Kontaktgrill im Test

Doppelwhopper

Von Marco Dettweiler
01.07.2021
, 16:17
Erdrückend: Für zartes Fleisch taugt der Kontaktgrill weniger.
Wer Strom aber keine Zeit hat, kann dem Gargut mit einem Kontaktgrill von WMF doppelt einheizen. Wir haben mit ihm einiges platt gemacht.

Ob die Nachfrage nach Kontaktgrills während der Pandemie zurückgegangen ist, hat noch keiner überprüft. Aber sie dürfte nun wieder steigen. Im Gegensatz zu den mit Gas und Holzkohle betriebenen Grills führt der Kontaktgrill dem Gargut Hitze mit Stromversorgung und auf zwei Seiten zu. So besteht der Profi Plus Perfection von WMF für 250 Euro aus zwei gleich großen Platten, die Fleisch, Wurst, Burger, Gemüse und anderes zwischen sich einklemmen und braten.

Um gleich auf den Punkt zu kommen: Genau hier liegt das Problem. So ein Kontaktgrill ist kein Leichtgewicht. Er drückt mit der oberen Platte ordentlich auf das drauf, was ihm untergeschoben wird. Einer Wurst macht das nicht so viel aus. Sie platzt vielleicht etwas früher auf, was nicht so schlimm ist. Legt man Patties für Burger auf, sollte man vorher mit einplanen, dass sich ihre Höhe um einige Millimeter reduziert. Dafür lässt sich ein schönes rautenförmiges Muster einbrennen. Aber ein zartes Filet, Rumpsteak oder Entrecôte geht zu viel in die Breite und verliert dabei Flüssigkeit. Am besten eignet sich Gemüse, um seine Zellstruktur zu zerstören und Röstaromen zu erzeugen.

Die eingelegten Scheiben von Zucchini, Auberginen, Möhren, Zwiebeln oder Fenchel zeigen beim Beladen wiederum ein anderes Problem. Die beiden Grillplatten bilden eine schiefe Ebene, damit die Flüssigkeit, die aus den Lebensmitteln austritt, nach vorne läuft, um von einer Schale aufgefangen zu werden. Deswegen fangen manche Würste und öliges Gemüse an zu rutschen, wenn man sie auf die untere Platte legt. Schnelles Schließen und somit Einklemmen kann das verhindern. Eleganter sind kleine Auswölbungen als Bremse, wie sie Kontaktgrills von anderen Herstellern haben.

Wie der Optigrill von Tefal unterstützt der Profi Plus Perfection den Grillenden mit sechs Garprogrammen und einem manuellen Modus. Piktogramme sollen es dem Nutzer einfach machen. Die Zeichen für Hähnchenkeule, Wurst, Steak und Fisch tun dies auch. Bei denen für Burger und Panini mussten wir erst einmal nachschlagen, was sie bedeuten. Also Knopf drücken, Gargut auflegen und Deckel schließen. Nun misst der Grill fortwährend die Temperatur. Weil der Sensor weiß, dass ein dickes Stück Fleisch langsamer heiß wird als ein dünnes, passt er die Temperatur entsprechend an. Die Programme unterscheiden sich dadurch, wie hoch die Zieltemperatur ist. Weil das Gargut verschieden dick und kalt ist, dauert es immer unterschiedlich lang.

Der Grill unterscheidet zwischen rare, medium und done. Diese Stufen durchläuft er immer, auch bei Würsten oder Hähnchen, was hier weniger sinnvoll ist. Leider hält sich der Profi Plus an die mittlerweile überholte Regel des scharfen Anbratens und heizt mit seinen 2000 Watt während des „Pre-Heating“ die Platte ziemlich hoch. Das ist gut zu erkennen an dem Rauch, der zwischen den eingefetteten Platten herauskriecht, wenn man sie öffnet. Andererseits gehen die Programme so behutsam vor, dass selbst nach der Stufe „done“ nie etwas verbrannt war.

Wer seine Steaks kurz anbrät, um sie danach mit Kerntemperaturmessung zu überwachen und bei indirekter Hitze auf den Punkt garen zu lassen, hat mit solchen Kontaktgrills keine Chance. Ganz abschreiben sollte man ihn jedoch nicht. Denn für vegetarisches Grillen eignete er sich – bis auf die rutschenden Gemüsescheiben – ziemlich gut. Im manuellen Modus gab der Kontaktgrill dem eingelegten Gemüse die richtige Bräunung mit entsprechenden Röstaromen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot