Renault Kangoo

Sesam, öffne dich

Von Boris Schmidt
08.04.2021
, 10:47
Als Lieferwagen trägt der Kangoo den Namen Express.
Kastenwagen sind angesagt. VW hat eben seinen Caddy erneuert, Renault schickt jetzt bald die dritte Generation des Kangoo auf den Markt. Der Clou: eine seitliche Schiebetür ohne B-Säule.

Eines muss man der Autoindustrie lassen: Ihr fällt immer wieder doch etwas ganz Neues ein. So lässt Renault beim kleinen Lieferwagen Kangoo, der im Sommer in dritter Generation neu auf den Markt kommt, auf der rechten Seite die B-Säule verschwinden, so dass sich nach dem Öffnen der Schiebe- und der Beifahrertür plötzlich ein 1,45 Meter breiter Zugang in den Laderaum ergibt. Dazu klappt man am besten noch den Beifahrersitz nach unten, so lässt sich außerdem die 1,90 Meter lange Ladefläche zumindest auf einer Seite auf 2,36 Meter ausweiten. Renault nennt das System ganz unfranzösisch „Open Sesame Door“. Vor allem in engen Großstädten sei das ein Vorteil, weil man nach dem Parken oft nicht mehr die Hecktüren öffnen könne.

Der Kangoo und sein Bruder Express stehen auf zwei neuen, verschiedenen Plattformen und werden wie bisher in Frankreich und Marokko gebaut. Es bleibt bei kompakten 4,40 Meter Länge, dennoch bieten beide aufgrund ihrer Höhe und dem tiefen Ladeboden ein Ladevolumen von 3,3 bis 3,7 Kubikmeter. Zu Beginn des Jahres 2022 kommt der neue Kangoo dann wie bisher auch in einer rein elektrischen Variante, und natürlich wird es wieder einen Kangoo-Personenwagen mit Rückbank und Fenster an den Seiten geben.

In Vorbereitung ist außerdem ein Kangoo Maxi mit 4,90 Meter Länge, der dann ein Ladevolumen von bis zu 4,9 Kubikmeter hat. Schiebetüren gibt es für beide Seiten, der etwas einfacher ausgestattete und noch mehr auf den gewerblichen Einsatz zugeschnittene Express muss ohne Elektrovariante und die „Sesam-Tür“ auskommen, für ihn ist zur Kraftübertragung auf die Vorderräder ausschließlich eine manuelle Sechsgang-Schaltung zu haben, drei Motoren stehen zur Wahl, ein 1,3-Liter-Benziner mit 100 PS und zwei 1,5-Liter-Diesel mit 75 oder 95 PS. Die Drehmoment-Bestwerte liegen bei 200, 220 oder 240 Newtonmetern. Beide Renault dürfen rund 700 Kilo zuladen.

Für den Kangoo, dessen Nutzfahrzeugvariante den Beinamen Rapid trägt, stehen fünf Maschinen zur Wahl, zwei 1,3-Liter-Benziner mit 100 oder 130 PS und drei Diesel mit 1,5 Liter Hubraum und 75, 90 oder 110 PS. Der elektrische Kangoo hat einen 75-kW-Motor (102 PS), die Batterie speichert bis zu 44 kWh und ist an der Gleichstrom-Säule mit 75 kW in einer dreiviertel Stunde zu 80 Prozent voll. Mit 11 kW an der Wallbox dauert Stromfassen bis zu viereinhalb Stunden. Die Reichweite wird mit 265 Kilometer angegeben, wenn der Eco-Modus genutzt wird, in dem nur 55 kW zur Verfügung stehen. Der Grad der Verzögerung beim „Gas“wegnehmen lässt sich in beiden Fahrmodi in drei Stärken einstellen.

Stolz ist Renault auf die zahlreichen Ablagen in der modernisierten Fahrerkabine, das addierte Volumen beläuft sich auf 48 Liter oder je nach Ausstattung auf bis zu 60 Liter. Das Handschuhfach ist eine Schublade, in die ein Bauarbeiter-Helm passt. Eine Zwei-Meter-Leiter oder Ähnliches kann im Kangoo in eine herausklappbare Halterung direkt unter die Fahrzeugdecke gehängt werden. Doch der Kangoo (und der Express) haben auch digitale Talente. Genannt seien nur ein Notbremssystem, autonomes Fahren auf Level 2, der Seitenwind-Assistent nebst Trailer-Assist oder eine permanente Rückfahrkamera, die so auch den Innenspiegel ersetzen kann, der bei voller Beladung oder bei Flügeltüren ohne Fenster keinen Sinn hätte.

Mehr als vier Millionen Kangoo hat Renault seit 1997 gebaut, die dritte Generation soll die Erfolgsgeschichte fortschreiben. Preise für die Fahrzeuge der dritten Generation werden noch nicht genannt. Der Express ist schon im Mai auf dem Markt, der Kangoo kann von Juni an bestellt werden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmidt, Boris
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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