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Tab Wohnwagen

Ei der Knaus

Von Lukas Weber
 - 11:06
Ein schöner Rücken: Der große Tab wirkt gestreckter als der kleine.zur Bildergalerie

Manche Aussage des Fachmanns ist so einleuchtend, dass man schon aus Prinzip nicht widersprechen möchte. „Ein Ei bleibt ein Ei“, sagt der kundige Reifenmonteur und meint damit, dass er wuchten kann, wie er will, das Rad läuft trotzdem nicht rund. Andernorts wird die ovale Form eher geschätzt, die Anhänger der Tab genannten Wohnwagen von Knaus Tabbert sind eine verschworene Gemeinschaft der Nonkonformisten. Sie lieben ihre Knutschkugel, und etwas Normales käme ihnen weder in den Sinn noch an den Haken.

Der Autor dieser Zeilen gehört zum Clan, seit Jahren dient ihm ein Tab 320 als Urlaubsunterkunft. Der Kollege war mit der aktuellen Version vor nicht allzu langer Zeit unterwegs (Technik und Motor vom 3. Januar 2017) und voll des Lobes – mit der Einschränkung, dass der knubbelige Bettanhänger mit Kochnische für seine stattliche Statur doch etwas winzig ausfällt. Dem Manne kann geholfen werden. Neben dem Original gibt es seit einigen Jahren unter der Bezeichnung Tab 400 (die Zahl entspricht grob der Nutzlänge) eine Variante, die in allem eine Nummer zugelegt hat. Ein Groß-Ei also, das trotzdem noch fast so aussieht wie das Klein-Ei. Laut Unternehmen kommt die Idee an, die beiden teilen sich den Markt brüderlich.

Von außen ist der 400 an den zwei Bullaugen statt des einen links zu erkennen, außerdem gibt es ein schlankes Fenster am runden, aber länger gezogenen Rücken und deutlich mehr Überhang hinter der Achse. Der Lokus der zierlichen Nasszelle wird über eine Außenklappe entleert, im Kleinen gibt es beides erst gar nicht, stattdessen steht ein Sitzkasten im Wohnraum, in dem ein Winzklo untergebracht werden kann. Im Sanitärraum des 400 lässt sich gegen Aufpreis sogar duschen, was für den Kollegen eher von theoretischem Wert ist, weil er überall anstieße. Aber er könnte trotz Gardemaß im gesamten Innenraum stehen. Der Zuwachs an Länge (597 statt 517 Zentimeter, Breite (225 gegenüber 201 und Höhe (261 anstelle von 255 Zentimeter) macht sich also in jeder Hinsicht wohltuend bemerkbar, der Nutzwert steigt. Das geht einher mit einer Grundrissänderung, die Küchenzeile mit dreiflammigem Kocher wandert an die Längsseite gegenüber der Sanitärzelle und des arg kompakten Schranks, im Bug gibt es dafür eine Sitzgruppe für nominell drei Personen, unter der ein Wassertank mit 45 Liter Inhalt steckt. Wirklich Platz ist dort nur für zwei Leute, und selbst die sitzen auf die Dauer nicht übermäßig bequem, weil die Lehne steil ist. Dafür entschädigt der Panoramablick aus dem großen Fenster nach vorn. Und notfalls kann die Gruppe zu einem Bett umgebaut werden.

Komfortabel ist der Tab 400 auf die Dauer nur für zwei Leute, höchstens mit Kind. Die müssen sich mögen, denn das Bett im Heck – es ist fest eingebaut und hat einen Lattenrost – ist nur 145 Zentimeter breit, geschlafen wird quer zur Fahrtrichtung. Im Vergleich zum kleinen Bruder, der 30 Zentimeter mehr Breite auf der umfunktionierten Sitzgruppe bietet, aber längs liegen lässt, hat das Vor- und Nachteile: Bei nicht ganz idealer Ausrichtung des Wagens auf der Rampe liegt der Kopf halt etwas höher, das beeinträchtigt nicht den Schlaf; die Neigung zum Partner wird über die Kurbel der Deichsel millimetergenau geebnet, was beim Schlafen in Längsrichtung nicht geht. Aber einer von beiden muss, wenn er oder sie nächtens das Bett verlassen will, über den anderen klettern. Der wohlgeformte Rücken des Tab erweist sich hier als störend, irgendwo stößt immer der Kopf an – meist an den Sonnenschutz-Lamellen des Heckfensters, die sich darüber laut beschweren. Und weil wir schon bei den Geräuschen sind: Das Aufstellen und Schließen erfolgt mühelos mittels Elektromotor, der deutlich zu vernehmen und erschreckend langsam arbeitet. Nachts ist das auf dem Campingplatz peinlich.

