Bye-bye, Birne

Das Aus für die Glühbirne

Von Ulrich Hnida
31.08.2009
, 10:00
Ab September sollen die Glühlampen nur noch energiesparend leuchten
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Der Glühlampe geht es jetzt an den Kragen. Viele Birnen, darunter alle mattierten und auch glasklare mit mehr als 75 Watt Leistung, dürfen ab sofort von den Herstellern nicht mehr ausgeliefert werden. Zur Torschlusspanik besteht kein Anlass.
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Fast scheint die Situation dramatisch. Von Hamsterkäufen liest man seit Wochen in den Medien. Doch nicht unser tägliches Brot ist das Ziel der Begierde - die gute alte Glühlampe ist es, die die Menschen in die Baumärkte und Elektroshops treibt. Denn der Glühlampe geht es nach dem 31. August an den Kragen. Viele Glühlampen, darunter alle mattierten und auch glasklare mit mehr als 75 Watt Leistung, dürfen dann von den Herstellern nicht mehr ausgeliefert werden. „Schuld“ ist die Europäische Union, die mit ihren im vergangenen Dezember formulierten Energieeffizienz-Kriterien für die Haushaltsbeleuchtung bis 2012 das stufenweise Aus des ineffizienten, aber liebgewordenen Leuchtmittels angestoßen hat. Man stört sich einfach daran, dass nur fünf Prozent des Stroms, der benötigt wird, in Licht umgesetzt werden.

Der „Sturm auf die Regale“ hat inzwischen Marktforscher, Verbraucherverbände und sogar das Umweltbundesamt (UBA) auf den Plan gerufen. Sie loben nicht zum ersten Mal die Energiesparlampen als kostengünstigere und umweltverträglichere Alternative. Folgt man einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, schert das die Verbraucher allerdings wenig. Die haben, das drohende Glühlampen-Aus vor Augen, noch mal kräftig in die Verkaufsregale gegriffen: Demnach soll der Absatz von Glühlampen in Deutschland zwischen Januar und April um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen sein, während der Absatz von Energiesparlampen um zwei Prozent sank.

Gekaufte Lampen dürfen zu Hause benutzt werden

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Dabei besteht zur Torschlusspanik kein Anlass. Lagerbestände dürfen auch von September an noch verkauft werden. Und natürlich dürfen gekaufte Lampen zu Hause auch benutzt werden. Bei Osram geht man davon aus, dass die Lagerbestände bei einer Vielzahl von Händlern erst in drei bis vier Monaten aufgebraucht sein werden. Überdies wird es eine ganze Reihe von „Überlebenden“ im Glühlampensektor geben. Lampen für spezielle Anwendungen zum Beispiel in Kühlschränken, Backöfen oder für Fahrräder zählen dazu. Auch Leuchtmittel mit Lichtströmen unter 60 Lumen sind von der Regelung ausgenommen. Gleiches gilt für farbiges Licht.

Die namhaften Hersteller wie Osram, Philips oder Megaman beobachten den Run auf die Glühlampe recht gelassen. Unisono versuchen sie, Vorurteile gegenüber effizienteren Leuchtmitteln wie den Kompaktleuchtstofflampen abzubauen. Nennenswerte Auswirkungen auf die Produktion hatten die Hamsterkäufe hierzulande sowieso nicht, denn der Glühlampen-Run ist ein überwiegend deutsches Phänomen. Lediglich in Österreich verhält es sich ähnlich. In fast allen anderen EU-Ländern sinkt der Glühlampen-Absatz - in Frankreich um 8,6 Prozent, in Großbritannien um 22,5 Prozent und in den Niederlanden gar um 34,5 Prozent.

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Kaum eine Veränderung der Nachfrage

So spürt man bei Osram, das die Glühlampen für Europa im Werk Molsheim nahe Straßburg produziert, kaum eine Veränderung der Nachfrage. Die betroffenen Linien laufen bis zum Lieferstopp Ende August normal weiter. Danach wird die Produktion umgestellt, zum Beispiel auf andere Wattzahlen, was sich recht problemlos zum Beispiel durch einen Austausch der Glühlampenwendel bewerkstelligen lässt. Bei den Absatzzahlen spielen Glühlampen für die Hersteller sowieso schon eine untergeordnete Rolle. Das Unternehmen Osram zum Beispiel erwirtschaftet weniger als fünf Prozent des Umsatzes mit Glühlampen.

Den Verbrauchern fällt der Abschied trotzdem schwer. Dabei gibt es sparsamere und umweltverträgliche Alternativen für fast jede Lampenart. Warmweiße Kompaktleuchtstofflampen kommen dem Glühlampenlicht schon recht nahe, es gibt dimmbare Ausführungen, und die oft beklagte zu lange Aufhellzeit wurde deutlich verkürzt. Zudem arbeiten die Ingenieure intensiv an den günstigeren LED-Lampen. Die sind besonders robust, halten lange und sind ähnlich sparsam wie die besten Kompaktleuchtstofflampen. So hat Osram gerade erst eine LED-Lampe auf den Markt gebracht, die dank Schraubsockel eine 40-Watt-Glühlampe im Handumdrehen ersetzen kann. Mit noch einem Vorurteil gilt es aufzuräumen: Es gibt kein Glühlampenverbot. Vielmehr wurden von der EU Mindeststandards für Effizienz und Gebrauchseigenschaften festgelegt. Maß ist dort nicht mehr nur die Leistungsaufnahme in Watt, sondern die „PLI-Zahl“, die das Verhältnis von aufgenommener elektrischer Leistung und abgegebener Lichtleistung beschreibt. Je höher die PLI-Zahl, desto mehr Leistung wird verbraucht. Aus diesem guten Ansatz entstand dann das recht unübersichtliche Verbot von Standardlampen bestimmter Leistungen. Die Verordnung bringt freilich nicht nur das Aus für viele Glühlampen. Auch die billigen und schlechten Energiesparlampen, die nur Energieeffizienzklasse B erreichen, verschwinden in den nächsten Monaten vom Markt.

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Quelle: F.A.Z.
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