Sofortbildkamera von Canon

Abzug im Nu

Von Hans-Heinrich Pardey
12.10.2021
, 13:16
Spiegelfechterei: Für die obligatorischen die Selfies ist das Objektiv der Sofortbildkamera Zoemini S 2 mit einer reflektierenden Fläche und einem Leuchtdioden-Ring umgeben.
Fotografieren geht schnell, ein Abzug dauert aber seine Zeit. Es sei denn, man nutzt eine Sofortbildkamera. Die technischen Verfahren können sich aber unterscheiden.

Stark modisch akzentuiert lebt das Sofortbild als Sonderform des Fotos auf Papier munter neben dem Digitalbild weiter. Das Foto in der Hand oder als Aufkleber hat längst noch nicht ausgedient. Wenn Fujifilm mit dem Instax-Material im Miniformat und der Kamera Liplay unter anderem in der Bonbonfarbe rosa vor allem junge Frauen anpeilt, versucht Canon das Gleiche mit der Zoemini-Serie. Dabei wird aber eine andere Technik des schnellen Fotos zum Anfassen eingesetzt: Zink ist, wie der Markenname andeutet, „zero ink“ also tintenlos.

Beim portablen, batteriebefeuerten Foto-Drucker Selphy hatte Canon Thermosublimation als Verfahren gewählt: Mehrfach wird das weiße Trägerpapier durch den Drucker gezogen und erhält bei jedem Durchgang eine weitere der drei Grundfarben von einer Folie aufgedampft; beim letzten Mal kommt oben drauf eine klare Schutzschicht. Das fertige Foto ist kaum von einem Standard-Laborprint zu unterscheiden. Durch das Rein-Raus des Abzugs kann man mitverfolgen, wie sich das Bild aus den Einzelfarben addiert. Der allmähliche Bildaufbau ist auch für Fujis Instax-Prints typisch: Beim Ausstoß eines Fotos aus der Kamera wird Chemie aus einem Reservoir am Bildrand unter der durchsichtigen Deckschicht über die ganze Fläche des zunächst leeren Bildfeldes gequetscht. Draußen findet binnen Minuten – die Dauer ist abhängig von der Temperatur – eine chemische Entwicklung statt. Wegen des am Foto als Rand verbleibenden Reservoirs, wegen der Dicke des Abzugs und seiner schwarzen Rückseite unterscheiden sich Instax-Prints genauso wie Polaroids Integralfilm-Bilder deutlich von anderen Fotos.

Aus dem Zoemini-Printer kommt mindestens so gemächlich wie bei den beiden anderen Verfahren ein zum Zeitpunkt des Auswurfs allerdings fix und fertiges Bild heraus. Das Zink-Papier besteht aus mehreren Schichten, von denen drei Emulsionen mit im Ausgangszustand weißen Kristallen sind, die sich je nachdem, wie lange und wie hoch sie erhitzt werden, in den drei Grundfarben der subtraktiven Lichtmischung Gelb, Magenta und Cyan verfärben. So führt ein kurzer 200 Grad Celsius heißer Impuls in der obersten Schicht zur Farbe Gelb und ein langer Impuls von 100 Grad in der untersten der drei Farbschichten zu Cyan. Hinzu kommen Trägerschichten und eine abgedeckte klebende Rückseite, um die Zoemini-Prints als Sticker zu verwenden. Das Zink-Papier für Canons Zoemini-Printer wird in Zehn-Blatt-Packs konfektioniert, denen ein „Smart Sheet“ beiliegt, mit dem der Printer kalibriert wird.

Canon hat in verschiedener Farbgebung drei Zoemini-Geräte im Rennen: den Smartphone-Printer für rund 120 Euro sowie die Kameras Zoemini C und S (5 und 8 Megapixel, rund 120 und 170 Euro), die S wurde gerade mit Zusatzfunktionen zur S 2 aufgewertet. Dazu kommt noch Schnickschnack wie zartfarbene Taschen oder kleine Alben für die lediglich 5 × 7,6 Zentimeter (2 × 3 Zoll) messenden Bilder. Die ganze Serie richtet sich deutlich an junge Frauen, die Fotos zum Verschenken oder Verzieren und als Gerät ein schickes Accessoire haben wollen. Alle drei Printer lassen sich von einer Speicherkarte oder über Bluetooth oder NFC mit Bilddaten beschicken. Beide Kameras haben einfache Aufnahmefunktionen. Auffällig an der Zoemini S sind der LED-Ring zur Beleuchtung von Selfies und die Spiegelfläche rund ums Objektiv. Natürlich gibt es auch eine App fürs Smartphone, mit der Einstellungen vorgenommen werden können. Bilder lassen sich bearbeiten, und die Kamera lässt sich fernsteuern.

Quelle: F.A.Z.
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