Besseres Licht am Auto

So kommt die Erleuchtung

Von Lukas Weber
23.01.2021
, 17:06
Mehr Licht vor dem Auto, weil die Halogenlampen zu funzelig sind? Das geht, mehrere Lösungen stehen zur Wahl. Doch schlechter Rat kann da teuer werden.

Wer in diesen Tagen mit einem modernen Auto unterwegs ist, genießt in aller Regel den Fortschritt in der Lichttechnik. Dank Xenon, LED oder Laser gibt es auch nachts viel zu sehen, was den Besitzern älterer Modelle und einiger neuer, an denen die Entwicklung vorbeigegangen ist, verborgen bleibt. Denn Halogenlampen in der Ausführung H 7 und H 4 sind im Vergleich trübe Funzeln, dass sie oft nicht lange durchhalten, macht auch keine Freude.

Kein Wunder also, dass der Ruf nach mehr Licht erschallt. Der einfachste Weg ist der Griff zu originalgetreuen Leuchtmitteln, aber in gehobener Ausführung. Die gibt es von namhaften Herstellern in vielen Varianten, allen gemeinsam ist eine etwas höhere Lichtausbeute und statt des gelblichen Leuchtens ein eher weißes Licht, das heller erscheint, selbst wenn es das gar nicht ist. Wir haben in den vergangenen Jahren einige davon ausprobiert und eine deutliche Verbesserung empfunden, allerdings auf Kosten der Lebensdauer. Da die speziellen Lampen viel teurer sind als Standardware und der Wechsel eine lästige Fummelei ist, entstand bald der Wunsch nach Besserem.

So etwas gibt es in Form von Lampen mit dem gleichen Sockel, aber LED als Leuchtmittel, in reichhaltiger Auswahl im elektronischen Kaufhaus. Alle haben zwei Gemeinsamkeiten: Das Ende mit den Steckern ziert ein Knubbel, in dem meist ein Ventilator steckt, der die Lampe kühlen soll, denn entgegen landläufiger Annahme entwickeln die starken LED Hitze, die ihnen auf Dauer nicht bekommt. Zum Zweiten fehlt es solchen Retrofits an einer Zulassung für den Straßenverkehr. Wer sie trotzdem benutzt, ist illegal unterwegs, Ordnungshütern, die Fahrzeugkontrollen machen, sind die Unterschiede bekannt. Eine Ausnahme gibt es: Osram hat für seine Night Breaker LED H 7 eine Zulassung bekommen, freilich nur für bestimmte Fahrzeuge – die bei Osram online abrufbare Liste wächst, es stehen aber nur verbreitete Modelle darauf. Die Einzelzulassung ist notwendig, weil die LED im Gegensatz zur Halogenlampe nicht rundum abstrahlen, Retrofit-Leuchtmittel sind deshalb aus mehreren LED zusammengesetzt. Dass sie im für Halogenlampen entworfenen Scheinwerfer nicht blenden, muss deshalb jeweils einzeln geprüft werden.

Wenn es passt, erhält der Kunde für wenig mehr als hundert Euro ein kaltweißes Licht von 6000 Kelvin (Tageslicht hat etwa 5500) statt der rund 3000 bis 3500 K einer normalen Halogenlampe, laut Anbieter die fünffache Lebensdauer und im Vergleich zur Mindestanforderung der Norm (ECE R 112) bis zu 220 Prozent mehr Licht. Das alles bei einem Strombedarf von 19 Watt, eine H 7 hat 55 Watt. Zwar ist der gesamte Lichtstrom mit 1500 Lumen (lm) nicht größer als jener der Halogenlampe, von der geht aber viel als Streulicht verloren. Die LED bieten dagegen einen scharf begrenzten Lichtkegel.

Wer sein Fahrzeug nicht auf der Liste entdeckt, muss vielleicht dennoch nicht verzagen. Viele Fahrzeuge leuchten die Entgegenkommenden nachts mit großen runden Augen an, es ist so gut wie immer die Standardgröße 7 Zoll. Sie findet sich bei Old- und Youngtimern vom Austin Mini bis zum Porsche 911, vielen Nutzfahrzeugen, einigen Geländewagen wie Jeep Wrangler, Mercedes G und Suzuki Jimny sowie Quads und Motorrädern. Die werden zum Teil schon serienmäßig oder gegen Aufpreis mit LED-Scheinwerfern ausgeliefert, wenn nicht, lässt sich nachrüsten. Das geschieht mit dem Segen der Zulassungsstelle, gängige Exemplare haben eine Allgemeine Betriebserlaubnis und brauchen deshalb noch nicht einmal vom TÜV abgenommen zu werden. Der Austausch ist in den meisten Fällen keine anspruchsvolle Bastelei, die richtige Einstellung ist allerdings die Voraussetzung für einen blendfreien Betrieb.