Das fest installierte Bett im Heck hat einen weiteren Vorzug: Darunter gibt es höchst willkommenen Stauraum, der durch einfaches Anheben des Rostes samt Polster oder die Außenklappe gut zugänglich ist. Fein, da schmeißen wir alles rein – ein solches Vorhaben geht schief. Bett und Stauraum liegen hinter der Achse, jedes Kilo hier vermindert die ohnehin geringe Stützlast weiter. Wer also nach hinten läuft, bevor der Tab seine Füße ausgefahren hat, bringt das Ei dazu, sich auf den Hintern zu setzen. Zwei volle Gasflaschen mit elf Kilo vorn im Kasten können dem entgegenwirken, und auf der Deichsel ist noch Raum für Fahrräder, die gar nicht schwer genug sein können.

Gut gefallen hat uns die runde Spüle mit viel Platz darunter, der allerdings schmale Apothekerschrank, die Heizung mit Luftführung in alle Ecken (aufpreispflichtig) und die Belüftungsmöglichkeiten über die großen Fenster. Das riesige vorn lässt man nachts freilich besser zu, wegen der Rundung des Eis schließt das Moskitorollo nicht ganz dicht. Lobenswert auch der Mückenschutz am Eingang (gegen Aufpreis), das LED-Licht innen und außen, der große Kühlschrank, und dass der Stromanschluss nun an der Seite ist. Indessen stören ein paar Kleinigkeiten: scharfkantiger Türverschluss, schwache Befestigung des Klapptischs neben dem Bett und geringer Abstand zwischen Herd und dem Küchenschrank darüber – wer kocht, bedampft dessen Unterseite.

Wie fährt sich so etwas? Unauffällig, der Anhänger liegt stabil und ruhig in allen Geschwindigkeiten. Allerdings steigen die Anforderungen an das Zugfahrzeug, denn statt 650 Kilo mit dem kleinen Modell muss rund eine Tonne bewegt werden.

Dem Tab beigelegt war ein hochwertig verarbeitetes Vorzelt von Wigo, das eigens für diesen Typ gefertigt und auch über Tabbert vertrieben wird. Am Wohnwagen wird es in die Kederleiste eingefädelt und gegen diesen mit Querstreben abgestützt, die fest an die Alukarosse geklemmt werden. Das geht relativ schnell und funktioniert gut, vor allem der Verstellmechanismus überzeugt. Uns wären aber mehr als drei Streben lieber. Als Sonnendach folgt die Form dem Ei, die Längsseite bleibt offen, der Wind fährt darunter. Mittels Reißverschluss kann die Front geschlossen werden, wegen der Fenster bleibt es hell und dank eines großen Moskitonetzes luftig. Das Zelt erhöht den Platz beträchtlich, wir würden es jederzeit dazu ordern – auch wenn es knapp 1500 Euro kostet.

Womit wir bei den Preisen wären. Tab zu fahren ist nicht billig, für weniger als 20.000 Euro gibt es nur die Basisausstattung, sie lässt sich mühelos um etliche Tausender für Zubehör und Popfarben erweitern. Aber die Freunde des Eis mögen ja nichts anderes. Wird also aus einem kleinen Kult ein großer, wenn man die Maße ändert? Nicht unbedingt, der 400 hat mehr Wohnwert als der 320, ist aber weniger abgedreht und in den Augen der Hardcore-Fans nicht ganz so knuffig. Doch das fällt eigentlich nur auf, wenn sie beieinanderstehen.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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