Sprache

Dumm gelaufen

EIN KOMMENTAR Von Hans-Heinrich Pardey
21.06.2013
, 10:23
Die Dummheit an sich ist schwerer auszurotten als Pest und Pocken. Sprachliche Dummheiten scheinen gegen Besserungsversuche völlig resistent zu sein.
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Die Dummheit an sich ist schwerer auszurotten als Pest und Pocken. Sprachliche Dummheiten scheinen gegen Besserungsversuche völlig resistent zu sein. Das lässt sich mit dem angemessen selbstkritischen Unterton nach fast vierzig Jahren Journalismus als gesicherte Erfahrung mitteilen. Wie viele von niemand mit betrauerte kleine Kränkungen des Sprachempfindens! Verloren die Schlacht um das immer noch als potthässlich empfundene denglische Kunstwort Pedelec, das es gar zum Gattungsbegriff mit verkehrsrechtlich genau umrissenem Inhalt geschafft hat.

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Vergebens der Kampf um das männliche Genus des Notebook, weil er schließlich kein Notizbuch und Neutrum, sondern ein Rechner oder auch Computer und damit der Notebook ist. Vergessen der Streit um die Bedieneroberfläche, die allenfalls die Haut dessen ist, der auf dem Touchscreen herumpatscht. Wer will noch wissen, dass es selbstverständlich der Schraubendreher und nicht der Schraubenzieher heißt? Und in der ersten Grundschulklasse der Journalistenschule wird gelernt, dass evakuieren entleeren bedeutet, weswegen man Häuser, Quartiere, Ortschaften, ja ganze Landstriche evakuieren kann, Menschen aber nur mit nachteiligen Folgen für die Geretteten. Und was erleben wir in diesen schlimmen Wochen des Hochwassers? Menschen müssen in allen betroffenen Bundesländern und auf allen Kanälen evakuiert werden, noch dazu „aus ihrer gewohnten Umgebung“. Dagegen helfen weder Dämme noch Sandsäcke, sondern allenfalls: Denken.

Quelle: F.A.Z.
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