Deshalb ist Kühlung notwendig

Der Umbau ist trotzdem nicht immer problemlos. An manchen Automodellen neigen einige LED-Scheinwerfer zum Flackern, dann ist ein zusätzliches elektronisches Bauteil notwendig. Weil die LED nur etwa ein Drittel des Stromverbrauchs von Halogenlampen haben, entsteht weniger Hitze. Nach langen Standzeiten kann sich durch kleinste Undichtigkeiten Kondenswasser im Scheinwerfer bilden, das nur schwer verdampft. Außerdem werden die LED gern blind, wenn sie von Schnee zugesetzt sind und das Auto keine Reinigungsanlage hat. Der amerikanische Hersteller JW Speaker bietet deshalb ein Modell mit Heizdrähten an, die aber das Lichtbild etwas stören. Andererseits ist die Hitzeentwicklung dann doch so groß, dass die LED Schaden nehmen kann, deshalb ist Kühlung notwendig. Die Leistung lässt mit der Zeit ohnehin nach, seriöse Anbieter gleichen das über viele Betriebsjahre durch elektronische Steuerung aus.

Das alles spricht deutlich gegen Billigangebote aus dem Online-Handel, selbst wenn sie anfangs ein brauchbares Licht abgeben sollten. Sie kommen aus Fernost, tragen mitunter Namen, die ähnlich jenen der bekannten Marken klingen, und sehen fast genauso aus. Oft haben sie sogar eine Zulassungsnummer, die irgendwie zustande gekommen sein kann – neben der E-Nummer sind in Europa auf Scheinwerfern eine Reihe von Angaben vorgeschrieben, die den Verwendungszweck betreffen, beim Kauf zum Beispiel in Amerika fehlen diese, ebenso sind für Länder mit Linksverkehr vorgesehene Modelle wegen des asymmetrischen Abblendlichts hierzulande ungeeignet. Wie diverse Vergleiche auf Videoplattformen zeigen, sind viele der Billigheimer schon im Neuzustand Schrott, wer sie kauft, hat am falschen Ende gespart.

Produktion in Fernost muss indessen bei entsprechender Qualitätskontrolle kein Makel sein, auch die großen Hersteller lassen zum Teil dort produzieren. Die bekanntesten Anbieter kommen aus Amerika, neben den genannten JW Speaker sind das Vision X und Trucklite, aber es gibt auch die deutschen Marken Nolden und Lightpartz, die Preise je Scheinwerfer liegen zwischen etwa 300 Euro und 500 Euro. Welche soll man nehmen? Besser als die Standard-Halogen sind sie allesamt. Erstes Kriterium ist für manche das Aussehen, denn nur LED-Scheinwerfer mit Reflektor ähneln den Originalen. Projektion liefert nach Ansicht mancher Fachleute ein etwas besseres Lichtbild, die Scheinwerfer sehen aber aus wie Fischaugen. Zweitens ist die Frage zu klären, ob Stand- und Tagfahrlicht integriert sein sollen. Nur auf die Lumen zu achten reicht nicht, wichtig sind die Lichtverteilung und eine homogene Ausleuchtung; manche LED neigen zu Abschattungen, das Lichtbild wirkt dann fleckig, obendrein gibt es Serienstreuung. Man achte außerdem darauf, ob die angegebenen Lumen ein errechneter oder der stets niedrigere effektive Wert sind. Mehr als 2000 lm darf der Scheinwerfer übrigens nicht haben, sonst braucht er eine Reinigungsanlage und eine automatische Leuchtweitenregelung.

Hilfreich kann es sein, sich den Beam der ersehnten Leuchte zu beschaffen, er zeigt, wie viel Beleuchtungsstärke in Lux in welcher Entfernung ankommt (siehe Grafik). Am besten wäre freilich ein Vergleich in der Praxis, der sich aber schwer realisieren lässt. Oder man wartet noch. Wie zu hören ist, will in diesem Jahr ein großer europäischer Leuchtmittelhersteller eine eigene Lösung für die Rundscheinwerfer mit fünf Jahren Garantie anbieten.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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