Beleuchtung am Fahrrad

Von strahlenden Neuheiten und alten Bekannten

Von Hans-Heinrich Pardey
19.09.2021
, 08:24
Seite an Seite: Vorbilder von Trelock und Sigma, Nachempfindungen von Velmia und Zündapp
Auf die richtige Fahrradbeleuchtung kommt es an – erst Recht, da die Tage wieder spürbar kürzer werden. Deutsche Hersteller punkten bei dem Thema mit Ideen, andere mit ihren Preisen.
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Die richtige Fahrradbeleuchtung bleibt ein spannendes Thema, und das nicht nur, weil die Tage gerade wieder spürbar kürzer werden. Auf der Messe Eurobike, die Anfang des Monats in Friedrichshafen zu Gast war, hat Beleuchtungsspezialist Busch & Müller gezeigt, wie man etwa das Kurvenlicht fürs Pedelec verbessern will, was, wie üblich, technisch aufwendiger ist. Die höhere Geschwindigkeit des Elektrorads lässt mit unangenehmer Deutlichkeit erkennen, dass ein starr montierter Scheinwerfer, sobald man sich in die Kurve legt, nicht dahin leuchtet, wohin man fährt. Ein unauffälliges Kästchen namens Leval (rund 75 Euro) soll das Lichtfeld nun schön waagrecht auf der Fahrbahn halten, wenn das Fahrrad sich bei der Kurvenfahrt neigt.

Leval wird zwischen den Halter des Scheinwerfers und das Lampengehäuse montiert. Das Innenleben der Neuheit besteht aus einem siebenfach kugelgelagerten Motor, der die Leuchte stabilisiert. Das Prinzip entspricht dem eines Gimbal, mit dem bewegte Videokameras durch Ausgleichsbewegungen in mehreren Achsen ruhig gehalten werden. Leval ist nachrüstbar und soll schon im November lieferbar sein. Der Motor erfordert eine Stromversorgung, weswegen zunächst nur der Einsatz am Elek­trorad, und zwar am Pedelec, nicht an den schnellen 45-km/h-Leichtkrafträdern, vorgesehen ist.

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Einen Eurobike Award räumte Sigma Sport aus Neustadt an der Weinstraße ab. Die Pfälzer haben mit dem „Aura 100/Blaze Link“-Set, das von Dezember an für rund 100 Euro lieferbar sein wird, eine Unbequemlichkeit der Akku- und Batteriebeleuchtung gelöst. Den Frontscheinwerfer kann man bekanntlich locker während der Fahrt am Lenker einschalten. Für den Knopfdruck am roten Rücklicht war dagegen mindestens etwas Akrobatik mit dem Griff zur Sattelstütze, meist aber kurzes Halten und Absteigen erforderlich. Im schlanken Rück- und Bremslicht Blaze gab es zwar schon einen Helligkeitssensor, der das Einschalten besorgte – mit der Folge, dass der Akku im dunklen Keller leerlief, falls man das Abschalten vergaß. Doch nun kommuniziert der auf 100 Lux gesteigerte Frontscheinwerfer mit dem Rücklicht. Man sieht vorn am Lenker, wie es um den Akkustand hinten bestellt ist, und kann das Rücklicht von vorn ein- und ausschalten.

Verkaufsfördernder Hinweis „StVZO-konform“

Bis vor kurzer Zeit war der Markt für Fahrradbeleuchtungen sozusagen zweigeteilt: Hier standen die namhaften deutschen Hersteller wie Busch & Müller, Trelock oder Sigma Sport, deren Lobbyarbeit mit den Branchenverbänden dazu führte, dass Akku- und Batteriebeleuchtungen allgemein erlaubt wurden und nicht mehr nur den Rennrädern vorbehalten blieben. Diese Anbieter hatten, als es so weit war, auch sofort Leuchten mit dem verkaufsfördernden Hinweis „StVZO-konform“ parat und ließen sie sich gut bezahlen. Und dort existierte, weniger im Fachhandel als im Netz, ein Riesenangebot wesentlich preisgünstigerer Leuchten, die zuweilen auch blinken, pulsieren oder die Farbe wechseln konnten. Das war und ist nicht erlaubt, wurde aber fleißig verkauft. Technisch konnten sie häufig nicht mit Made in Germany mithalten.

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Inzwischen sind aber im Netz etliche Beleuchtungen zu entdecken, die aus Fernost stammen, aber ein deutsches Prüfzeichen – das K mit der Wellenlinie und eine Nummer – tragen. Dementsprechend blinken sie auch nicht im Wechsel blau und rot wie der Secret Service, sondern beschränken sich auf das hierzulande Erlaubte. Manche dieser ausgesprochen preisgünstigen Beleuchtungen tragen gute, alte Markennamen oder finden sogar Gnade vor den Augen der Stiftung Warentest. „Gut (2,0)“ gab es im Herbst 2020 für das Leuchtenset mit Rücklicht von Velmia für rund 45 Euro. Laut eigener Firmengeschichte ist die Marke ein Kind der Oberpfalz, Velmia International residiert in Larnaka auf Zypern, gefertigt wird das Lampenset in China.

Innovativ ist das Set aber allenfalls beim niedrigen Preis, die beiden Leuchten wirken älteren Produkten deutscher Marken stark nachempfunden. Der Scheinwerfer wirkt wie eine verkleinerte Version einer Leuchte des Münsteraner Herstellers Trelock, das Rücklicht ähnelt dem Blaze von Sigma. Die Ähnlichkeit ist bei dem Rücklicht eines weiteren Lampensets noch auffälliger, das unter dem Markennamen Zündapp vertrieben wird und sich ebenfalls Trelock zum Vorbild genommen hat. Und in noch einem Punkt sind die preisgünstigen Leuchten alles andere als innovativ: Die Befestigungen sind noch unpraktischer als bei den Vorbildern.

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Quelle: F.A.Z.
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