Tech-Talk

New York im A321

EIN KOMMENTAR Von Holger Appel
Aktualisiert am 11.12.2019
 - 10:28
Wir werden uns wohl daran gewöhnen, weite Strecken mit zwei statt vier Triebwerken zu fliegen. Aber muss es ein enger A 321 sein, in den wir neun Stunden lang gequetscht werden? Hoffentlich nicht.

Wir müssen uns daran gewöhnen, weite Strecken mit zwei statt vier Triebwerken zu fliegen. Seit die Antriebe so leistungsfähig und zuverlässig geworden sind, dass sie nahezu überall in der Lage sind, binnen der gesetzlich festgelegten Höchstzeit bei Ausfall eines Triebwerks einen Ausweichflugplatz anzusteuern, fliegen die vierstrahligen A380 und Boeing 747 ihrem Ende entgegen.

Die Platzhirsche der Langstrecke heißen heute A350, Boeing 787 und Boeing 777, sie sind mit ihren beiden mehr als mannshohen Triebwerken effizienter. Niemand soll sich Illusionen machen: Viele stehen bewundernd vor der Anmut eines Jumbos, aber in den Konzernen sitzen humorfreie Buchhalter. Schönheit zählt wenig, Treibstoffverbrauch je Sitz und Meile umso mehr. Und Lärmentwicklung, weil die an vielen Flughäfen die Höhe der Landegebühr mitbestimmt.

Der Passagier mag sich trösten, dass 350, 787 und 777 viel Raum bieten und zwei Gänge. Doch nun folgt des Sparfliegens nächster Schritt. United Airlines hat 50 Airbus A321 XLR auch für Transatlantik-Routen bestellt, im Jahr 2025 sollen sie starten. A321? Richtig, das ist der Flugzeugtyp, mit dem Urlauber von Frankfurt nach Mallorca jetten oder Geschäftsleute von München nach Berlin. Airbus bringt ihm durch Änderungen an Tank, Fahrwerk, Bremsen, Reifen und Klappen langes Fliegen bei, deshalb der Zusatz XLR.

30 Prozent Kraftstoffersparnis gegenüber einem imaginären Vorgänger sowie günstige Pilotenschulung versprechen sich Anbieter und Kunde. 8700 Kilometer beträgt die Reichweite, bis zu zehn Stunden kann der A321 XLR oben bleiben. Frankfurt–New York wird möglich. An der für Kurz- und Mittelstrecke konzipierten Kabine mit einem Gang wird außer den Gepäckfächern nichts geändert. Wird nur Economy verbaut, sind 244 Sitze drin. Das tun uns die Fluggesellschaften hoffentlich nicht an. Die Beine schmerzen schon bei dem Gedanken.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot