Wäscheschleuder von Centri

Trocknen zum Schleuderpreis

Von Lukas Weber
22.07.2021
, 17:29
Gut abgehangen: Wenn die Wäscheschleuder kräftig Vorarbeit leistet, geht der Rest auf der Leine ganz geschwind.
Zugegeben, die separate Wäscheschleuder ist ein wenig aus der Mode gekommen. Dabei lässt sich mit ihr Zeit und Strom sparen.

Manche Haushaltsgeräte sind aus der Mode gekommen, für bestimmte Anwendungen können sie aber praktisch sein. So gibt es nicht mehr viele Hersteller, die Wäscheschleudern im Programm haben. Kein Wunder, moderne Waschmaschinen überbieten einander in der Schleuderleistung, wobei im Grunde gilt: je höher die Drehzahl, desto trockener die Wäsche. Das erspart dem Trockner Arbeit oder verkürzt die Zeit auf der Leine, allerdings verknittert empfindliche Kleidung mehr.

Wäschetrockner brauchen viel Strom, weil überall dort, wo Wärme erzeugt wird, der Energiehunger besonders groß ist. Da müsste doch, wenn man der Wäsche mit noch höherer Drehzahl den letzten Rest Wasser abpresst, weiteres Einsparpotential schlummern. Damit wirbt der Hersteller Robert Thomas aus Neunkirchen, er hat solche Spezialisten in zwei Größen im Programm. Wir haben also die Centri 776 in der Luxusvariante mit Edelstahlgehäuse für rund 250 Euro einmal ausprobiert.

Das zylinderförmige Gerät von 33,5 Zentimeter Durchmesser und 66 Zentimeter Höhe wiegt nur etwa elf Kilo. Die Trommel steht senkrecht, dort hinein stopft man die feuchten Kleidungsstücke fest bis knapp unter den Rand, so kann keine Unwucht entstehen. Sie fasst im größeren Modell 4,5 Kilo Trockenwäsche, im kleineren sind es 3,5. Wer sie entgegen der Anleitung befüllt, provoziert einen unrunden Lauf, im Extremfall schlägt die elastisch aufgehängte Trommel dann ans Gehäuse, sodass der Bediener sofort freiwillig abbricht.

2800 Umdrehungen pro Minute sind nichts für zarte Textilien

Das Starten und Stoppen geht einfach über den Verschlusshebel des Deckels. Ist die Schleuder richtig befüllt, läuft sie sanft an und nimmt mit einem dezenten Surren Fahrt auf, bis die Maximaldrehzahl von 2800 /min erreicht ist. Das ist erheblich mehr, als moderne Waschmaschinen erreichen, allerdings ist der Durchmesser der Trommel mit rund 26 Zentimetern kleiner. Zum Vergleich: Die vor kurzem gekaufte heimische Waschmaschine schleudert mit bis zu 1600 /min, hat aber 49 Zentimeter Innendurchmesser der Trommel für 7 Kilo Wäsche. Hierzu muss man wissen, dass sich mit doppeltem Durchmesser die Zen­trifugalkraft ebenfalls verdoppelt, mit zweifacher Drehzahl aber vervierfacht. Die Schleuder läuft trotz der enormen Umdrehungen ruhig und vibrationsarm. Sie ist laut Anbieter für alle Wäschesorten geeignet und hat in unseren Versuchen nichts beschädigt, äußerst zarte teure Textilien würden wir aber trotzdem nicht den hohen Zentrifugalkräften aussetzen.

Hier gehts rund: Thomas Centri 776 SEK
Hier gehts rund: Thomas Centri 776 SEK Bild: Thomas

Das Prinzip der Wasserabführung ist stets gleich. Es wird durch Löcher in der Trommelwand nach außen gedrückt. Die Centri hat im unteren Drittel einen Stutzen, aus dem nach wenigen Sekunden ein Schwall Wasser austritt. Das dauert je nach Feuchte der Wäsche eine halbe Minute bis drei Minuten, am Ende tröpfelt es nur noch. Ist im Waschkeller kein Ablauf im Boden angebracht, muss eine Schüssel herhalten. Deren Rand darf aber nicht höher als 18 Zentimeter sein.

Jeden Tropfen, den die Schleuder herausholt, muss der Trockner nicht mehr beseitigen

Entscheidend für die Frage, wie lange der Trockner bemüht werden muss oder die Wäsche an der Leine hängt, ist die Restfeuchte, also die Relation von Wasser zu Trockengewicht. Enthält ein Wäschestück von einem Kilo Gewicht noch einen halben Liter Wasser, entspricht das 50 Prozent. In Abhängigkeit von der Schleuderdrehzahl und bei gleichem Trommeldurchmesser der Waschmaschine werden für 1000 /min etwa 60 Prozent, für 1400 /min 50 und für 1600 /min rund 45 Prozent Restfeuchte angegeben. Die Wäscheschleuder von Thomas soll 40 Prozent erreichen, mehr ist mit Schleudern kaum möglich.

Der Vorteil der Centri für die heutzutage eher seltene Handwäsche ist offensichtlich, aber was bringt das Gerät für die Besitzer einer Waschmaschine? Es kommt drauf an. Laut Anbieter lassen sich aus einer mit 1200 /min geschleuderten Waschmaschinenladung weitere 0,3 Liter Wasser herausholen. Das kommt hin, wir ermittelten nach 600 /min 1,2 Liter und bei voller Drehzahl von 1600 /min nicht mehr als 0,1 Liter. Jeden Tropfen, den die Schleuder herausholt, muss der Trockner nicht mehr beseitigen. Nach einer Faustformel werden je 10 Prozent Restfeuchte 0,5 bis 1,5 kWh benötigt. Der Energieverbrauch der Schleuder ist demgegenüber gering, der Motor hat eine Leistungsaufnahme von 350 Watt, und er läuft nur kurz. Mit einer separaten Wäscheschleuder lässt sich also Strom sparen, und zwar umso mehr, je feuchter die Wäsche sonst beim Gang in den Trockner wäre.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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