Brooks Fahrradsattel

Traditionsbruch gelungen

Von Alan Klee
23.07.2020
, 17:32
Das britische Unternehmen Brooks ist vor allem für formschöne Ledersättel bekannt. Mit dem Cambium All Weather Sattel kommt erstmals Kautschuk statt Leder zum Einsatz.

Der Name Brooks steht für lederne Fahrrad-Historie. Zwar setzte der Gründer John Boultbee Brooks 1866 zunächst aufs Pferd, rückte aber einige Jahre später das Stahlross in den Mittelpunkt seines Schaffens. Sein erstes Sattelpatent ist auf das Jahr 1882 datiert. Seitdem ist das britische Unternehmen vor allem für formschöne Ledersättel bekannt, an denen sich Ästheten und Vielfahrer gleichermaßen erfreuen. Vor allem unter Reiseradlern gilt ein gut eingefahrener Ledersattel trotz seiner Pflegebedürftigkeit oft als das Maß der Dinge.

Der Modernisierung, Technisierung und Diversifizierung von Fahrrädern in den vergangenen drei Jahrzehnten standen die Traditionalisten von Brooks erst tatenlos gegenüber. Mit dem Cambium All Weather Sattel ist allerdings der Coup gelungen, einen modernen Sattel auf den Weg zu bringen, der die Brooks-Geschichte weiterschreiben kann.

Als Basis dient vulkanisierter Naturkautschuk, der mit einem Nylonbezug in beinah textiler Haptik und Struktur überzogen ist. Ganz nach dem Vorbild der Ledersättel funktioniert dieses flexible Konglomerat in Kombination mit dem schwarzen Edelstahlgestell wie eine Hängematte und bietet dementsprechend hohen Fahrkomfort, so der Hersteller. Obendrein entfallen angeblich Einfahrzeit und Pflege. Der Sattel sei, wie der Name schon vermuten lässt, witterungsbeständig. Die Formensprache samt den typischen Nieten und einem geprägten Schriftzug am Heck ist klar den Briten zuzuordnen.

Also nur Vorteile? Der Umstieg von Leder auf Kautschuk gestaltet sich zunächst wortwörtlich hart. Auf täglichen Pendeldistanzen zwischen fünf und 20 Kilometern wirkt der Cambium sportlich, aber nicht unbequem. Als der Herbst kommt. haben sich Sattel und Gesäß längst angefreundet. Die niedrigen Temperaturen scheinen sich beim Anfahren zwar auch auf die Flexibilität des Materials auszuwirken, doch schon nach wenigen Kurbelumdrehungen ist der straffe Komfort wiederhergestellt. Im Winter trotzt der Cambium Wind und Wetter. Der alte Regenüberzug aus Leder-Zeiten hat ausgedient. Wegen der leichten Struktur bleibt bei Regen allerdings ein zu vernachlässigender Hauch von Feuchtigkeit auf der Oberfläche.

Im Frühjahr eine erste Bilanz: Der rauhe, urbane Alltagseinsatz hat optisch keinen Tribut gefordert. Qualitative Zweifel gibt es keine. Über den Sommer stehen längere Touren auf der Agenda. Das ist eigentlich Leder-Brooks-Domäne. Selbst nach Etappen jenseits der Hundert-Kilometer-Marke steigt man am nächsten Tag wieder gern aufs Rad. Das galt bisher einzig für den eingefahrenen Ledersattel. Auch auf Mountain- und Gravelbikes muss er sich bewähren und macht alles klaglos mit, ohne das Fahrergesäß zu malträtieren.

Zwei Jahre Dauereinsatz und entsprechend viele Kilometer haben kaum Spuren an dem in Italien produzierten Sattel hinterlassen. Mit knapp 80 Euro Marktpreis ist der C17 All Weather ein preiswerter Rundum-sorglos-Sattel für viele Einsatzzwecke, der sowohl optisch wie auch funktional auf ganzer Linie überzeugt. Mittlerweile ist die Cambium-Reihe in unterschiedlichen Farben, Breiten und sogar mit leichtgewichtigen Carbon-Streben verfügbar.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot