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Stihl KMA 130 R im Test

Alle für einen

Von Lukas Weber
 - 17:27
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Manchmal kann es sich lohnen, etwas länger zu warten. Nach den Erfahrungen vor eineinhalb Jahren mit dem Kombigerät von Stihl, an dessen Viertaktmotor diverse Anbauten gesteckt werden können, waren wir neugierig auf die leise Variante mit Elektromotor und Akku, die Stihl KMA 130 R nennt. Dann kam das Testexemplar monatelang nicht, aus Gründen, die für den schwäbischen Hersteller erfreulich sind – die Nachfrage war zu stürmisch. Nun will gutes Ding Weile haben, und so haben wir uns mit der Rückgabe Zeit gelassen. Das ist ebenfalls begründet: Das Kombigerät ist, abhängig vom Zubehör, ein Begleiter durch die Jahreszeiten, das wollten wir erproben. In unserem Fall also im Spätsommer Freischneider und Heckenschere, im Herbst den Laubbläser, und dann haben wir abgewartet, bis der erste Schnee gefallen ist.

Doch der Reihe nach. Das Kombisystem besteht im Kern aus einem Motor, der eine Antriebswelle dreht. Er wird an einem Schultergurt getragen und mit einem Rundumgriff für die Linke geführt. Zwischen Motor und Wellenausgang liegt der Griff für die Rechte mit der Schaltelektronik. Dort gibt es zusätzlich zu Sicherheitssperre und Gashebel einen Schieberegler, mit dem die Leistung in drei Stufen verstellt werden kann. Wie beim Benziner lässt sich die Drehzahl aber auch gefühlvoll am Fingerhebel regulieren.

Die Vorzüge des Akkubetriebs sind rasch erklärt: kein Abgas, so gut wie keine Vibrationen und viel leiser; die meisten Werkzeuge machen mehr Krach als der Motor, so dass auf Ohrenschutz verzichtet werden kann und die Büroleute keine Briefbeschwerer nach dem Laubbläser schmeißen müssen. Für den Anwender erfreulich: Es liegt weniger Gewicht in der Hand – unser Testgerät war in der Messung mit 3100 Gramm noch etwas leichter als im Prospekt, der von uns einst benutzte stärkste Benziner KM 131 R wiegt 4,4Kilo. Plus das Gewicht im Tank. Der Akku des KMA hingegen wird ausgelagert. Er wandert in eine Tasche an den Gürtel, von dort aus versorgt er den Motor über ein 130 Zentimeter langes Kabel mit Strom; das ganze Ensemble wiegt 2,75 Kilo. Wir haben den backsteingroßen AP 300 aus dem Profiprogramm von Stihl mit 36 Volt und einem Energiegehalt von 227 Wh verwendet. Es gibt mit den gleichen Abmessungen auch weniger gehaltvolle Varianten, die mögen wir aber für den stromintensiven Betrieb des Kombigeräts nicht empfehlen, sowie seit kurzem den Akku 300 S mit 281 Wh. Und große, die wie ein Rucksack auf dem Rücken getragen werden. Dann bekommt man für fünf bis sieben Kilo Zusatzgewicht bis zu 1150 Wh, mit denen vom Sonnenaufgang bis zur Dunkelheit gearbeitet werden kann.

An geeigneten Vorsatzgeräten sind derzeit elf im Programm, darunter führt Stihl allerdings die Sense zweimal (mit Faden oder Messer), und der Kunde kann zwischen einem starren Heckenschneider und einem in der Neigung verstellbaren wählen – der ist zwar schwerer und teurer, aber oft ganz praktisch, zum Beispiel lässt sich damit leicht über dem Boden oder über Kopf schneiden. Außerdem gibt es Blasgerät, Kehrwalze, Kehrbürste, Gestrüppschneider, Kantenschneider, Bodenfräse und Hoch-Entaster. Die Aufsätze werden auf den Anschluss des Kombigeräts geschoben, das gelingt dank einer Nase narrensicher. Dem Narren muss man freilich erklären, dass er beide Teile fest bis zum Anschlag zusammenschieben muss, sonst gibt es keine Kraftübertragung – dem Autor dieser Zeilen ist das mehr als einmal passiert. Für das Arbeiten hoch oben gibt es Schaftverlängerungen aus Stahl, Alu oder Karbon, sie unterscheiden sich in Gewicht und Preis. Alle Teile wirken robust, wir haben es aber doch geschafft, den 4,5×4,5mm-Vierkant der Verlängerungswelle abzuscheren, als im rüden Einsatz der Heckenschneider verklemmte, ein Garantiefall.

Andererseits spricht das für die Kraft des Elektromotors. Tatsächlich fühlt sich der KMA gegenüber der Variante mit dem starken Benziner nicht schwächlich an, vor allem beeindruckt das Drehmoment. Sensible Naturen werden aber eine etwas niedrigere Drehzahl der Welle spüren – deshalb ist etwa der maximale Luftdurchsatz des Bläsers geringer (1110 statt 1300 Kubikmeter je Stunde). Der wird indes selten gebraucht, und der Geräuschpegel des Laubbläsers ist im direkten Vergleich mit dem Benziner unerhört niedrig, weshalb wir sämtlichen Kommunen, Gartenbetrieben und Privatleuten Laubbläser mit Akku ans Herz legen möchten.

Unser Favorit war zunächst aber der Gestrüppschneider. Der sieht fast aus wie der Heckenschneider, ist aber kürzer, und das Messer schafft daumendicke Äste. Wir haben damit am Rand der Pferdeweide eine 30 Meter lange Schneise in wildes Brombeergestrüpp gefräst, wobei sich im Gegensatz zum Messer an der Motorsense präzise und gefahrlos arbeiten lässt. Tadellos funktioniert auch der Hoch-Entaster, dessen Handhabung sich mit einem Winkelgetriebe aus dem Zubehör an der Verlängerung verbessern lässt, weil so von oben nach unten gearbeitet werden kann. Im Herbst war dann der Laubbläser dran. Der verrichtet seinen Dienst unverdrossen, die Kombi ist aber mit rund 180 Zentimeter Länge unhandlich. Zum Schluss haben wir auf den ersten Schnee gewartet, um die famose Reinigungswalze daran zu erproben. Hei, wie die Brocken fliegen – es lagen leider nur ein paar Zentimeter. Der kleine Akku ist je nach Vorsatzgerät grob nach etwa einer Stunde leer, mit dem Laubbläser auf voller Stufe können es aber auch nur zwanzig Minuten sein. Nach einer halben Stunde ist wieder aufgeladen. Mit dem AR 1000 haben wir gearbeitet, bis es nichts mehr zu treiben gab, da war er noch halb voll.

Gutes hat seinen Preis, und Akkugeräte sind erst mal teurer als solche mit Verbrenner. Der KMA 130 R kostet knapp 300 Euro, hinzu kommen rund 450 für Akku samt Ladegerät und die Werkzeuge (von der Motorsense für 140 bis zur Kehrwalze für fast 580 Euro). Aber die Ruhe vor dem Knattern ist unbezahlbar.

Quelle: F.A.Z.
Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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