Bosch-Akkustaubsauger im Test

Mit dem Zweiten saugt man länger

Von Marco Dettweiler
Aktualisiert am 14.11.2018
 - 10:44
Akkustaubsauger Unlimited von Boschzur Bildergalerie
Akkustaubsauger wollen mit exklusiven Merkmalen punkten. Der Unlimited von Bosch schafft es mit einem austauschbaren Akku und geht damit vorerst in Führung.

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Handstaubsauger mit Akkubetrieb weniger taugen und kein Ersatz für einen mächtigen Bodenstaubsauger sind. Das ist so nicht richtig. Um etwas zu differenzieren: Es gibt Geräte, die nichts taugen. Aber es gibt genügend Akkustaubsauger, die als Hauptgerät für den Haushalt zu empfehlen sind. Wir haben einige davon in den vergangenen Jahren getestet. Insofern sei an dieser Stelle diese Gerätegattung noch einmal nachdrücklich empfohlen. Meist zeichnet sich ein Produkt durch eine Besonderheit aus. Der Unlimited von Bosch hat eine exklusive Funktion, die im täglichen Gebrauch überzeugt und die wir uns schon seit längerem von diesem Hersteller gewünscht haben. Das Gerät hat als Energieversorger eine Lithium-Ionen-Batterie, die sich austauschen lässt.

Dem Premium-Paket „BBS1U224“ für 750 Euro, das im Internet für rund 500 Euro zu haben ist, liegt ein zweiter Akku ebenso bei wie ein Ladegerät. Es gibt zudem eine Variante ohne dieses Zubehör für unverbindliche 500 Euro und 380 Euro im Online-Handel. Diese ist interessant für all jene, die schon ein Ladegerät von Bosch nutzen. Denn der Unlimited erfordert das gleiche „18-V Power for all System“ wie die Akkuschrauber, Heckenscheren, Winkelschleifer und weitere Geräte aus der grünen Serie von Bosch. Umgekehrt bedeutet dies: Wer den Bosch-Staubsauger erworben hat, wird beim Kauf eines neuen Gerätes wegen des einheitlichen Akku-Systems von der gleichen Marke gelockt. Damit spielt Bosch einen Vorteil aus, den momentan wohl nur Black & Decker ähnlich geschickt nutzen könnte. Das zu Stanley gehörende Unternehmen hat ebenfalls Elektrogeräte für den Heimwerkerbedarf und akkubetriebene Haushaltsgeräte im Programm.

Aufgrund des austauschbaren Akkus wird die Frustrationsschwelle im Alltag selten überschritten. Man schnappt sich den Unlimited, saugt drauflos, und wenn die Batterieanzeige rot blinkt, hält man den Zweitakku bereit, um dann den leeren und den vollen Akku mit zwei schnellen Handgriffen zu tauschen. Betreibt man den Staubsauger im Turbomodus, wird der Batteriewechsel nach knapp dreizehn Minuten notwendig. Saugt der Unlimited ohne den Booster, reicht seine Energie für etwa eine Stunde. Am besten steckt man den leeren Akku immer direkt ins Ladegerät, dann ist dieser nach knapp einer Stunde wieder einsatzbereit. Dabei kommt das Ladegerät mit seinen 3 Amperestunden ganz schön ins Schwitzen, sodass ein Ventilator lautstark für Kühlung sorgt. Während des Saugens stört das Geräusch nicht. Ist der Staubsauger ausgeschaltet, sollte man das Ladegerät nicht in den gleichen Raum stellen, in dem man sich aufhält.

Nun sind Saugszenarien vorstellbar, bei denen der Vorgang mit dem zweiten Akku so lange dauert, dass dieser sich geleert hat, bevor der erste wieder vollständig geladen ist. Das wäre dann eine Säuberungsaktion im Turbomodus von zirka 25 Minuten. Damit lässt sich möglicherweise ein großes Haus auf einmal nicht bewältigen. Sollte die Notwendigkeit bestehen, würden wir empfehlen, seltener den Booster zuzuschalten. Denn die Erfahrung zeigt, dass der normale Modus häufig ausreicht. Es sind nicht nur Krümel auf dem Tisch oder Fusseln an den Kissen, die sich damit entfernen lassen. Der Wechsel zwischen den beiden Modi gelingt leicht. Die Taste dafür ist in Reichweite des Daumens. Angeschaltet wird der Unlimited mit dem Zeigefinger, was sich anfühlt, als würde man an einer Pistole den Abzug drücken. Im Gegensatz zum Dyson und anderen Staubsaugern rastet die Taste ein, sodass sich der Zeigefinger während des Saugens entspannen kann. Ebenso erfreulich ist, dass während des Saugens dem Nutzer keine Luft ins Gesicht oder sonst irgendwohin geblasen wird. Während vergangener Tests ist uns das häufiger passiert. Der Unlimited führt die Luft unterhalb des Handgriffs links und rechts breitflächig ab, sodass man mit dieser nicht in Kontakt kommt.

Die Saugleistung ist souverän. Auf dem Parkettboden durfte ein Bodenstaubsauger mit Strippe und Beutel während der Testtage im Schrank verweilen. Und auf Teppichboden brauchten wir den Standardstaubsauger auch nicht. Selbst großzügig verteilter Sand ist keine Hürde für den Unlimited. Er lässt sich mit wenigen Zügen im Turbomodus aufsaugen, im schwächeren normalen Modus dauert es nicht viel länger.

Trotz schlanker Figur stabil und wertig

Wendigkeit des Bürstenkopfes und Komfort beim Arbeiten hängen in der Beurteilung stark von der körperlichen Konstitution des Nutzers ab. Der Unlimited lässt sich mit etwas Muskelkraft in Hand und Arm recht locker durch die Wohnung schieben. Nach einer Viertelstunde Staubentfernung spürt man die getane Arbeit. Dysons Modelle und andere Leichtgewichte beanspruchen weniger Kraft vom Nutzer. Das Gehäuse ist verwindungssteif genug, damit durch das Drehen und Wenden kein Druck auf die Teile kommt, die brechen könnten, was bei anderen Staubsaugern schon passiert ist. Überhaupt wirkt der Unlimited trotz seiner schlanken Figur stabil und wertig.

Er lässt sich schnell auseinanderbauen. Mit einem Knopfdruck wird er zum kurzen Handstaubsauger, der sich zum Krümelentfernen oder Ähnlichem eignet. Geschickt gemacht von Bosch ist das schräge Ende des kurzen Rohrs, von dem das lange abgezogen wird, weil somit Handhaltung und Auflagefläche gut zueinanderpassen. Bei Bedarf helfen eine Fugendüse, ein Möbelpinsel und eine breite Polsterdüse für besondere Situationen. Weil der Bürstenkopf flach gehalten ist und das Gelenk zulässt, dass man das Rohr so weit Richtung Boden senken kann, bis es nahezu parallel zu diesem steht, taugt der Unlimited auch für das Saugen unter Schränken oder dem Bett. Philips gewinnt allerdings mit seinem Speed Pro Max noch ein wenig mehr Reichweite, weil das Gehäuse sich nur nach oben ausbreitet und somit das Rohr fast auf dem Boden liegt, wenn unter den Möbeln gesaugt wird.

Bei Hand-Akkustaubsaugern gibt es unterschiedliche Wege, den im Behälter gesammelten Dreck und Staub zu entsorgen. Hier ist es schnell gemacht. Mit einem Klick wird der Behälter freigelegt, der Deckel kann abgenommen werden, an dem der Feinstaubfilter befestigt ist. In diesem steckt der Hepa-Filter mit seinen Falten. Es gibt also letztlich drei Staubauffangebenen. Die letzte, der Hepa-Filter, sollte man im Freien, also auf dem Balkon oder der Terrasse, säubern. Durch die Rotation des roten Griffs geraten die Lamellen ins Schwingen und entledigen sich des Feinststaubes. Die Bürste am Fuß kann ebenfalls leicht entfusselt werden. Einfach kurz entriegeln und herausziehen.

Nun kann es trotz der vielen Funktionen der Unlimited nicht allen recht machen. Wer während seiner Recherche gesehen hat, dass es bei mehreren Anbietern eine LED-Leiste gibt, um unter dem dunklen Schrank noch das letzte Staubkorn sehen zu können, der Bürstenkopf bei manchen so konstruiert ist, dass er auch beim Zurückziehen Staub aufnimmt, ein Hersteller eine Teleskopstange verwendet, damit jeder Nutzer seine optimale Höhe einstellen kann, und ein Unternehmen spezielle Aufsätze für Tierhaare anbietet, wird diese Funktionen beim Unlimited vermissen. Die Frage ist, ob man sie braucht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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