So lässt es sich wahrscheinlich aushalten, wenn die Ayrton  63 mit 3600 PS, 15 Crewmitgliedern und bis zu zwölf Gästen auf Tour geht. 


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