Desinfektion mit UV-C Lampen

Null Coronaviren in 25 Sekunden

Von Anna-Lena Niemann
10.07.2020
, 22:14
Signify will Coronaviren an Flughäfen, in Boutiquen und Büros mit UV-C-Lampen unschädlich machen.

Krisen haben schon mancher Technologie auf die Sprünge geholfen. Und so scheint jetzt der Moment der eigentlich jahrzehntealten UV-C-Technik gekommen zu sein. Der Bedarf an sicheren Desinfektionsmitteln abseits von mit Isopropanol getränkten Lappen ist groß. In der Lebensmittelindustrie und der Trinkwasserhygiene haben sich UV-C-Strahler als wirksame Alternative zur chemischen Desinfektion längst bewiesen. Nur der Sprung in den breiten Alltag ist bisher ausgeblieben. Die Corona-Pandemie ändert das gerade.

Der Beleuchtungskonzern Signify, ehemals Philips Lighting und einer der größten der Welt, startet nun mit einer ganzen Palette aus zwölf Produktfamilien in den Markt. „Im UV-C-Lichtbereich machen wir jetzt ein paar aufregende Sachen“, kündigte Harsh Chitale, Chef der Digitalsparte von Signify, die Neuheiten an.

Die Leuchten sollen helfen, das Coronavirus auf Oberflächen, Objekten und in der Luft unschädlich zu machen. Natürlicherweise hindert die Ozonschicht die für den Menschen unsichtbaren Lichtwellen daran, bis zur Erde zu dringen. An künstlichen Leuchtmitteln arbeitet aber nicht nur Signify schon seit Jahrzehnten, weil erwiesen ist, dass die kurzwelligen und energieintensiven UV-C-Strahlen allerlei Bakterien, Pilze und Viren unschädlich machen, indem sie deren DNA beschädigen. Neu ist der Nachweis, dass die Leuchten auch bei Sars-CoV-2 wirken. Das hat sich das Unternehmen nun von der Boston University bestätigen lassen. Wenn die Viren den Leuchtmitteln für sechs Sekunden ausgesetzt sind, seien sie zu 99 Prozent unschädlich gemacht. Nahezu 100 Prozent erreiche man nach 25 Sekunden.

Mit dem niederländischen Unternehmen GLA hatte sich Signify zuvor einen Spezialisten für UV-C-Geräte zur Luftentkeimung eingekauft, wie Chitale mitteilte. Von ihnen kommt die nun vorgestellte Deckenleuchte, die in Büros genauso wie in Schulen und Kitas eingesetzt werden kann. Dazu muss die Anlage unter der Decke installiert werden, mindestens in einer Höhe von 2,4 Metern. Ein eigenes Ventilationssystem hat sie aber nicht. Sie ist darauf angewiesen, dass die Luft im Raum durch künstliche oder natürliche Ventilation konstant zirkuliert, damit sie in Intervallen dann eben auch durch die Licht-Desinfektionsanlage wabert.

Im Inneren befinden sich je nach Ausführung zwei, drei oder vier Leuchtröhren mit jeweils neun oder achtzehn Watt. Weil UV-C-Strahlen aber nicht nur für Viren, sondern auch für Menschen und Tiere schädlich sind, sorgt ein Parabolreflektor zusammen mit nicht reflektierenden Lamellen dafür, dass die Strahlen nicht in den ganzen Raum gelangen. „Die Wirksamkeit von 99,99 Prozent bezieht sich auf den Bereich, der direkt bestrahlt wird“, erklärt Chitale. Für den Raum insgesamt treffe das also nicht zu, „aber die Luft ist trotzdem substantiell sauberer als zuvor“.

Ganze Lichttunnel für Flughäfen und Supermärkte

Zudem sieht Signifys UV-C-Offensive Leuchten für Bekleidungsgeschäfte, Supermärkte, Hotels oder Flughäfen vor. In speziellen Lichtkammern können Boutiquen beispielsweise Kleidungsstücke desinfizieren, die Kunden probiert, aber nicht gekauft haben. Genauso können Werkzeuge, Telefone, Geldbörsen oder Zimmerkarten in Hotels regelmäßig bestrahlt werden. Wichtig sei dabei aber nicht nur das Leuchtmittel selbst, sondern auch das Design der Kammern. Denn letztlich wirken die Strahlen nur da, wo sie auch direkt ankommen können. Oberflächen durchdringen sie nicht. Für Flughäfen und Supermärkte bietet Signify künftig ganze Lichttunnel an. Sie funktionieren wie Reinigungsschleusen für Einkaufswagen und Gepäckstücke. Aus Sicherheitsgründen sind die Leuchten zudem mit Sensoren ausgestattet. Befindet sich jemand in Lichtkammer oder Schleuse, bleibt die Leuchte aus.

Was das kosten soll, ist noch nicht ganz klar. Harsh Chitale teilt mit, dass die Preise bei hundert Euro beginnen und bis zu mehreren tausend Euro für die komplexeren UV-C-Kammern und Lichtschleusen betragen. Dass die Produkte nicht noch teurer sind, liegt auch daran, dass Signify an alten Quecksilber-Dampfröhren als Leuchtmittel festhält. „Wir erkunden auch LED-Lösungen“, sagte Chef Chitale. Im Moment seien die Röhren mit ihrer Wellenlänge von 254 Nanometern aber effektiv, sofort verfügbar und vor allem kostengünstig. Die gleiche Wellenlänge, die sich bei der Bekämpfung von Viren bewährt habe, erreiche man mit LEDs bisher nur schwer.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Niemann, Anna-Lena
Anna-Lena Niemann
Redakteurin in der Wirtschaft.
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