<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Tech-Talk

Normenklatur

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 10:48

Der hundertste Geburtstag des Kriegskinds ist nicht nur Anlass für die allfälligen Würdigungen. DIN, die deutsche Industrienorm, begann ihre Regelungsarbeit am 1. März 1918. Doch nicht erst seitdem gestalten Zehntausende von Normen deutscher und Brüsseler Provenienz die Dinge, Begriffe und Verfahren unserer Wirklichkeit. Den Krümmungsradius von Salatgurken zu normieren mag lächerlich erscheinen, aber es ist schon grundlegend wichtig, sich zu einigen, welche Steigung das Gewinde einer Vierer-Schraube bei uns und unseren Nachbarn zu haben hat.

Genau da aber mischt sich ein wenig Zweifel in die Anerkennung der Notwendigkeit von Normen. Es gibt sie ja noch, die Technik, deren Gehäuse verschraubt und nicht vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme bis zum Wegwerfen einfach verklebt ist. Und es fällt auf, dass viele Hersteller das, was man nicht aufkriegen soll, mit proprietären Kreationen zuschrauben. Von den immer verzwickter geformten und plazierten Kontakten und korrespondierenden Ladebuchten elektronischen Kleingeräts ganz zu schweigen. Da werden nicht nur vorhandene Standards gescheut, sondern jede Geräte-Generation bekommt ihre höchstpersönliche Klemme zum Laden designt. Das ist die eine Dimension, in der Standardisierung nicht funktioniert. Eine zweite sei flink und vollständig analog illustriert: Notizbücher im vertrauten Format DIN A6 e haben die aus dem zweimaligen Falzen eines Schreibmaschinenblatts sich ergebenden Maße 105 × 148 Millimeter.

Doch mit einem Handgriff lassen sich an drei Exemplaren von drei Anbietern drei unterschiedlich abweichende Maße erkennen. Und schließlich gibt es noch diese Quasi-Normen, die Gewohnheitspflicht, auf Darstellungen wie Schaltflächen oder Formulierungen von Internet-Auftritten eine bestimmte Reaktion zu zeigen. Wenn man weiß, wie es geht, erscheint das bloß Übliche als „intuitiv“ Benutzbares. Und wenn nicht, fehlt einem halt die Medienkompetenz für das nicht Normierte, das sich halt so eingebürgert hat.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
  Zur Startseite